Magische Momente

Am Tag, als der SV Börnsen Fußballgeschichte schrieb

| Lesedauer: 4 Minuten
Olaf Lüttke
Der Bericht der Bergedorfer Zeitung über das DFB-Pokalspiel des SV Börnsen bei Waldhof Mannheim vom  5. August 1978.

Der Bericht der Bergedorfer Zeitung über das DFB-Pokalspiel des SV Börnsen bei Waldhof Mannheim vom 5. August 1978.

Foto: Michael Hardter

Sie ließen extra ihre Ehefrauen zu Hause, um sich besser auf das Spiel konzentrieren zu können: die Börnsener Pokalhelden von 1978.

Börnsen. Es gibt sie in jedem Sportverein: die magischen Momente. In einer neuen Serie stellen wir Höhepunkte aus der Geschichte unserer Vereine vor. Heute: der SV Börnsen im DFB-Pokal.

Es war die große Zeit des 1. FC Köln. Die Mannschaft von Trainer Hennes Weisweiler wurde in der Saison 1977/78 Meister und Pokalsieger. Unter ferner liefen: der FC Bayern, der die Spielzeit auf Platz zwölf beendete. Von den Kölnern haben auch die Fußballer des SV Börnsen geträumt, als sie zusammensaßen und der Auslosung der 1. Runde des DFB-Pokals entgegenfieberten. Nun, weder Köln noch Bayern hieß der Gegner der Börnsener, die zu dieser Zeit in der Amateurliga Hansa (5. Liga) Fußball spielten. Am 5. August 1978, einem Sonnabend, gastierte die Mannschaft von Trainer Gerhard Radzuweit bei Zweitligist Waldhof Mannheim.

70 Fans und Bürgermeister dabei

Bis zuletzt hatte der SVB versucht, die Mannheimer dazu zu bewegen, ihr Heimrecht abzugeben. Vergebens. „Die haben wohl einiges über unsere Kampf- und Spielstärke und über unseren Ehrgeiz gehört. Die wollten kein Risiko eingehen“, erklärte der damalige Manager Wolfgang Drühmel. Und so machte sich die Mannschaft von Trainer Gerd Radzuweit am Tag vor dem Spiel auf nach Hemsbach an der Bergstraße, wo die Börnsener Spieler zusammen mit 70 Freunden, Fans sowie Bürgermeister Horst Marquardt übernachteten. Alle durften jedoch nicht mit. „Wir sind ohne Frauen gekommen, damit sich die Spieler besser auf das strapaziöse Spiel konzentrieren können“, erklärte Manager Drühmel damals in der Bergedorfer Zeitung.

Hält der Oberschenkel?

Egal, wie das Spiel ausgehen sollte. Eines hatte sich die Mannschaft vorab vorgenommen: zu feiern. Bei Klaus „Buffy“ Muruszach musste kurz vor Anpfiff noch der Oberschenkel bandagiert werden, und dann konnte es losgehen. „Die Mannheimer waren erst einmal überrascht. Wir waren gut drauf“, erinnert sich Kapitän Rainer Wysotzki. Bitter nur, dass die turmhohen Außenseiter durch zwei Elfmetertore noch in der ersten Halbzeit mit 0:2 in Rückstand gerieten (28., 39.). „In der zweiten Hälfte sind wir dann irgendwann zusammengeklappt“, weiß Wysotzki, der später sowohl Trainer in Börnsen als auch bei Bergedorf 85 war. Der 72-Jährige erinnert sich noch an eine gute Chance von Stürmer Jörn Clasen. Das war’s. Die Tore fielen weiter auf der anderen Seite (50., 61., 66.). Waldhof siegte schließlich vor rund 1200 Zuschauern mit 5:0.

Keeper „Aki“ Wunder ragte heraus

Lutz Maschuw ist besonders ein Börnsener in Erinnerung geblieben. „Unser Torhüter „Aki“ Wunder spielte eine derart überragende Partie, dass der SV Waldhof ihn am liebsten in Mannheim behalten hätte“, erinnert er sich auf der Facebookseite des SV Börnsen in einem Beitrag zu diesem Spiel. Die SVB-Legende war damals mitgereist und feierte an diesem Tag seinen 39. Geburtstag.

Auch Trainer Gerhard Radzuweit strotzte nach Spielschluss vor Selbstbewusstsein und las seinem Gegenüber Slobodan Cendic auf der Pressekonferenz die Leviten: „Ihre Mannschaft hat enttäuscht. Beim Meisterschaftsspiel gegen 1860 München am Mittwoch müssen ihre Jungs mehr bringen.“

Vom Weinfest in den Swimming-Pool

Und dann konnte sie losgehen, die angekündigte Feier. Im Ort gab es ein Weinfest, dort zog der Börnsener Tross hin. Später, im Hotel, sind dann zahlreiche Gäste aus dem Norden in voller Montur im Swimming-Pool gelandet. „Zu dieser Zeit lag ich aber schon im Bett“, erinnert sich Wysotzki. Die Busfahrt nach Hause am Folgetag verbrachte das Gros der Börnsener dann auch schlafend.

Es sollte fast 22 Jahre dauern, bevor der SV Börnsen zumindest wieder an die Tür zum DFB-Pokal anklopfen konnte. Am 31. Mai 2000 traf der Verein vom Hamfelderedder im Hamburger Pokalfinale auf den Nachbarn TuS Dassendorf. Die klassentieferen Börnsener unterlagen dem Oberligisten mit 1:5. Dassendorf zog dann im DFB-Pokal das Los Unterhaching. Doch das ist eine andere Geschichte.
Die Börnsener Mannschaft gegen Waldhof: Dieter Steffens, Heinzi Redlich, Rudi David, Klaus „Buffy“ Muruszach, Rainer Wysotzki (Kapitän), Rolf Muruszach, Horst Friedrich, Knut Meyer, Jörn Clasen, Holger Kristof, Joachim „Aki“ Wunder, Wolfgang Klörs Jens Arnold. Trainer: Gerhard Radzuweit.

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