Am Freitag

Heiße Lotto-Pokal-Derbys in Ohe und Nettelnburg

Daniel Gläser (rechts, FC Voran Ohe) trennt Oststeinbeks Dave Fehland vom Ball.

Daniel Gläser (rechts, FC Voran Ohe) trennt Oststeinbeks Dave Fehland vom Ball.

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

In den beiden Landesliga-Derbys sind die Rollen klar verteilt.

Bergedorf.  Die neue Fußball-Saison geht am heutigen Freitag gleich in die Vollen. Zum einen starten Aufsteiger VfL Lohbrügge und der SV Curslack-Neuengamme in die neue Oberliga-Saison, Meister Dassendorf folgt am Sonnabend. Siehe dazu unsere Sonderseiten 21-24 in dieser Ausgabe und den Artikel unten auf dieser Seite.

Zum anderen hält die erste Runde im Lotto-Pokal am heutigen Freitag gleich zwei brisante Landesliga-Duelle bereit: Der SV Nettelnburg empfängt den SV Altengamme (19 Uhr, Katendeich), der FC Voran Ohe hat den Oststeinbeker SV zu Gast (19.30 Uhr, Amselstieg).

Bei Unentschieden sofort Elfmeterschießen

Wegen der Pandemie hat der Hamburger Fußball-Verband einige Änderungen vorgenommen: Die Regional- und Oberligisten erhalten wegen der zusätzlichen Belastung ein Freilos für die ersten beiden Runden. Außerdem wird es in der neuen Saison in allen Pokalwettbewerben keine Verlängerung geben. Im Falle eines Unentschiedens nach regulärer Spielzeit folgt sofort ein Elfmeterschießen.

Die Coronakrise wirkt sich auch auf die Zuschauerzahlen aus. Beim SVNA sind maximal 100 Zuschauer zugelassen, 85 haben sich vorab bereits online registriert. Für Spontanbesucher wird es also schwierig. „Wir spielen am Katendeich, weil es dort weniger Zugänge gibt und wir den Besucherstrom so besser kon­trollieren können. Schließlich müssen von allen die Adressen aufgenommen werden“, erläutert Gerald Grassé, der Fußball-Abteilungsleiter des SVNA.

Auch beim FC Voran Ohe ist der Einlass beschränkt. Maximal 120 Zuschauer dürfen gemäß dem Oher Hygienekonzept im Hans-Heinrich-Hackmack-Stadion dabei sein, die Eingangstore öffnen sich um 19 Uhr. Die Neugier auf die neue Saison dürfte groß sein. „98 Prozent der Fußballfreunde freuen sich sicherlich, dass die Pflichtspiel-Saison wieder losgeht“, sagt Ohes Trainer Rainer Seibert. Sich selbst zählt er allerdings zu den zwei Prozent, die den Wiederbeginn äußerst skeptisch sehen. Der Coach kündigte an, die Kabinen nicht zu betreten. Seine Ansprachen wird er unter freiem Himmel halten und weiterhin auf Abstand achten. Einige Spieler des FC Voran werden sogar bis auf Weiteres auf Einsätze verzichten.

Seibert sieht sein Team erst „bei 80 Prozent“

Der recht große Kader sollte das auffangen können. „Wir haben zuletzt gut trainiert, gerade rechtzeitig die Kurve gekriegt“, sagt Seibert. Er sieht sein Team aktuell bei 80 Prozent, „und die restlichen 20 holen wir uns bis zum Landesligastart in einer Woche“. In der Hansa-Staffel will Ohe mit acht Neuzugängen, darunter den Rückkehrern Kevin Dülsen und Rene Seibert, unter die Top fünf, muss dabei aber ohne einen der ganz großen Leistungsträger der vergangenen Jahre auskommen: Mittelfeldregisseur Robin Woost hat seine Karriere beendet. Dafür kam der 23-jährige Niklas Hoffmann mit der Empfehlung von 85 Oberliga-Einsätzen vom SV Curslack-Neuengamme. „Ich traue es ihm zu, in Robins große Fußstapfen zu treten“, ist Seibert überzeugt. „Die beiden sind ähnliche Spielertypen, wobei Niklas noch torgefährlicher ist.“

Acht Neuzugänge mögen für Oher Verhältnisse viel sein, beim Oststeinbeker SV jedoch herrschte seit dem Lockdown eine nochmals deutlich extremere Fluktuation. 17 Abgänge, 13 Zugänge, das ist der aktuelle Stand. So ist Kapitän Dave Fehlandt der einzige nominelle Mittelfeldspieler, der auch in der vergangenen Saison schon für den OSV auflief. Trainer Simon Gottschling nennt vor allem finanzielle Gründe für die Rotation. Klar ist aber auch, dass einige der höherklassig erfahrenen Abgänge – unter anderem verließen den OSV die drei Sbou-Brüder, Marc Oldag, Adrian Voigt und Agit Aydin – die Erwartungen nicht erfüllt haben.

Auch zwischen den Pfosten gibt es einen Wechsel. Den mit mehreren Teamkollegen zur HT 16 abgewanderte Thorben Joost ersetzt Shahin Ahmadi (zuletzt ASV Hamburg). „Wir wollten auch gern mit vielen jungen Spielern arbeiten“, sagt Gottschling, der als Saisonziel den Klassenerhalt ausruft.

Das Pokalspiel gegen Ohe sei ihm persönlich nicht sehr wichtig. Sein Team habe trotzdem „richtig Bock. Sie werden alles geben, gut spielen, aber vielleicht noch zu viele Fehler machen. Wenn wir weiterkommen, freue ich mich. Scheiden wir aus, ist das nicht schlimm.“

Grassé befürchtet zweistellige Niederlage

Auch beim SV Nettelnburg/Allermöhe sind die Erwartungen vor dem Pokalhit gegen den SV Altengamme gedämpft. „Ich bin froh, wenn wir nicht zweistellig verlieren“, unkt Abteilungsleiter Gerald Grassé unter dem Eindruck der jüngsten Testspiele, die gegen unterklassige Teams wie den USC Paloma II (0:4), SC Vier- und Marschlande (2:3) und SC Wentorf (3:6) allesamt verloren gingen.

Angesichts von zwölf Ab- und zehn Zugängen muss sich das Team erst noch finden. Aber ganz so ernst wie Grassé schätzt Trainer Daniel Andrade die Lage vor dem Heimspiel gegen seinen Ex-Verein nicht ein. „Die Rollen sind sicher klar verteilt“, schiebt er den Vierländern die Favoritenrolle zu. „Es ist klar, dass der Saisonstart für uns ein paar Wochen zu früh kommt.“

Die jüngsten Ergebnisse konnten Andrade aber nicht nachhaltig verunsichern. „Wir hatten einfach das Pech, dass wir immer auf Mannschaften getroffen sind, die in der Vorbereitung schon deutlich weiter waren als wir“, analysiert er.

Das dürfte auch heute wieder der Fall sein. Der SV Altengamme fegte zuletzt den Bezirksligisten SCVM mit 5:0 und den Landesligisten Inter Eidelstedt mit 7:1 vom Feld. Umziehen und duschen werden sich die Vierländer übrigens heute auf der heimischen Anlage am Gammer Weg. Vorsicht ist halt Trumpf in diesen schwierigen Corona-Zeiten.