TSG-Basketballer

Bahaa Al Lababidi: In 18 Tagen von Homs nach Hamburg

TSG-Basketballer Bahaa Al Lababidi hat in kurzer Zeit fließend Deutsch gelernt.

TSG-Basketballer Bahaa Al Lababidi hat in kurzer Zeit fließend Deutsch gelernt.

Foto: Volker Gast

Bei den Basketballern der TSG Bergedorf geht mit Bahaa Al Lababidi ein syrischer Flüchtling auf Punktejagd.

Bergedorf. Wenn sich die Basketballer der TSG Bergedorf abends zum Training treffen, dann ist Bahaa Al Lababidi stets einer der Ersten in der Halle. Eine Dreiviertelstunde lang wirft sich der 26-Jährige vor jeder Einheit ein, denn seine große Stärke, der Drei-Punkte-Wurf, kommt nicht von allein. Es ist dieselbe Gründlichkeit, mit der er auch nach seiner Flucht 2015 aus Syrien sein neues Leben in Deutschland aufgebaut hat. Mit Youtube-Videos hat Al Lababidi bereits im Flüchtlingslager begonnen, die deutsche Sprache zu lernen, sich frühzeitig freiwillig für einen Deutschkursus gemeldet. Heute spricht er fast auf dem Niveau eines Muttersprachlers, darf im kommenden Jahr auf einen deutschen Pass hoffen.

„Wenn du hart arbeitest, wirst du dafür belohnt“, lautet das Credo des Syrers mit palästinensischen Wurzeln. „Es ist alles eine Frage des Willens. Wenn man sich im Kopf ein Ziel gesetzt hat, dann kann man es auch erreichen.“

TSG Basketballer starten am Sonnabend in die Saison

Am heutigen Sonnabend gibt Al Lababidi sein Debüt für die TSG Bergedorf in der 1. Regionalliga. Zum Saisonstart muss das Team von Trainer Björn Fock zunächst beim MTV/BG Herzöge Wolfenbüttel ran (19.15 Uhr, Landeshuter Platz), bevor dann am 26. September das erste Heimspiel gegen den Vorjahres-Vize-Meister SBB Baskets Wolmirstedt folgt. Für das neuformierte, junge Bergedorfer Team dürfte es ausschließlich um den Klassenerhalt gehen. Al Lababidi soll dabei als Shooting Guard aus der Distanz einer der Punktegaranten sein. „Er wird unserem Team sehr gut tun, weil er die richtige Einstellung vorlebt“, lobt Coach Fock. Und: „Er ist auf und neben dem Court sehr ehrgeizig.“

Aufgewachsen ist Al Lababidi in Homs, einer Stadt im Westen Syriens, die in etwa so groß ist wie Frankfurt am Main und die durch den Krieg weltweite Bekanntheit erlangte. Hier ging er zur Schule, studierte und spielte für den Al-Karamah Sport Club Basketball in der höchsten Liga. „Damals war Homs wunderschön. Ich hatte nie den Gedanken, dass ich da weg will“, erinnert er sich.

„Wir hatten keine Vorstellung, was uns erwarten würde“

Nach dem Ausbruch des Krieges wurde die Stadt dann aber als Rebellenhochburg mehr und mehr zum Zentrum der Gefechte. Ende August 2015 entschloss sich Familie Al Lababidi zur Flucht. „Wir hatten keine Vorstellung davon, was uns erwarten würde“, erinnert sich der 26-Jährige, „man ist ständig unterwegs, und nicht überall gibt es Internet. Da bekommt man gar nicht so viel mit.“

18 Tage dauerte der Weg von Homs nach Hamburg. „Am schwierigsten war die Reise über das Meer von der Türkei nach Griechenland“, schildert er. „Wir hatten zwar Schwimmwesten an, aber im Dunkel der Nacht mit so vielen Menschen auf dem kleinen Plastikboot zu sitzen und nicht zu wissen, ob du dort ankommst, wo du hin willst, oder ob du über Bord fällst, das war schon schwer.“ Sie gelangten auf die Insel Kos. „Da waren wir erleichtert“, betont er. Von Kos ging es schließlich weiter nach Thessaloniki und dann zu Fuß und per Bahn über den Balkan bis nach Ungarn. „Dort gab es Lager mit Tausenden Menschen, die dort eingesperrt waren“, erinnert Al Lababidi sich.

Im ersten Winter in Containern übernachtet

In Ungarn wurden die Flüchtlinge auch registriert, was zur Folge hatte, dass viele Länder sie nun nicht mehr aufnehmen wollten. Doch schließlich eröffnete sich die Möglichkeit, über Österreich nach Deutschland zu gelangen. Anfang September 2015 kam die Familie in Hamburg an. „Die ersten Tage haben wir auf Klappbetten in einer großen Feuerwehrhalle übernachtet, dann fünf Monate in Containern“, erinnert sich der 26-Jährige, „der erste Winter war sehr hart.“

Doch es hat sich gelohnt. Heute arbeitet Bahaa Al Lababidi als Erzieher an einer Grundschule, möchte im nächsten Jahr Sonderpädagogik studieren und Lehrer werden. „Ich bin schon seit drei Jahren zu 100 Prozent unabhängig von Hilfen des Staates“, betont er, „das war immer mein Ziel. Ich fühle mich hier in Deutschland total wohl. Ich möchte hier bleiben, etwas beitragen. Dies ist meine Heimat.“

Lesbos? „Fast wie bei uns damals“

Manchmal jedoch bringt das Fernsehen die Erinnerung an früher zurück. „Wenn ich die Bilder von Lesbos sehe, finde ich das sehr traurig. Das ist fast ähnlich wie bei uns damals“, sagt er. „Ich bin sehr froh, diese Chance hier in Hamburg bekommen zu haben.“