Ex-HSV-Profi

Martin Harnik wechselt zur TuS Dassendorf

Sein dynamischer Antritt ist sein Markenzeichen: Martin Harnik im HSV-Trikot beim Zweitliga-Heimspiel im November 2019 gegen Dynamo Dresden. Exakt 99 Tore hat der 33-Jährige in 13 Jahren für Werder Bremen, Fortuna Düsseldorf, den VfB Stuttgart, Hannover 96 und den HSV in der 1. Bundesliga (66) und 2. Bundesliga (33) erzielt

Sein dynamischer Antritt ist sein Markenzeichen: Martin Harnik im HSV-Trikot beim Zweitliga-Heimspiel im November 2019 gegen Dynamo Dresden. Exakt 99 Tore hat der 33-Jährige in 13 Jahren für Werder Bremen, Fortuna Düsseldorf, den VfB Stuttgart, Hannover 96 und den HSV in der 1. Bundesliga (66) und 2. Bundesliga (33) erzielt

Foto: ValeriaWitters / WITTERS

Von der Bundesliga in die Oberliga: 33-Jähriger Ex-HSV-Profi hat Vertrag bei Werder Bremen aufgelöst. Die Hintergründe des Transfers.

Dassendorf. Als die Corona-Pandemie im August so langsam ihren Klammergriff um den Amateurfußball lockerte und die ersten Freundschaftsspiele wieder möglich waren, verschlug es den Oberliga-Meister TuS Dassendorf zum Testkick eine knappe Autostunde südlich ins niedersächsische Vastorf bei Lüneburg. „Selbst dorthin ist Martin Harnik damals mit als Zuschauer hingefahren“, erinnert sich TuS-Liga-Manager Alexander Knull. Der Bundesliga-Profi verfolgt seit drei Jahren regelmäßig die Auftritte des Hamburger Serienmeisters, denn seine Schwester ist mit TuS-Stürmer Mattia Maggio verbandelt. Beim 8:0 gegen den Vastorfer SK (Bezirksliga) traf Maggio in der Saisonvorbereitung doppelt.

Künftig wird Harnik nun seine Rolle wechseln: vom Zaungast zum Hauptdarsteller. Denn am Sonntagabend unterschrieb der 33-Jährige einen Dreijahresvertrag bei der TuS Dassendorf, nachdem er zuvor seinen noch bis 2021 laufenden Vertrag bei Werder Bremen aufgelöst hatte. Eine Million Euro Entschädigung, so berichtet das Internetportal Spox Österreich, soll der Stürmer dafür kassiert haben. Nach dem Ende der einjährigen Ausleihe durch den Hamburger SV war Harnik im Sommer nach Bremen zurückgekehrt, hatte bei der Kaderplanung des Bundesligisten aber keine Rolle mehr gespielt. Nur im Falle eines HSV-Aufstiegs hätte die verpflichtende Kaufoption der Hamburger gegriffen. Auch ein Interesse des dänischen Erstligisten SönderjyskE, von dem in Österreich berichtet wurde, hatte sich offenbar zerschlagen.

Ex-HSV-Profi Martin Harnik spielt zusammen mit Schwager

Künftig wird der 68-fache österreichische Nationalspieler daher nun also als Sturmpartner seines Schwagers bei der TuS Dassendorf auflaufen – oder diesem gar Konkurrenz um einen Stammplatz im Team machen. Martin Harnik, der in der 1. und 2. Bundesliga für Bremen, Fortuna Düsseldorf, VfB Stuttgart, Hannover 96 und den HSV auflief und insgesamt 99 Tore erzielte, ist ohne Zweifel der spektakulärste Spielertransfer, den es im Heimatgebiet jemals gegeben hat. „Wir haben ja schon Ex-Profis wie Eric Agyemang, Marcel von Walsleben-Schied, Maggio oder Maximilian Ahlschwede geholt, aber das hier ist noch einmal ein Regal darüber. Das ist eine ganz neue Kategorie“, freut sich Knull über seinen Coup.

Ob Harnik bereits am Sonnabend im Heimspiel gegen den TSV Buchholz 08 (13 Uhr, Wendelweg) auflaufen kann, ist unklar. Der Antrag liegt zwar schon beim Hamburger Fußball-Verband, doch da der 33-jährige bislang Profi war, muss nun erst die Deutsche Fußball-Liga zustimmen. Wie lange das dauert, ist unsicher, denn solche Fälle sind selten. Der letzte war St.-Pauli-Legende Ivan Klasnic, der sich nach seinem Karriereende 2013 den Alten Herren von Croatia Hamburg anschloss.

Regionalliga-Aufstieg? Das „Nein“ klang schon mal entschlossener

Auch für Harnik, der in Bremen zuletzt vom Training der Profimannschaft freigestellt war und mit seiner Familie in Dassendorf lebt, bedeutet der Schritt, zur TuS zu wechseln, nun das Ende seiner Profikarriere. „Wir hatten sehr vernünftige Gespräche mit Martin und konnten nun eine gute und sinnvolle Lösung finden“, erklärt Frank Baumann, Geschäftsführer Fußball beim SV Werder. „Martin war immer schon sehr bodenständig“, erinnert Knull daran, dass Harnik vor Jahren auch ein Angebot von Felix Magath aus China abgelehnt hatte, um in der Nähe seiner Familie bleiben zu können. Zudem ist der 33-Jährige, der das Kicken beim SC Vier- und Marschlande gelernt hat, eng mit der Region verbunden.

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Bei der TuS Dassendorf dürfte der Transfer-Coup die Qualität in der zuletzt so vielgescholtenen Offensive massiv anheben. Und siehe da: Ganz so vehement wie in früheren Zeiten weist Knull den Gedanken an einen möglichen Regionalliga-Aufstieg nicht mehr von sich. „Wenn es eine Staffel so wie jetzt in der aufgesplitteten Version nur mit Teams aus Hamburg und Schleswig-Holstein wäre, dann vielleicht“, überlegt Knull. „Aber gegen unattraktive Gegner wie Wolfsburg II spielen müssen – bitte nicht.“