Fußball

Radio durch die "85"-Brille

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Dirk Schulz

Bergedorf. Als die Jubelschreie und Gesänge der Anhänger von Bergedorf 85 immer lauter werden, überkommt es für einen kurzen Moment auch Jean-Oliver Groddeck. "Auswärtssieg, Auswärtssieg", grölt der 18-jährige glühende "Elstern"-Fan in sein Mobiltelefon.

Er ist live auf Sendung, berichtet beim Internet-Radio www.1000mikes.com (Mikes: englische Abkürzung für Mikrofone) vom "85"-Spiel in der Fußball-Oberliga beim SV Lurup.

Dafür musste sich der Schüler des 13. Jahrgangs am Gymnasium Bornbrook vorher nur bei dem Hamburger "Mitmachradio" registrieren lassen, kann sich dann über eine Festnetznummer jederzeit für eine Schaltung einwählen und muss nur noch lossprechen. Sein Ein-Mann-Sender heißt "85live on air".

Dreimal hat Groddeck bereits von Spielen der "Elstern" berichtet. Dafür "bewaffnet" sich der Bergedorfer jedes Mal mit einem Zettel mit den Mannschaftsaufstellungen. "Besondere Moderationen überlege ich mir nicht, darum hört es sich manchmal wohl auch sehr spontan an", sagt der 18-Jährige selbstkritisch.

Trotzdem lauschten immerhin 17 Hörer seinen Schilderungen von der Schlussphase gegen den SC Concordia.

Die Beiträge können auch als Audio-Dateien - sogenannte Podcasts - im Archiv angehört werden. Und hier ist die Nutzerzahl schon größer. Rekord sind die 95 Klicks für das Ende der Premieren-Übertragung beim SV Curslack-Neuengamme, als Groddeck beim 3:2-Siegtreffer der "Elstern" live "drauf" war.

Für die gestern ausgefallene Partie bei Voran Ohe hatte er neben den üblichen Einblendungen zum Anpfiff sowie dem Ende der beiden Spielhälften erstmals auch eine Halbzeit-Analyse geplant. Gesprächspartner wäre Tim Scharfenberg gewesen, mit dem er zusammen mit Andreas Ebel die Stadionzeitung "85live" sowie den Blog (Internet-Tagebuch) 85live.blogspot.com betreibt.

Für seinen Lieblingsverein legt er sich gern ins Zeug. Von den Profi-Klubs hält er dagegen wenig: "Beim HSV ist mir zu viel Kommerz und der Einzelne zu anonym", sagt Groddeck, der aufgrund seiner Sehbehinderung die Begegnungen mit einem Fernglas verfolgen muss. "Das ist bei großen Sportplätzen schon mal ein Problem. Aber ich weiß ja, wer bei ,85' auf welcher Position spielt", sagt Groddeck. Der Rest ist manchmal nicht so wichtig. "Ich kommentiere durch die schwarz-weiße ,Elstern'-Brille", gibt er offen zu. Und da flippt man bei einem Erfolg wie in Lurup schon mal ein bisschen aus.

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