Lohbrügge

Abzocke? 142 Euro für drei Minuten Falschparken gefordert

| Lesedauer: 4 Minuten
Thomas Pöhlsen
Güngör Yilmaz mit seinen Auto auf dem Parkplatz am Harnackring 66, auf dem er drei Minuten zu lange geparkt hatte. Kosten: 142,45 Euro.

Güngör Yilmaz mit seinen Auto auf dem Parkplatz am Harnackring 66, auf dem er drei Minuten zu lange geparkt hatte. Kosten: 142,45 Euro.

Foto: Thomas Pöhlsen

In Lohbrügge werden Erinnerungen an frühere Abschleppabzocke wach. Die Firmennummer ist dieselbe. Hat nur der Name gewechselt?

Hamburg. Drei Minuten hatte Güngör Yilmaz zu lange am Harnackring in Lohbrügge geparkt und dafür soll er 142,45 Euro zahlen. Er ist stocksauer: „Da versucht jemand, Einnahmen zu generieren“, sagte er sichtlich um Fassung bemüht.

Erinnerungen an umstrittene Geschäftsgebaren von Firmen in den 2010er-Jahren kommen in ihm hoch. Es gibt tatsächlich eine Parallele zwischen den damaligen Fällen und dem aktuellen Ereignis.

142 Euro Strafe für drei Minuten Falschparken

Am Donnerstagnachmittag, 14. Januar, besuchte Yilmaz einen Freund am Harnackring 66 in Lohbrügge. Der wohnt im sogenannten Künstlerquartier. Auf dem Parkstreifen an der Zufahrt zum Wohngebiet stellte er sein Auto ab. Das Parken ist dort für eine Stunde mit Parkscheibe erlaubt. Als er wieder in sein Auto einstieg, wusste er, dass er die Parkzeit kurz überschritten hatte, dachte sich aber nichts dabei.

Kurze Zeit später und datiert auf „02.01.2021“ bekommt er Post von der „Parkraumlogistik N.O.R.D.“. Yilmaz staunt nicht schlecht: „Widerrechtliches Parken“ zwischen 13.23 Uhr und 14.27 Uhr wird ihm von dem Unternehmen mit Sitz in Heiligenstedten bei Itzehoe vorgeworfen. Das ist drei Minuten länger als erlaubt.

Lesen Sie auch:

Das Schreiben verweist auf zwei Gerichtsurteile

Auf dem Schreiben ist noch ein Foto seines Autos auf dem Parkstreifen zu sehen. „Durch die Beauftragung eines Abschleppunternehmens sind Kosten entstanden, die Ihnen als Halter in Rechnung gestellt werden“, schreibt die Parkraumlogistik.

Eine Rechnung über 142,45 Euro wird ihm präsentiert. Die Abschleppgebühr beträgt 159 Euro pro Stunde. Davon werden 30 Prozent aufgrund des „Abbruchs des Abschleppvorgangs“ abgezogen. Die Kosten für eine Halteranfrage von 8,40 Euro sowie die Mehrwertsteuer von 22,75 Euro kommen noch hinzu.

Das Schreiben verweist noch auf zwei Gerichtsurteile und schließt: „Wir gehen in beiderseitigem Interesse von einer termingerechten Erledigung der Angelegenheit aus.“

Verwalter des Künstlerquartiers hat Parkraumfirma beauftragt

Rein rechtlich sei das sicher nicht zu beanstanden, meint Yilmaz. Er wundere sich allerdings schon, dass bei so geringen Zeitüberschreitungen gleich der Abschleppwagen gerufen wird.

Und was sagt der Verwalter des Künstlerquartiers, die Dr. Clausen Grundstücksverwaltung, die die „Parkraumlogistik N.O.R.D.“ beauftragt hat? Eine Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, möchte sich beim Telefonat mit der bz erst beim Abschlepper nach dem Sachverhalt erkundigen, bevor sie Stellung nimmt.

War die Parkscheibe nicht deutlich zu sehen?

Sie wolle zurückrufen und sagt, ihr habe das Unternehmen erklärt, dass im Auto keine Parkscheibe gelegen habe. Der Fahrer hätte außerdem viel länger als eine Stunde und drei Minuten dort geparkt. Zudem bezeichnet sie den Fahrer als „Wiederholungstäter“.

Yilmaz zeigt sich verwundert über diese Titulierung. Es sei auch das erste Mal gewesen, dass er von „Parkraumlogistik N.O.R.D.“ eine Rechnung bekommen habe. Die Firma wollte auf Nachfrage unserer Zeitung keine Stellung zum Fall beziehen.

Handynummer weist auf frühere „Abschleppmafia“ hin

Das Unternehmen hat an der Einfahrt zum Künstlerquartier mehrere Schilder aufgestellt, die darauf hinweisen, dass bei Nichteinhaltung der Parkregeln abgeschleppt werde. Auf den Schildern ist eine interessante Parallele zur Firma „ABT Logistics“ zu finden, die vor Jahren als „Abschleppmafia“ Schlagzeilen machte: Die „Parkraumlogistik N.O.R.D.“ gibt dieselbe Handynummer an wie einst „ABT Logistics“.

Sie hatte 2017 auch in Bergedorf für Ärger gesorgt, als sie an der Post am Sander Damm widerrechtlich Strafzettel verteilte.

Damals standen vor der Post fast identische Schilder wie jetzt vor dem Künstlerquartier. Wie die dorthin kamen, war Post und Grundeigentümer damals ein Rätsel. Unsere Zeitung recherchierte damals, dass sie von der mittlerweile aufgelösten Aktiv-Transport GmbH stammten, in deren Fußstapfen die „ABT Logistics“ trat und nun anscheinend die „Parkraumlogistik N.O.R.D.“, denn die Firmenhandynummer ist bis heute identisch.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Lohbrügge