Magische Momente

Als Schwarzenbek wegen van der Vaart kopf stand

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Volker Gast
Rafael van der Vaart schießt mit einem spektakulären Fallrückzieher aufs Tor.

Rafael van der Vaart schießt mit einem spektakulären Fallrückzieher aufs Tor.

Foto: Malte Christians / dpa

3300 Zuschauer, 7 Fernsehteams, 12 Tore – das HSV-Gastspiel am 4. September 2012 war ein historisches Ereignis für den SC Schwarzenbek.

Schwarzenbek. Es gibt sie in jedem Sportverein: die magischen Momente. In einer Serie stellen wir Höhepunkte aus der Geschichte unserer Vereine vor. Heute: Nach seiner Rückkehr zum HSV hat Weltstar Rafael van der Vaart 2012 seinen ersten Auftritt ausgerechnet beim Freundschaftsspiel in Schwarzenbek.

Bloß nicht waschen! – Das Trikot

Den größten Schatz hat sich Christoph Hammel, Mittelfeldspieler des SC Schwarzenbek, an diesem historischen 4. September 2012 bereits zur Pause gesichert: das Trikot von Rafael van der Vaart. „Ich habe es meiner Mutter gegeben und ihr gesagt: ,Bewahre es bitte auf’“, erinnert sich der heute 37-Jährige, „sie sagte: ,Kein Problem, ich wasch’ es auch’. Ich rief: ,Nein, bloß nicht!’“ Heute hängt das gute Stück mit einigen Bildern hinter Glas in Hammels Büro.

3300 Zuschauer an der Schützenallee

2500 Karten hatte der SC Schwarzenbek im Vorfeld für das Testspiel gegen den Hamburger SV abgesetzt. „Der HSV zog ja auch so“, erinnert der damalige Sportliche Leiter des SCS, Frank Flatau. Als dann jedoch Vize-Weltmeister van der Vaart zum HSV zurückkehrte und klar wurde, dass der „verlorene Sohn“ seinen ersten Auftritt in Schwarzenbek haben würde, gab es kein Halten mehr. Menschen mit Schildern „Karte gesucht“ standen in der Schützenallee, 3300 Zuschauer drängten sich auf der Anlage. „Sieben Fernsehteams haben berichtet, Sport 1 übertrug die ersten Minuten der Partie live“, erinnert sich Flatau.

Heung-Min Son traf viermal

Nichts überließen die Hanseaten dem Zufall, so überzeugte sich der HSV-Platzwart in den Wochen vor dem Spiel zweimal vom Zustand des Rasens. Es wurde eine Gala. Zum 12:0-Sieg des Bundesligisten steuerte der kurzerhand zum Kapitän erklärte van der Vaart höchstpersönlich das Tor zum 3:0 bei. SCS- Keeper Henning Bindzus, heute Marketing-Direktor des HSV, war chancenlos. Auch Hammel lernte seine Grenzen kennen. „Ich habe versucht, gegen Robert Tesche, der gefühlte 1,62 Meter groß ist, einen Kopfball zu gewinnen“, erinnert sich der 1,95-Schlacks, „doch ich war chancenlos, so einen stabilen Körper hatte der.“ Der Held des Abends war der damals 20-jährige Heung-Min Son mit vier Toren, heute einer der Top-Stürmer in der englischen Premier League. Sein Trikot ergatterte Jan Bannasch. „Der war damals gar nicht begeistert“, schmunzelt Hammel, „er meinte, aus dem wird doch sowieso nichts. Heute ist Jan der glücklichste Mensch der Welt.“

Von van der Vaart getunnelt

Nach dem Schlusspfiff mussten die Schwarzenbeker noch auf dem Rasen Interviews geben. „Ich habe zwei Zweikämpfe gegen van der Vaart gewonnen“, verkündete Nils Schumacher stolz. Später in der Kabine leistete Hammel dann Abbitte in Form einer Kiste Bier bei der Mannschaft. „Van der Vaart hat mich getunnelt“, gesteht er zähneknirschend. Als der Holländer davon hörte, steuerte er schnell vier Flaschen Oldesloer Korn zum Schwarzenbeker Kabinenfest bei.

Wiedersehen nach einigen Jahren

Jahre später trafen sich van der Vaart und Hammel beim Abschiedsspiel des Niederländers auf der Tribüne des Volksparkstadions wieder. „An das Spiel konnte er sich nicht mehr erinnern“, schildert Hammel, „wohl aber an den Korn und daran, dass man über zwei Sportplätze laufen musste, um auf den Rasen zu kommen. So hatte das kleine Schwarzenbek seinen Eindruck hinterlassen in der großen Karriere eines Weltstars.
SCS:
Bindzus; Oertel, Basenau, Bannasch, Ehmke; Hammel, Schumacher; Koitka, Bethmann; Kröhnert, Bolz. Eingewechselt: Scheunemann, Schner, Uwihs, Bollongino, Tastekin, Ohle, Gierke, Ehlers.
HSV:
Neuhaus; Diekmeier (2), Mancienne, Sternberg, Aogo; Tesche (1), Arslan (2); Lam, van der Vaart (1), Jansen (1); Son (4). Eingewechselt: Brügmann (1), Dettmann.

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