Linke-Vorstoß

Fahrräder auf Bergedorfs Wochenmärkten bleiben tabu

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Ulf-Peter Busse
Selbst wenn es schneit, sind Fahrräder bei den Kunden der Wochenmärkte ein beliebtes Transportmittel. In Lohbrügge gibt es Abstellmöglichkeiten sogar mitten auf dem Markt, gleich neben der Feuerwache.  

Selbst wenn es schneit, sind Fahrräder bei den Kunden der Wochenmärkte ein beliebtes Transportmittel. In Lohbrügge gibt es Abstellmöglichkeiten sogar mitten auf dem Markt, gleich neben der Feuerwache.  

Foto: Ulf-Peter Busse

Koalition lehnt Testphase ab. Sie fürchtet zu große Enge und Unfälle. Händler fordern mehr Stellplätze, vor allem für Lastenräder.

Hamburg. Die Wochenmärkte in Bergedorf erfreuen sich seit dem Corona-Lockdown spürbar wachsender Beliebtheit. Und weil neben Käse-, Fleisch- und Fischexperten dort trotz geschlossener Geschäfte auch zahl­reiche Blumenhändler und sogar Textilanbieter stehen, entdecken immer mehr Menschen die Märkte auch für ihre wöchentlichen Großeinkäufe. Viele von ihnen kommen mit dem Rad zum Markt, dürfen ­damit aber die Marktflächen nicht betreten.

Das würde die Bergedorfer Fraktion von Die Linke gern ändern. „Die Fahrräder, neuerdings vor allem auch die Lastenräder, werden zu einem immer wichtigeren Transportmittel. Auf den Wochenmärkten müssen die schweren Einkäufe aber bisher von Stand zu Stand und schließlich wieder ganz zurück zum Fahrradabstellplatz geschleppt werden“, begründete Lutz Jobs den Antrag, das Fahrradverbot für eine Testphase aufzuheben – zunächst auf dem Bergedorfer Wochenmarkt, wo es auf Chrysanderstraße und Vinhagenweg besonders breite Wege für die Kunden gebe.

Diskussion: Fahrräder auf Bergedorfs Wochenmärkten zulassen?

Ein Vorstoß, der jüngst im Hauptausschuss der Bezirksversammlung für eine längere Debatte sorgte. Andreas Tilsner (SPD) sprach sich gegen die Freigabe aus: „Wenn in den schon heute langen Schlangen vor den Ständen auch noch viele Leute mit Fahrrädern, gar Lastenrädern stehen, wird es sehr eng und ­sicher zu manchem Konflikt führen.“ Zudem sei es nicht erklärbar, wenn Fahrräder in Bergedorf erlaubt, in Lohbrügge aber weiter verboten seien.

Auch Stephanie Pelch (CDU) sieht Platzprobleme. Aber das Thema sei zu wichtig, um es einfach abzutun. „Wir sollten das im Wirtschaftsausschuss mit allen Betroffenen besprechen, also auch Marktmeistern und den Händlern selbst.“

Grüne melden sich nicht zu Wort, stimmen aber deutlich ab

FDP-Fraktionschefin Sonja Jacobsen hielt dagegen die Freigabe für überflüssig: „Wer fit genug ist, mit dem Fahrrad zum Markt zu fahren, der kann auch den Einkauf die paar Meter tragen.“ Ebenfalls kritisch war AfD-Kollege Reinhard Krohn: „Dürfen Fahrräder erst einmal über den Markt geschoben werden, gibt es bald die ersten, die auch drüber fahren“, fürchtete er Unfälle.

Von den Grünen gab es keine Meinungsäußerung im Hauptausschuss – aber ein klares Votum: Mit den Koalitionskollegen von SPD und FDP sorgten sie dafür, dass der Antrag scheiterte. Auch der Vorstoß der CDU, das Thema demnächst im Ausschuss zu diskutieren, wurde abgelehnt.

„Was wir brauchen, sind mehr Abstellmöglichkeiten im Umfeld der Märkte“

Tatsächlich sehen auch die Markthändler eine Freigabe für Fahrräder kritisch. „Dafür ist es trotz der coronabedingt breiteren Wege auf dem Markt zu eng“, sagt Blumenhändler Klaus Elberling. „Und wenn doch mal ein Senior das Rad dabei hat, um Einkäufe nicht schleppen zu müssen, wird das hier gewöhnlich von allen akzeptiert.“

Dass der Wirtschaftsausschuss das Thema Wochenmarkt und Fahrräder nun aber gar nicht erst diskutiert, verwundert ihn schon: „Immer mehr unserer Kunden nutzen das Fahrrad. Was wir brauchen, sind mehr Abstellmöglichkeiten im Umfeld der Märkte, gerade für Lastenräder. Das gilt vor allem in Bergedorf, aber auch in Lohbrügge.“

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