Gut Ding will Weile haben

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Von Dirk Schulz

Nettelnburg.
Gerald Grassé denkt gern in großen Zeitabschnitten. "Langfristig", sagt der Fußball-Abteilungsleiter des SV Nettelnburg/Allermöhe, "wird sich unser Weg auszahlen." Die Nettelnburger haben sich die Jugendarbeit auf die Fahnen geschrieben und dafür mehrfach Preise vom Hamburger Fußball-Verband eingeheimst. Die A- und B-Junioren spielen bereits in der Regionalliga, die C-Jugend hat gute Karten, dorthin aufzusteigen. "In Hamburg sind wir ein Vorzeigeverein", betont Grassé.

Das beschränkt sich indes auf die Jugendarbeit. Weil der SVNA "nur" in der Bezirksliga spielt, ist er für die Junioren, wenn sie in den Herrenbereich "entwachsen", nicht attraktiv. So profitieren von den gut ausgebildeten Nachwuchskickern andere. Vor einem Jahr etwa "angelte" sich Oberligist SV Curslack-Neuengamme gleich vier Nettelnburger A-Jugendliche.

Diesen Exodus will der Verein seit Jahren stoppen. Auch, damit sich die Kosten für die Nachwuchsteams - die Jugend-Regionalliga kostet rund 16 000 Euro pro Saison - auszahlen. "Wir wollen eine Durchlässigkeit schaffen, damit unsere Herren partizipieren. Das ist wesentlich realistischer, wenn du die Landesliga hast", weiß Jan Arp, der Ligamanager des SVNA.

Vor fünf Jahren standen sie am Henriette-Herz-Ring bereits mit einem Bein in der Landesliga. Im letzten Saisonspiel gegen den MSV Hamburg erzielte der SVNA in der 85. Minute ein reguläres Tor, das ihnen den Aufstieg beschert hätte. Doch der Schiedsrichter wollte eine Abseitsposition gesehen haben.

Vier vergebliche Aufstiegsversuche später - nie war der SVNA schlechter als Platz fünf, doch nie war er so nah dran wie 2010 - hat die Mannschaft von Trainer Klaus Behla nun erneut die Chance zur Meisterschaft. Dafür bedarf es "nur" vier Siege im allerdings schweren Restprogramm (Glinde, Elazig, Lauenburg, Geesthacht). Doch selbst wenn es erneut nicht klappen sollte, einen Aufstieg im Hau-Ruck-Verfahren wird es nicht geben. "Ich bin der letzte, der eine Söldnertruppe zusammenholt", sagt Grassé.

Gleichwohl will es der SVNA langsam wissen. Das Gros der aktuellen Stammkräfte hat bereits für die nächste Saison zugesagt. Zudem liest sich die Liste der Zugänge - weitere sollen folgen - namhafter als in der jüngeren Vergangenheit: Marcel Jeremias, Philip Siegmund (SCVM, wir berichteten), Torwart Steven Kaeding (Aumühle), Edon Durguti (SVCN) und Florian Klein (eigene A-Junioren). "Alles Leute mit Stallgeruch, die früher schon bei uns waren", wie Manager Arp betont. Besonders Durgutis Verpflichtung - er war einer der von Curslack Abgeworbenen - freut die Nettelnburger. "Auf die Jugend zu setzen ist ein langer, schwerer Weg, aber letztlich der richtige", spricht Arp seinem "Chef" Grassé aus der Seele.

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