Wohnen Bergedorf

Soziales Bauprojekt: Wohnungen für benachteiligte Bewohner

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Thomas Voigt
Vorstand Rainer Hölzke, Polier Julian Köhlmoos, Finanzsenator Dr. Andreas Dressel und Vorstand Petra Eggert (v.l.) legen den Grundstein für das Mehrfamilienhaus mit 30 Wohnungen.

Vorstand Rainer Hölzke, Polier Julian Köhlmoos, Finanzsenator Dr. Andreas Dressel und Vorstand Petra Eggert (v.l.) legen den Grundstein für das Mehrfamilienhaus mit 30 Wohnungen.

Foto: Thomas Voigt

Der Grundstein am Wilhelm-Osterhold-Stieg für eine besondere Wohnanlage ist gelegt. Warum es zwölf Jahre bis zum Start gedauert hat.

Neuallermöhe.  Schon im März soll Richtfest gefeiert werden, und Ende 2023 sollen die 30 Wohnungen am Wilhelm-Osterhold-Stieg 9 bezugsfertig sein. Für ein nicht alltägliches soziales Bauprojekt hat die Baugenossenschaft Schlüsselbund eG am Dienstag gemeinsam mit Hamburgs Finanzsenator Dr. Andreas Dressel (SPD) den Grundstein gelegt. In dem viergeschossigen Bau direkt am Fährbuernfleet entstehen 30 Wohnungen für etwa 40 Personen, die geistig, seelisch oder körperlich beeinträchtigt sind.

Wohnen in Bergedorf hat am Wilhelm-Osterhold-Stieg eine soziale Komponente

Die gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Schlüsselbund eG wurde im Jahr 2010 gegründet. Ihr wesentliches Ziel ist die Unterstützung von Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen durch den Bau und die Vermietung von Wohnungen. Etliche dieser Personen, die in der Regel als vordringlich Wohnungssuchende anerkannt sind, haben große Schwierigkeiten, Wohnraum zu bezahlbaren Mieten zu finden. Die bundesweite Besonderheit von Schlüsselbund eG besteht darin, dass sie von über 25 gemeinnützigen Unternehmen sozialer Dienstleistungen gegründet wurde, darunter der Lohbrügger Verein „Der Begleiter“ und die Alsterdorf Assistenz Ost gGmbH.

Nicht weniger als zwölf Jahre seit der Gründung der Genossenschaft hat es gedauert, bis nun erstmals Wohnraum entsteht. „So lange haben wir um unsere Finanzierung gerungen“, sagt Petra Eggert vom Vorstand. „So schnell, wie die Baukosten stiegen, kamen wir mit dem Finanzieren gar nicht mehr hinterher. Und dann fiel Anfang dieses Jahres auch noch die KfW55-Förderung weg, und wir mussten die Bedingungen von KfW40 erfüllen, um diese Mittel einzuwerben.“

Schlüsselbund-Genossenschaft plant noch weitere Neubauten

Für sein Bauvorhaben hat die Schlüsselbund eG von der Stadt Hamburg das etwa 850 Quadratmeter große Baugrundstück in Erbpacht übergeben bekommen. Es werden acht Wohnungen für Eltern mit einer Behinderung und ihre Kinder von der Alsterdorf Assistenz Ost, acht Wohnungen für Personen mit psychischer Erkrankung von „Der Begleiter“, zwei Wohnungen für Haftentlassene vom Fürsorgeverein e.V. und zehn Kleinstwohnungen für Jungerwachsene aus dem Programm „Hier wohnt Hamburgs Jugend“ vergeben. Gefördert wird das Bauvorhaben auch von der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB). Nach der Fertigstellung ihres ersten Objekts plant die Schlüsselbund-Genossenschaft weitere Neubauten, unter anderem am Osdorfer Weg in Hamburg-Osdorf.

Senator Dressel war vor zwölf Jahren als Referent bei der Gründungsversammlung dabei

„Bei der Gründungsversammlung dieser bundesweit einzigartigen Genossenschaft vor zwölf Jahren war ich als Referatsleiter im Hamburger Amt für Wohnen dabei“, erinnerte Senator Dressel, der bei der Finanzierung des Projekts mehrfach als Vermittler half und den Initiatoren auch den Erbpachtzins für das Grundstück stunden ließ. „Nun schließt sich der Kreis, und ich bin besonders gern beim Grundsteinlegen mit von der Partie.“ Der Bedarf an Häusern wie diesem sei riesig bei Menschen mit besonderen Zugangsproblemen zum Wohnungsmarkt.

Laut Vize-Bezirksamtsleiter Ulf von Krenski passt das Projekt bestens nach Bergedorf, „weil es innovativ ist. Und Neuallermöhe hat bei Google einen Sympathiewert von 4,6 – genauso wie der Michel und die Elbphilharmonie“.

( tv )