Lockdown

Was nun, Amateurfußball?

So wie hier auf dem Sportplatz des SV Curslack-Neuengamme am Gramkowweg wird es in den kommenden Wochen überall im Heimatgebiet aussehen.

So wie hier auf dem Sportplatz des SV Curslack-Neuengamme am Gramkowweg wird es in den kommenden Wochen überall im Heimatgebiet aussehen.

Foto: Volker Gast

Kein Training, keine Spiele. Das gilt im Bergedorfer Raum ab Montag für alle Fußballvereine.

Bergedorf. Der Sportplatz am Marie-Henning-Weg war am Freitagabend Schauplatz eines ganz besonderen Duells. Die Kreisliga-Fußballer von Atlantik 97 wurden vom Freizeitliga-Team Tramwaj Dziadki zu einem Freundschaftsspiel herausgefordert. Tramwaj Dziadki ist Polnisch und bedeutet „Alte Eisenbahn“, denn bei den Freizeitkickern, die von Atlantiks Stürmer Daniel Wysokinski trainiert werden, spielen erfahrene Haudegen wie die Curslacker Oliver Franz und Witalij Wilhelm mit. Unter Flutlicht trennte man sich 5:5. Das folgende Elfmeterschießen entschieden die Freizeitkicker mit 5:4 für sich.

„Das war noch mal ein guter Kick unter Freunden, so richtig zum Genießen“, schwärmte Atlantik-Coach Alexander Schreiber. Denn vom heutigen Montag an geht im Amateurfußball nichts mehr. Gut möglich also, dass dieser Kick unter Freunden das letzte offizielle Spiel im Bergedorfer Raum 2020 gewesen ist. Denn ob im Dezember nach dem Ende des Lockdowns tatsächlich noch einmal gespielt werden kann, erscheint höchst fraglich.

Besonders bitter ist der Lockdown für die Jugendlichen...

„Auch der Amateursport wird seinen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten müssen“, mahnte Dirk Fischer, Präsident des Hamburger Fußball-Verbands. „Dennoch ist es schwer vermittelbar, dass Kinder und Jugendliche in der Schule zusammen sitzen und dann draußen an der frischen Luft keinen Sport zusammen treiben dürfen.“

...doch Hoffnung kommt aus Mecklenburg-Vorpommern

Für die Jugendlichen ist der Lockdown besonders bitter, denn ihre Saison hatte noch gar nicht begonnen. Beispielsweise trug am Sonnabend die B-Jugend des TSV Glinde in Rahlstedt ein letztes Testspiel aus. Gegen die C-Jugend-Regionalliga des RSC gab es leistungsgerechtes 2:2-Unentschieden. Für die Glinder war es bereits das 14. Testspiel in diesem Herbst, bevor sie nun nicht nur ihre Spiele, sondern auch das Training einstellen müssen.

Jedenfalls dann, wenn Schleswig-Holstein nicht dem Vorbild des Nachbarn Mecklenburg-Vorpommern folgt. Dort überarbeitete die Landesregierung laut Informationen des Fernsehsenders RTL am Sonntag die Corona-Verordnung und erlaubt nun wieder das Vereinstraining für Unter-18-Jährige – sowohl draußen als auch in der Halle! Vorbei ist es also mit der einheitlichen Linie aller Bundesländer.

Initiiert wurde das von Mecklenburg-Vorpommerns Sportministerin Stefanie Drese. Die hatte schon nach der Bekanntgabe der Beschlüsse von Bundesregierung und Länderchefs gemahnt: „Sport, Bewegung und Abwechslung sind für Kinder und Jugendliche enorm wichtig für Körper und Geist. Wir wollen deshalb das Vereinstraining in festen Gruppen und unter Einhaltung von Hygieneregeln für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren im November ermöglichen.“ Allerdings ist die Genehmigung für das Jugendtraining abhängig vom Infektionsgeschehen auf kommunalere Ebene vor Ort. Für Frank Flatau, Fußball-Abteilungsleiter der TuS Dassendorf, ist das nicht ideal, auch wenn er die Entscheidung begrüßt. „Jetzt entsteht wieder die Situation, dass du in einem Ort Fußball spielen darfst und zehn Kilometer weiter nicht“, gibt er zu bedenken.

Der SV Börnsen läuft für den guten Zweck

Für den Herrenfußball gibt es derzeit keine Aussicht auf Ausnahme-Genehmigungen. Zu häufig war offensichtlich im Mannschaftskreis nicht auf die Abstandsregel geachtet worden. Teams wie der Düneberger SV, SV Nettelnburg/Allermöhe, oder Oststeinbeker SV mussten wegen mehrerer Corona-Erkrankungen im Kader Spiele absagen. Kein anderer Club wurde jedoch so hart getroffen wie Landesliga-Schlusslicht SV Bergstedt. Nach dem unglücklich verlorenen Auftaktspiel in Oststeinbek (1:2) mussten die Bergstedter wegen Infektionsfällen im Team alle weiteren Partien absagen, abgesehen von einer Begegnung, die sie mit einer nicht konkurrenzfähigen Mannschaft 0:11 in Ohe verloren. Jetzt hat das Team auf Facebook ein nachdenkliches Statement zum neuerlichen Lockdown veröffentlicht: „Wir stänkern einfach mal nicht rum. Wir stellen keine Verschwörungstheorien auf, motzen nicht über den Hamburger Fußball-Verband, der ja für viele grundsätzlich ALLES falsch macht. Wir wünschen all denen, die existenziell oder gesundheitlich unter dem Coronavirus leiden, dass sie diese Zeit gut überstehen.“

Vielleicht muss man aus der Situation einfach nur das Beste machen. Bezirksligist SV Börnsen geht mit gutem Beispiel voran. Unter dem Motto „Die Liga läuft!“ spenden die Liga-Fußballer des SV Börnsen unter dem Twitter-Hashtag #laufenfürdengutenzweck in der Zeit vom 1. bis 22. November je gelaufenem Kilometer zehn Cent an die Börnsener Kita „Krümelkiste“. Bravo!

Hörmann verspricht „schnellstmögliche Rückkehr“

„Toll, dass eine solche Idee aufgekommen ist“, freut sich Torben Meyer, der 1. Vorsitzender des SV Börnsen. Und wer weiß: Vielleicht trägt die Aktion ja dazu bei, das von den Infektionsfällen ramponierte Image des Amateurfußballs wieder etwas aufzupolieren. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds, Alfons Hörmann, hat zumindest versprochen: „Wir werden dafür kämpfen, dass wir alle gemeinsam schnellstmöglich zurückkommen. Wir müssen Kindern, Jugendlichen, aber auch Erwachsenen über alle Altersstufen die Chance zum Training, zum Wettkampf erhalten.“ Was in den kommenden Wochen zu beweisen wäre.