Naturkatastrophe in Hamburg

Sturmflut: Gedenkstein erinnert an die Opfer aus Moorfleet

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Lena Diekmann
Haben sich dafür eingesetzt, dass in Moorfleet an die Opfer der Flut von 1962 erinnert wird: Renate Oltmann (vorne, v.l.), Gisela Harder und Barbara Mietzner. Hinten: Petra Struss (v.l.), Manfred Harder, Marianne Röhr und Monika Rathmann

Haben sich dafür eingesetzt, dass in Moorfleet an die Opfer der Flut von 1962 erinnert wird: Renate Oltmann (vorne, v.l.), Gisela Harder und Barbara Mietzner. Hinten: Petra Struss (v.l.), Manfred Harder, Marianne Röhr und Monika Rathmann

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Auf Initiative von Gisela und Manfred Harder entstand ein Ort der Erinnerung. So haben sie die Katastrophe 1962 in Hamburg erlebt.

Hamburg.  Es war eine der größten Katastrophen in der Geschichte Hamburgs: In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 brachen bei einer schweren Sturmflut an mehreren Stellen die Deiche der Stadt. Insgesamt 315 Menschen in Hamburg starben – darunter 14 in Moorfleet, Billbrook und Billwerder. „Die Sturmflut ist bis heute allgegenwärtig in Moorfleet“, berichtet Gisela Harder.

Doch kein Ort erinnerte bislang an die Menschen, die in dieser Nacht ihr Leben verloren. Das wurde nun auf Initiative des Ehepaares Harder geändert: Neben dem Hauptportal der Kirche St. Nikolai am Moorfleeter Kirchenweg ist jetzt ein massiver Felsstein mit Bronze-Plakette zum Gedenken an die Opfer der Sturmflut zu finden. „Wir danken Pastor Michael Ostendorf für den schönen Platz des Steins vor der Kirche“, sagt Gisela Harder, die zum Zeitpunkt der Flut in den USA in Chicago lebte und sich noch daran erinnern kann, dass Bilder der Flut auch dort im Fernsehen gezeigt wurden.

Zeugen der Sturmflut in Hamburg

Ihr Mann, damals wie heute am Moorfleeter Deich zu Hause, wurde hingegen direkter Zeuge der Katastrophe, als auf Höhe des Holzhafens der Deich brach und Menschen versucht haben, sich vor den Wassermassen aufs Dach ihres Hauses zu retten. „Sie haben noch versucht, sich an den Dachpfannen festzuhalten, doch rutschten ab. Im Wasser machten sie noch zwei, drei Züge und gingen dann einfach unter“, erinnert sich der 82-Jährige. Dieses Erlebnis habe ihn dazu bewogen, ein Jahr später in die Freiwillige Feuerwehr einzutreten, um künftig in der Lage zu sein, helfen zu können.

Finanziert wurde der Gedenkstein durch die Kollekte, die beim Fluterinnerungsgottesdienst im Februar der Gemeinden Moorfleet, Allermöhe und Reitbrook gesammelt wurde sowie durch eine Spende der Frühstücksdamen, die einmal im Monat im Fährhaus Tatenberg zusammenkommen. Eine von ihnen ist Monika Rathmann.

Frühstücksdamen haben den Stein mitfinanziert

Die 71-Jährige ist am Mittleren Landweg groß geworden und erinnert sich, dass ihre Mutter gerade vom Brötchen austragen zurückkam, als das Wasser den Stadtteil „von hinten“ überflutete, weil der Moorfleeter Kanal über seine Dämme getreten war. „Sie kriegte gerade noch die Tür auf“, berichtet Monika Rathmann. Das erste, was die Mutter gerettet habe, seien die Ranzen ihrer Kinder gewesen. „So musste ich weiter zu Schule gehen“, erinnert sie sich, während viele ihrer Schulkameraden fehlten, da die Flut ihnen alles genommen hatte.

Auch die gesamte Ernte ihrer Eltern wurde in dieser Nacht vernichtet, erinnert sich Barbara Mietzner, deren Familie am Moorfleeter Deich Gemüse anbaute. Gemeinsam mit ihrem Bruder wurde sie zu einem höher gelegenen Haus in der Nachbarschaft evakuiert, weil Teile des Elternhauses einsturzgefährdet waren. Das Schwein, das gerade erst geschlachtet worden war, wurde aber noch gerettet, erinnert sich Barbara Mietzner.

Bergedorfs Bezirksamtsleiterin kommt

Die Frühstücksdamen kommen bereits seit etwa 20 Jahren zusammen, um aktuelle und kulturelle Themen bei einem gemeinsamen Frühstück zu besprechen. Für den nächsten Termine habe Bergedorfs Bezirksamtsleiterin Cornelia Schmidt-Hoffmann ihr Kommen zugesagt. Kontakt zu Organisatorin Gisela Harder gibt es per E-Mail an gisela-harder@harderhof.de.

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