Landgericht Hamburg

Waffenhandel? Lohbrügger beteuert Unschuld

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Unter anderem mit Waffen der Marke SIG Sauer soll der Lohbrügger gehandelt haben. (Symbolfoto)

Unter anderem mit Waffen der Marke SIG Sauer soll der Lohbrügger gehandelt haben. (Symbolfoto)

Foto: Anthony Anex / picture alliance/KEYSTONE

Ein 54-Jähriger soll Kalaschnikows, Maschinenpistolen und Waffenteile in einem Bunker in Langenhorn aufbewahrt haben.

Lohbrügge. Seite für Seite verliest die Staatsanwältin am Donnerstagmittag die Anklage gegen den 54-jährigen W. im Hamburger Landgericht am Sievekingplatz. Zwischen Mai 2020 und März 2021 soll der Lohbrügger mit Wohnsitz in der Korachstraße gewerbsmäßig mit Waffen gehandelt und diese in einem Bunker in Langenhorn aufbewahrt haben.

Kalaschnikows, Maschinenpistolen, Waffenteile, Munition – der Anklagesatz am ersten Prozesstag scheint endlos, so viele Waffenmodelle werden angeführt. Neben dem Hauptverdächtigen W. sitzt sein Bekannter G. Er soll von dem Waffenlager gewusst und den Bunker regelmäßig mit Gästen genutzt haben.

Landgericht Hamburg: Staatsanwältin trägt lange Waffenliste vor

Trotz der schweren Vorwürfe wirken die mutmaßlichen Täter relativ entspannt: Zurückgelehnt sitzt der Lohbrügger W. auf seinem Stuhl, setzt die Brille auf, ein kurzer Austausch mit dem Anwalt. Ob die Gelassenheit gespielt ist?

Viel Licht kann am Donnerstag noch nicht ins Dunkle gebracht werden. Denn während G. schweigt, gibt der Hauptverdächtige sich von Anfang an unwissend: „Ich war nie Waffenhändler und habe nie auch nur ansatzweise Waffen hergestellt oder verkauft.“

Waffen sollen fälschlicherweise ihm zugeschrieben worden sein

Die in dem Bunker in der Middeltwiete gefundenen Waffen gehörten alle einem Bekannten von ihm, so W. Der Bekannte R. habe Zugang zu den Räumen gehabt, dort viele Waffen gelagert.

„Als er mir Ende 2020 sagte, er sei durchsucht worden und wollte, dass ich ihm helfe, die Waffen wegzuschaffen, habe ich verneint.“ Kurz bevor er selbst festgenommen worden sei, habe R. angekündigt, alle Waffen einige Tage später endgültig aus dem Bunker zu entfernen. Doch er sei schon vorher verhaftet und die Schießgegenstände fälschlicherweise allesamt ihm zugeschrieben worden.

Der Angeklagte trägt selbstbewusst seine Version der Geschichte vor

Die Fotos, die im Internet von den Waffen erschienen seien, müssten Gäste gepostet haben. Schließlich habe er die Waffen von R. „aus Angeberei“ häufiger mal seinen Freunden gezeigt. Der gelernte Monteur gibt sich selbstbewusst, verzieht keine Miene, als er mit seinem Anwalt die eigene Version erzählt.

Spannend wird es, als der erste Zeuge in den Saal gelassen wird: Der 29-jährige M. ist bereits in anderer Sache inhaftiert. Er war angestellter IT-Experte bei S., der dem Lohbrügger W. regelmäßig Waffen im Wert von mehr als 10.000 Euro abgekauft haben soll. „Ich habe zeitweise bei Herrn S. in Quickborn gewohnt, da kam Herr W. oft vorbei.“

Die Zeugen widersprechen sich

Im Sommer 2020 habe er den Angeklagten kennengelernt. Dieser habe mehrmals Waffen der Marke SIG Sauer mitgebracht, sie mit S. begutachtet und getestet. Darunter seien Maschinenpistolen und -gewehre gewesen. Eine Geldübergabe habe er jedoch nie gesehen.

Der Zeuge S. selbst widerspricht: Er habe keine Waffengeschäfte mit W. gemacht, besitze selbst nur eine Waffe zur Verteidigung, da er sich in seinem Umfeld bedroht gefühlt habe. Genauer wollte der 39-Jährige sich als Zeuge nicht äußern, da auch separat ein Strafverfahren gegen ihn selbst läuft.

Reste einer Marihuana-Ernte und Hakenkreuz-Fahne im Waffenbunker

Der Anwalt des Angeklagten W. mahnte schließlich, den Aussagen des ersten Zeugen M. nicht zu viel Bedeutung zuzuschreiben. „Er weiß, dass er durch Hilfe an der Aufklärung theoretisch eine Strafmilderung in seinem eigenen Verfahren haben kann. Zu behaupten, dass W. schuldig ist, ist die perfekte Gelegenheit.“

Auch ein Zeuge der Zollfahndung, der am 24. März 2021 mit dem LKA den Bunker und die dazugehörigen Container durchsucht hat, sagt am Donnerstagnachmittag aus. Er habe in dem Bunker neben Waffen einen versteckten Wohnraum, Reste einer Marihuana-Ernte, eine Hakenkreuz-Fahne und eine „Soldaten-Plastikfigur“ gefunden.

Bis Anfang November sind noch sieben weitere Verhandlungstermine vor dem Hamburger Landgericht angesetzt.

( bz )

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