Hausboot

Auf „Fiete“ fühlt sie sich wie Huckleberry Finn

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Lena Diekmann
Lieblingsplatz: Auf der Terrasse von Hausboot „Fiete“ kann Christine Saalmüller total abschalten. Seit drei Jahren hat der an der Müritz gebaute Trimaran im Holzhafen seinen Liegeplatz.

Lieblingsplatz: Auf der Terrasse von Hausboot „Fiete“ kann Christine Saalmüller total abschalten. Seit drei Jahren hat der an der Müritz gebaute Trimaran im Holzhafen seinen Liegeplatz.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Christine Saalmüller hat sich ihren Traum vom Wochenendhaus erfüllt. Es ist ein Hausboot und liegt im Holzhafen Moorfleet.

Hamburg. Urlaub auf dem Hausboot gehört coronabedingt seit 2020 zu den touristischen Gewinnern. Auch viele Reiseberichte informieren über den Boom auf dem Wasser – und dabei entdeckte Christine Saalmüller auf dem Symbolbild einen guten Bekannten. Denn das kleine Hausboot aus Holz, das auf dem bereits vor einiger Zeit aufgenommenen Foto noch ruhig auf der Müritz schwamm, hat mittlerweile im Holzhafen von Moorfleet seinen Heimathafen gefunden.

Schon seit längerem hatte Christine Saalmüller von einem Wochenendhaus geträumt – dann fand sie eins, das schwimmt. Vor drei Jahren kaufte die 56-Jährige das Hausboot an der Müritz, wo es der vorherige Eigentümer komplett selbst aus sibirischer Lärche gebaut hatte. „Unverwüstbar“, wie die heutige Besitzerin betont.

Hausboote sind die touristischen Gewinner der Pandemie

Mit viel Liebe zum Detail schuf er eine gemütliche, holzverkleidete Kabine inklusive Sitzbänken, unter denen sich viel Stauraum verbirgt und die mit wenigen Handgriffen zu einer Liegefläche umgebaut werden können. Sogar ein kleines Bad inklusive Toilette mit Fäkalientank hat Platz auf dem Hausboot.

Strenggenommen ist es aber kein Hausboot, sondern ein Trimaran: Es hat drei Schwimmkörper und ist frei beweglich, hat ein Bugstrahlruder, einen über das Solardach gespeisten E-Motor, Außenborder und Außensteuerstand. Große Touren unternimmt Christine Saalmüller mit ihrem „Fiete“, wie sie das Boot getauft hat, aber nicht.

Bootsbauer hat den Trimaran mit viel Liebe zum Detail geschaffen

Zum einen, weil es in der starken Strömung der Elbe schwer zu steuern wäre – und zum anderen stellt sich schon eine innere Ruhe ein, wenn sie nur im Holzhafen an Bord geht. „Ich fühle dann ein wenig wie Huckleberry Finn“, sagt sie, die selbstständig im Bereich Transport und Consulting tätig ist.

Selbst in arbeitsintensiven Phasen findet sie dann auf „Fiete“ mit Liegeplatz ganz am Ende des Stegs ihre Ruhe. „Es reicht eine halbe Stunde in der es sanft schaukelt und ich bin tiefenentspannt“, sagt Christine Saalmüller. Auch ihre drei Kinder und ihr Enkelsohn kommen gern an Bord. Es wird geangelt oder gemeinsam mit dem Lebensgefährten mit einem kleinen Motorboot zu Ausflügen gestartet.

Die glückliche Besitzerin hat noch nie an Bord

Übernachtet hat Christine Saalmüller allerdings noch nie an Bord. Bei Niedrigwasser hält sie sich nicht gern auf dem Boot auf. Denn dann ist „Fiete“ nur noch von tiefem, grau-braunem Schlick umgeben. Der wirft Blasen, es blubbert und knistert. „Eine unheimliche Szenerie“, sagt Christine Saalmüller, die seit 25 Jahren in Moorfleet wohnt.

Das Schauspiel, wenn das Wasser dann aber wieder aufläuft und sich erst langsam und dann immer schneller seinen Weg bahnt bis in den Holzhafen, beobachtet die 56-Jährige immer wieder gern. Wenn sie dann auf ihrer Terrasse sitzt, über den Kordelzaun den Blick in die Ferne schweifen lässt und die Sonne untergehen sieht, „dann ist es hier der schönste Ort für mich“.

Mehr Wasser würde den Holzhafen wieder attraktiver machen

Dennoch gibt es Steigerungspotenzial: Sie wünscht sich, dass der Holzhafen wieder ein Wassersportquartier wird – so wie er es noch vor 20 Jahren war, bevor das Areal verschlickte. Heute bleibt beim Tidewechsel nur noch ein winziges Fenster, in dem der Hafen überhaupt noch befahrbar ist.

Die Bergedorfer Koalition aus FDP, SPD und Grünen hatte im Juni in der Bezirksversammlung einen Antrag auf den Weg gebracht mit dem die Bezirksamtsleitung aufgefordert wurde, sich bei der Hamburg Port Authority (HPA) dafür einzusetzen, im Holzhafen eine Fahrrinne zu schaffen und instandzuhalten.

Behörde prüft weiter, ob wenigstens eine Fahrrinne entschlickt werden kann

Dazu teilt die Behörde für Wirtschaft und Innovation nun mit, dass sich die HPA im Rahmen des Sedimentmanagements auch mit Flachwassergebieten zur Schaffung von Tidepotenzial sowie der Gewässersanierung befasst. In diesem Zusammenhang werde auch der Holzhafen und dessen nautische Erreichbarkeit betrachtet. Überlegungen und Untersuchungen hierzu seien noch nicht abgeschlossen.

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