Brandbrief an Tschentscher

Mieter in Bergedorf sauer: Unser Haus wird kaputtsaniert

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Thomas Voigt
Mieter eines Mehrfamilienhauses an der Ecke Anita-Ree-Straße/Ebner-Eschenbach-Weg beschweren sich über die Sanierung des Gebäudes.

Mieter eines Mehrfamilienhauses an der Ecke Anita-Ree-Straße/Ebner-Eschenbach-Weg beschweren sich über die Sanierung des Gebäudes.

Foto: Thomas Voigt

Undichte Fenster und vollgelaufene Keller sollen das Ergebnis einer Haussanierung sein. Hat die Bergedorf Bille Mieter erpresst?

Neuallermöhe.  Dieser Brief an den Hamburger Bürgermeister ist gepfeffert. „Unser Haus wird kaputt saniert“, schreibt eine Gruppe Mieter der Baugenossenschaft Bergedorf-Bille an Peter Tschentscher und zitiert dabei angeblich einen beteiligten Handwerker. Bei dem Haus handelt es sich um das Mehrfamilienhaus mit den Adressen A­nita-Rée-Straße 13-29 und Ebner-Eschenbach-Weg 18-26 in Neuallermöhe, das derzeit mit Förderung der Hansestadt Hamburg energetisch saniert wird. Annähernd 200 Mietparteien wohnen in dem Gebäude.

„Im April 2020 wurden Bürocontainer aufgestellt, erst danach bekamen wir ein Schreiben von der Bergedorf-Bille, dass das Haus saniert wird“, heißt es in dem Brief, der nicht namentlich, sondern mit der Formulierung „Die Bewohner“ unterzeichnet ist. „In dem Schreiben war genau festgelegt: neue Außenfassade, neue Fenster, Deckenisolierung, Lärm und Dreck. Wenn wir nicht klagen oder die Miete mindern und unser Einverständnis unterschreiben, zahlen wir nach Fertigstellung einen bestimmten Betrag mehr an Miete, sonst den dreifachen Mehrbetrag. Das nennt die Bergedorf-Bille dann Mieterbefragung und Zustimmung.“

Haussanierung Neuallermöhe: Vieles könnte sich verschlechtern

Die Zwischenbilanz der Verfasser bei der auf vier Jahre angelegten Sanierung fällt ernüchternd aus: „Wir haben jetzt weniger Komfort als früher, und für diese baulichen Veränderungen haben wir nicht unterschrieben.“

Als da seien: keine Balkonüberdachungen mehr im obersten Stockwerk. Die Außenkellereingänge mit Rampe für Fahrräder wurden zugeschüttet. Die Müllcontainer stünden jetzt direkt am Wohnhaus. Die neuen Lüfter an den Fenstern können nicht mehr geschlossen werden. Bei Sturm entstünde ein furchtbares Pfeifgeräusch durch die neuen Lüfter. Zudem frieren die Fenster jetzt im Winter angeblich von außen zu, und bei Plusgraden und feuchtem Wetter seien sie von außen beschlagen. Und: „Nun laufen auch noch bei Starkregen unsere Keller voll durch das neu isolierte Mauerwerk. Da hilft nur ein regelmäßiges Auspumpen nach Starkregen.“

Die Bergedorf-Bille gibt an, von nichts zu wissen

Der Vize-Chef der Bergedorf-Bille zeigte sich überrascht, als unsere Redaktion ihm das Schreiben vorlegte. „Bei uns ist diese Beschwerde bisher nicht angekommen“, erklärt Markus Tanne. „Und es verwundert mich umso mehr, weil es bisher eher wenig Kritik aus dem Haus zu der energetischen Sanierung gibt. Schade auch, dass der Brief keinen konkreten Absender hat.“

Nach seinen Worten erfolgt die energetische Sanierung des 1985 errichteten Hauses zu diesem relativ frühen Zeitpunkt, da die Fassade ohnehin erhebliche technische Mängel hatte. „Da mussten wir ran, also machen wir es jetzt gleich richtig.“ Um für das rund 7 Millionen Euro teure Vorhaben Zuschüsse aus Hamburg zu bekommen, waren laut Markus Tanne die Zustimmungen von mindestens 50 Prozent der Mieter erforderlich. „Bei weniger Zustimmungen wäre es tatsächlich für uns, und damit auch für die Mieter, merklich teurer geworden.“

Viele der Probleme sollen schnell gelöst werden

An Stelle der bisherigen Kellerabgänge mit Fahrradspur erhalten die Mieter nun im Zuge der Außenarbeiten ebenerdige Fahrradschuppen, kündigt der Bergedorf-Bille-Vize weiter an. Eine Positionierung der Mülltonnen direkt am Haus könne nur provisorisch erfolgt sein, allein schon aus Brandschutzgründen, und werde alsbald korrigiert.

„Verschließbare Lüfter sind nach den neuen Bauvorschriften nicht mehr zugelassen, stattdessen müssen wir ein festgelegtes Mindestdurchlüftungsvolumen gewährleisten. Der Beschwerde wegen der Pfeifgeräusche werden wir aber nachgehen.“ Auch über Wassereinlauf in die Kellerräume hatte Markus Tanne bislang keinerlei Nachricht: „Auch das werden wir aber untersuchen.“

Der stellvertretende Geschäftsführer sagt abschließend: „Wie gesagt, bisher gab es aus dem Haus kaum Beschwerden. Und das Schreiben lässt auch nicht erkennen, wie viele Mietparteien es als Urheber hat.“