Wohnungen der Saga

Mieter in Lohbrügge müssen weiter E-Bikes schleppen

| Lesedauer: 4 Minuten
Thomas Pöhlsen
Die Bewohner der Perelsstraße 54 und 72 sind sauer auf die Saga, weil sie ihre E-Bikes nicht vernünftig unterbringen können: Wiebke Bojens (64, v.l.), Heidi Krohe (55), Michael Wieland (67), Monika Johannsen (66), Renate Lüth (80) und Erika Bagemihl (68).

Die Bewohner der Perelsstraße 54 und 72 sind sauer auf die Saga, weil sie ihre E-Bikes nicht vernünftig unterbringen können: Wiebke Bojens (64, v.l.), Heidi Krohe (55), Michael Wieland (67), Monika Johannsen (66), Renate Lüth (80) und Erika Bagemihl (68).

Foto: Thomas Pöhlsen

Die älteren Bewohner in den Wohnungen der Saga fordern Fahrradboxen. Warum das Unternehmen sich weigert, diese aufzustellen.

Hamburg.  Die Perelsstraße ist ein typisches Beispiel für die Wohnbebauung der 1960er-Jahre. Die Gebäude sind nach heutigem Verständnis niedrig. Es gibt Mietshäuser mit zwei oder drei Stockwerken sowie zweistöckige Reihenhäuser. Zwischen der Bebauung sind breite Grünflächen geschaffen worden. Das gesamte Gebiet ist großzügig gestaltet und weit entfernt von der heutigen, verdichteten Bauweise.

Anders sieht es in den Wohnungen aus, die den damaligen Bedürfnissen entsprechend deutlich kleiner geschnitten sind als heute. Das gilt auch für die Keller, die im Fall der Perelsstraße 54 und 72 Auslöser eines Streits zwischen Mietern und Vermieter, der Saga, sind. Denn einige Mieter haben sich E-Bikes gekauft – doch die Wohnungsbaugesellschaft weigert sich, vernünftige Unterstellmöglichkeiten zu schaffen. „Wir wollen, dass Fahrradboxen aufgestellt werden“, fordert Monika Johannsen (66).

Mit dem E-Bike ist in den Kellern der Saga kein Platz mehr für anderes

Die beiden zweistöckigen Gebäude wurden 1965 errichtet. Es gibt dort acht 40 Quadratmeter große Ein-Zimmer-Wohnungen mit einer Schlafnische. Die Wohnungen sind für ältere Menschen geschaffen; die Saga vermietet nur an Interessenten, die älter als 55 Jahre alt sind. Auch die Kellerräume sind klein, in der Regel um die vier Quadratmeter groß. „Wenn ich mein E-Bike reinstelle, kriege ich nichts Größeres mehr unter“, sagt Heidi Krohe (55).

Ein weiteres Problem: Die Mieter müssen ihre E-Bikes aus dem Keller in den Parterrebereich schleppen. Eine Rampe nach unten gibt es nicht. Außerdem sind die Treppen und die Kellerflure eng und die Bewohner zwischen 55 und 80 Jahre alt. „Ich schaffe es nicht mehr, das E-Bike hochzuschleppen“, sagt Wiebke Bojens (64).

Große Rasen- und Grünflächen, die bestens geeignet scheinen für Fahrradboxen

Mieter, die im Parterre wohnen, haben ihre E-Bikes auf ihrer Loggia abgestellt. Die ist allerdings auch nur rund vier Quadratmeter groß. Vor den Hauseingängen befinden sich Fahrradständer, die Michael Wieland (67) als „antik“ bezeichnet. „Wenn dort mein E-Bike gestohlen wird, zahlt die Versicherung nicht“, ergänzt Heidi Krohe. „Ich will mir ein E-Bike kaufen, aber solange ich es nicht vernünftig unterstellen kann, lasse ich es“, sagt Renate Lüth (80).

Deswegen kamen die Anwohner auf die Idee, dass eine abschließbaren Fahrradbox für Abhilfe sorgen könnte. Denn vor und neben den Gebäuden gibt es große Rasen- und Grünflächen, die bestens geeignet scheinen. Erika Bagemihl (68) hatte vor fünf Jahren bereits die Initiative ergriffen, doch sie bekam von der Saga eine Absage.

Hausmeister und Techniker der Saga suchten nach Platz für Fahrradbox

Dann versuchte es Monika Johannsen erneut und verfasste einen langen Brief, in dem sie das Anliegen darlegte. Sie würde selbstverständlich für eine Box Miete zahlen wollen. Danach tat sich eine Zeit lange nichts. Kurz danach dann ein Hoffnungsschimmer: Michael Wieland traf den Hausmeister und einen Techniker der Saga bei Ausmessarbeiten, erfuhr, dass diese einen Platz für die Fahrradbox suchen würden. Doch als nach 14 Tagen auch auf den Brief von Monika Johannsen noch keine Antwort gekommen ist, ruft sie bei der Saga an. Sie hört, dass an dem Thema gearbeitet werde.

Dann kommt die Antwort, und die ist knapp gehalten. Mit „Platzmangel“ wird die Absage begründet. Eine weitere Erklärung fehlt, jedoch wird der Mieterin vorsorglich mitgeteilt: Auch wenn es in der Vergangenheit bereits Genehmigungen für solche Boxen gegeben habe, „so gibt es im Mietrecht kein Gleichbehandlungsrecht“ – daraus könne also kein Anspruch abgeleitet werden. Die Mieter sind sauer: „Wir können nicht verstehen, dass in diesem Bereich kein Platz sein soll“, sagt Monika Johannsen. Und sie schiebt hinterher: „Die Baugenossenschaft Bergedorf-Bille hat es auch geschafft, Fahrradboxen aufzustellen.“

Brandschutz und Verkehrssicherheit müssen gewährleistet sein

Auf Nachfrage unserer Zeitung verweist Saga-Pressesprecher Gunnar Gläser darauf, dass Brandschutz und Verkehrssicherheit gewährleistet sein müssten. „Ein Fahrradhaus wäre deutlich zu groß für die Fläche. Kleinere Fahrradboxen würden unmittelbar vor den Fenstern der Erdgeschosswohnungen stehen beziehungsweise die Türen beim Öffnen auf öffentlichen Grund ragen“, sagt er.

Die Saga unterstütze die Mobilitätswende, ergänzt er. Auf unsere Frage, ob es ein Investitionsprogramm für Fahrradboxen bei dem kommunalen Wohnungsunternehmen gebe und falls ja, wie hoch es dotiert sei, antwortet Gläser nicht. Allerdings teilt er mit, dass die Saga den Mietern ein Gespräch anbieten will.

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