Hallenhockey

Trainer Reiher will die zweite Garde besser machen

Bei der Strafecke von Rahlstedts Stefan Schilling (in weiß) springt der Wohltorfer Niklas Bellinger lieber hoch. Keeper Sebastian Kabke macht sich lang. Linus Nehls (v.l.), Justus von Stechow, Stephan Mühlmann und Julian Scholtysek schauen zu.

Bei der Strafecke von Rahlstedts Stefan Schilling (in weiß) springt der Wohltorfer Niklas Bellinger lieber hoch. Keeper Sebastian Kabke macht sich lang. Linus Nehls (v.l.), Justus von Stechow, Stephan Mühlmann und Julian Scholtysek schauen zu.

Foto: Volker Koch / BGZ -Volker Koch

Wohltorf. Der TTK Sachsenwald kann wieder Zweiter werden. Aber was fehlt zum Aufstieg in die 1. Liga? Eine Analyse.

Wohltorf. Die Spieluhr am Tonteich ist fast abgelaufen, als Finn Dabelstein noch einmal im Schusskreis des Rahlstedter HTC auftaucht. Mit seiner ganzen Routine stochert der erfahrene Stürmer den Ball in Zeitlupentempo Gästetorwart Niklas Tanck durch die Beine. 19 Sekunden vor dem Ende des letzten Heimspiels dieser Saison in der 2. Hallenhockey-Bundesliga erzielt Dabelstein den 7:6-Siegtreffer für die Wohltorfer. Damit können die „Tontauben“ weiter auf die Vizemeisterschaft hoffen – es wäre die vierte in den vergangenen fünf Jahren.

Darauf angesprochen entfährt dem umlagerten Siegtorschützen nur ein Wort: „Vizekusen!“ Während die Fußballer von Bayer Leverkusen mehrfach knapp an der deutschen Meisterschaft vorbeigeschrammt sind, heißt das Trauma der TTK-Hockeyspieler: verpasster Erstliga-Aufstieg. „Vizemeister? Ich kann’s nicht mehr hören“, verdreht auch Trainer Lutz Reiher die Augen. Doch was fehlt den Wohltorfern zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte?

Cleverness

Zum wiederholten Male haben die „Tontauben“ eine Begegnung unnötig spannend gemacht. Gegen Rahlstedt verspielen sie eine 6:2-Führung. Die Hausherren haben sogar Glück, dass die Referees beim Stand von 6:6 einen Gästetreffer nicht geben.

Leistungsdichte

„Uns fehlt die Breite im Kader“, räumt Reiher ein. Das gilt insbesondere für den Sturm, was sich leicht an Zahlen festmachen lässt. Im Vergleich zur ersten Sturmreihe mit Dabelstein (28 Tore, davon fünf gegen Rahlstedt) und Justus Utasch (16) fallen Marwin Pawlik (4) und Jasper von Gerven (0) deutlich ab. Gegen Rahlstedt (Reiher: „Es geht ja um nichts mehr“) verzichtet er auf Pawlik und von Gerven, die nicht trainiert hatten, und verhilft drei 17-Jährigen aus dem eigenen Nachwuchs zum Zweitliga-Einsatz: Linus Nehls, Justus von Stechow und Julian Scholtysek. Denn anders als die Hamburger Großvereine kann der TTK keine Spieler einkaufen. „Das heißt, wir müssen unsere zweite Garde besser machen“, sagt Reiher.

Verletzungspech

Der Ausfall von Torhüter Lucas Plambeck (Schulter) konnte mit dem reaktivierten Martin Kabke noch aufgefangen werden. Im Saisonfinale bei Klipper ist Kabke jedoch verhindert. Dann bekommen die beiden Keeper der „Zweiten“ – Jonny Brunemeyer und Niklas von Wede – je eine Halbzeit die Chance zur Bewährung. Doch insbesondere Abwehrrecke Sören Zeitler (Nase gebrochen), der in den entscheidenden, verlorenen Partien in Flottbek und Hannover an allen Ecken und Enden fehlte, ist nicht zu ersetzen.

Fazit

Erstliga-Absteiger TG Heimfeld dürfte in der letzten Hallensaison von Coach Reiher, unter dem der TTK seine beste Phase erlebt, ein leichterer Kontrahent werden, als Flottbek in diesem Winter. Das Publikum am Tonteich ist ohnehin erstliga-reif. Beim bedeutungslosen Abschluss gegen Rahlstedt, bei dem auch Stephan Mühlmann und Florian Stubbe trafen, war die Halle mit knapp 250 Zuschauern bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt. Jetzt müssen die „Tontauben“ nur noch ihr Vize-Trauma loswerden.