Mitgliederschwund

Wegen Corona: Bergedorfs Sportvereine schlagen Alarm

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Ulf-Peter Busse
Hamburg-Bergedorf: Die Absage sämtlicher Sportangebote seit Dezember bedrohen mittlerweile die finanzielle Substanz vieler Vereine.

Hamburg-Bergedorf: Die Absage sämtlicher Sportangebote seit Dezember bedrohen mittlerweile die finanzielle Substanz vieler Vereine.

Foto: Hanno Bode / BGZ/Hanno Bode

Arbeitsgemeinschaft der Clubs im Bezirk fordert staatliche Unterstützung und schnelle Freigaben im Sport. Akut drohen viele Pleiten.

Hamburg.  Nach fast drei Monaten hartem Lockdown und mittlerweile schon einem Jahr Corona stehen die ersten Sportvereine vor dem Aus. Die umfangreichen Verbote und die fehlende Aussicht auf konkrete Lockerungstermine haben ihren Mitgliederschwund in so existenzbedrohende Höhen getrieben, dass Bergedorfs Arbeitsgemeinschaft der Sportvereine (Arge Bergedorf) jetzt Alarm schlägt.

„Die Zahl der Mitglieder ist inzwischen um zehn bis 15 Prozent gesunken. Das bedeutet so erhebliche Mindereinnahmen, dass viele Vereine finanziell in großen Nöten stecken“, sagt Arge-Vorsitzender Thorsten Wetter, der gleichzeitig Vizechef der TSG Bergedorf ist, des mit Abstand größten Vereins im Bezirk.

Bergedorfer Vereine haben gut 4000 Mitglieder verloren

Rechnerisch haben die gut 80 Bergedorfer Vereine, von denen die größten in der Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen sind, gut 4000 ihrer vor der Krise 32.000 Mitglieder verloren – und zwar fast ausschließlich in den vergangenen drei Monaten: „Im ersten Lockdown vor einem Jahr hielten die meisten ihren Clubs noch die Treue.

Dann folgte im Sommer zwar ein kurzer Lichtblick, war doch zumindest ansatzweise wieder ein geregelter Sportbetrieb möglich“, schreibt die Arge in ihrem Lagebericht. Der zweite, bis heute andauernde Lockdown habe dann aber für eine ganze Welle von Austritten gesorgt. „Er wurde im November angeordnet – ausgerechnet in der Zeit, wenn die Anzahl der Neueintritte in der Regel am höchsten ist.“

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Um das drohende Vereinssterben noch zu verhindern, wendet sich die Arge Bergedorf nun mit einem Vier-Punkte-Appell an die Politik. Überschrift ist ein Zitat vom Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann: „Sporttreiben ist nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung der Pandemiebekämpfung.“

Freigaben zu allererst für Kinder und Jugendliche

Die Bergedorfer Vereine fordern, die Wiederaufnahme des Sports zum festen Bestandteil des ersten Lockerungsschritts zu machen. Die positiven physischen und psychischen Wirkungen der Bewegung – vor allem in der Gemeinschaft – seien wichtig, auch um die vielen Nebenwirkungen der Beschränkungen zu bekämpfen. Kinder und Jugendliche sollten bei den Lockerungen als erste bedacht werden.

Weiter wird ein „differenzierter Stufenplan mit länderübergreifenden Richt- und Zwischenzielwerten“ gefordert, damit „Mitgliedern und auch Mitarbeitern in den Sportvereinen wieder eine Perspektive gegeben wird“. Wie dramatisch die Lage in vielen Clubs ist, belegt die vierte Forderung: Die aktuell ausbleibenden Beiträge müssten solange ausgeglichen werden, „bis der Mitgliederstand und das Beitragsaufkommen von vor der Pandemie erreicht ist“. Sonst drohten Pleiten.

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