Ideenpapier

Lohbrügger Markt: Plan der Grünen sorgt für Kopfschütteln

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Ulf-Peter Busse
Blick von der Leuschnerstraße: So soll der Lohbrügger Markt nach den Ideen der Grünen künftig aussehen. Eine Spiel- und Treffpunkt-Fläche schrumpft den Bereich des im Hintergrund angedeuteten Wochenmarktes deutlich. Die Parkplätze fallen komplett weg.

Blick von der Leuschnerstraße: So soll der Lohbrügger Markt nach den Ideen der Grünen künftig aussehen. Eine Spiel- und Treffpunkt-Fläche schrumpft den Bereich des im Hintergrund angedeuteten Wochenmarktes deutlich. Die Parkplätze fallen komplett weg.

Foto: Grünen-Fraktion Hamburg

Markthändler und sogar der Koalitionspartner kritisieren das Ideenpapier, das weniger Parkplätze und einen kleineren Wochenmarkt vorsieht.

Hamburg. Er wollte „eine Debatte anstoßen“ – und hat damit in Bergedorf vor allem für Kopfschütteln gesorgt: Dominik Lorenzen, Grünen-Fraktionschef in der Bürgerschaft, trat am Donnerstag im „Hamburg-Journal“ des NDR-Fernsehens auf dem Lohbrügger Markt vor die Kamera, um sein „Ideenpapier“ vorzustellen. Einer der vier Kernpunkte: Der Lohbrügger Markt muss umgestaltet werden – weg vom Parkplatz und hin zu einem „Ort echter Begegnung“ und einem „lebendigen Zentrum des Stadtteils“.

Für den Eimsbütteler ist klar: „Der Lohbrügger Marktplatz ist eine zentrale öffentliche Fläche, die ein großes Potenzial hat, das bislang aber nicht ausreichend genutzt wird.“ Zwar sei er sonnabends und mittwochs die Heimat des Wochenmarkts, sonst aber bloß Parkplatz und so „kein wirkliches Zentrum für die Menschen in Lohbrügge“.

Die Ideen der Grünen zum Lohbrügger Wochenmarkt sorgen für Unverständnis

Das sind Worte, die den Chef des Landesverbandes der Markthändler irritieren: „Ich wüsste nicht, was kommunikativer und zentraler sein kann, als ein Wochenmarkt“, sagt Wilfried Thal. „Ein Spielplatz ist das sicher nicht. Es wäre besser, einen so erfolgreichen Markt wie den in Lohbrügge zu fördern, statt ihn dem augenscheinlichen Ziel zu opfern, öffentliche Parkplätze zu reduzieren.“

Und Kollege Bernd Simon vom Verband der Schausteller ergänzt: „Wird die Fläche verkleinert, muss der Jahrmarkt umziehen. Wieso das gut für Lohbrügge sein soll, muss mir Herr Lorenzen erklären.“ Kopfschütteln gibt es auch in der Politik. Dennis Gladiator, Bergedorfer CDU-Chef und ebenfalls Bürgerschaftsabgeordneter, erinnert daran, dass der Lohbrügger Markt in seiner heutigen Gestaltung kaum fünf Jahre jung ist. „Und der damals gut eine Million Euro teure Umbau basierte auf einer Befragung von Bürgern, Geschäftsleuten aus der nahen Einkaufsstraße und Markthändlern.“ Zudem seien für Lohbrügge zentrumsnahe Parkplätze wichtig, wie die intensive Nutzung des Areals außerhalb der Marktzeiten belege. „Und wenn wirklich mehr Grün gesichert werden soll, würde ich empfehlen, von den Neubauplanungen für Oberbillwerder Abstand zu nehmen.“

Auch die SPD ist irritiert – dem Bahnhofsvorplatz fehle es eher an Grün

Erstaunen hat das Ideenpapier der Grünen auch beim Koalitionspartner SPD ausgelöst. „Es ist äußerst unglücklich, sich bei dem ja eigentlich guten Vorhaben, graue Plätze zu beleben, ausgerechnet den Lohbrügger Markt vorzunehmen“, sagt Bürgerschaftsabgeordnete Dr. Christel Oldenburg. „Besser wäre zum Beispiel der Bahnhofsvorplatz, dem es tatsächlich an Attraktionen, Grün und gern auch kulturellen Aktivitäten fehlt.“

Ob sich Dominik Lorenzen über Alternativen in Bergedorf informiert hat, ließ er am Freitag offen. Dass sein Fokus bei der Aufbesserung zentraler Orte in Hamburg ausgerechnet auf dem Lohbrügger Markt fiel – neben Mönckebergstraße, Johannes-Brahms-Platz und Wandsbeker Chaussee –, begründet er so: „Mit unseren Vorstellungen zur Stadtentwicklung wollen wir ausdrücklich alle 104 Stadtteile in den Blick nehmen. Auch kleinere Quartierszentren wie Lohbrügge. Wir machen Politik nicht nur für die Hamburger City.“

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