Pandemie

Hamburger Bücherhallen mit Einschränkungen geöffnet

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Anne Strickstrock
Dietrich Becker und Eva Quade zeigen unterhaltsame Filme. „Im Moment ist auch alles gefragt, was mit Backen, Basteln und Kochen zu tun hat“, sagen die beiden Bibliothekare .

Dietrich Becker und Eva Quade zeigen unterhaltsame Filme. „Im Moment ist auch alles gefragt, was mit Backen, Basteln und Kochen zu tun hat“, sagen die beiden Bibliothekare .

Foto: Anne Strickstrock / BGZ / Anne Strickstrock

Vor der Pandemie kamen täglich bis zu 700 Kunden in die Bücherhalle Bergedorf. Nun sind es 500. Welche Einschränkungen gibt es?

Hamburg.  Liebe, Familie und Gesundheit gehen immer. Auch spannende Kriminalromane aus der Region. Bloß die Reiseführer bleiben derzeit in den Regalen der Bergedorfer Bücherhalle stehen. „Aber ein bisschen Kultur muss sein. Und unsere Kunden sind froh, dass wenigstens wir noch offen haben“, sagt Leiter Dietrich Becker. Allerdings bleiben die Scharen etwa an Schülern aus, die ganze Nachmittage hier verbringen: Nur eine Stunde darf sich an der Alten Holstenstraße 18 aufhalten, wer Literatur ausleihen möchte. Bloß vier von 30 Arbeitsplätzen sind aktuell zugänglich. Und nur ein Internetplatz, der von Kunden allerdings frei genutzt werden kann. Früher mussten sie einen Euro pro Stunde zahlen.

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„Es ist politisch gewollt, dass wir öffnen. Und mit den nötigen Abständen konnte unsere Betriebsärztin das auch absegnen“, so Becker. Er ist indes traurig, dass die vielen Veranstaltungen für Kinder ausfallen müssen: Die dienstägliche Lesewelt ist ebenso gestrichen wie Kindertheater, Klassenführungen und Weihnachtsmärchen.

Bücherhallen in Hamburg trotz Light-Lockdown geöffnet

Waren es vor der Pandemie täglich bis zu 700 Kunden, sind es derzeit immerhin noch 520 Menschen, die jeden Tag hineinschauen, sich Bestseller und Gesellschaftsspiele ausleihen, die Bergedorfer Zeitung lesen oder sich neue Konsolenspiele aussuchen. „Die monatliche Ausleihe liegt bei knapp 20.000 Medien. Im Vergleich zu den Vorjahren ist das ein Minus von 20 Prozent, was aber vor allem an den Streamingdiensten liegt. Filme und CDs sind halt grundsätzlich weniger gefragt“, sagt Mitarbeiter Eva Quade.

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Umso mehr erfreuen sich die 1800 Bilderbücher im Bestand großer Beliebtheit: Gerade mal 100 sind noch in den Regalen, alle anderen ausgeliehen. Dass auch „Gregs Tagebuch“, „Harry Potter“ und die „Schule der magischen Tiere“ absolute Renner sind, freut die Bibliothekare, die viele Kinder und Jugendliche beraten, deren Muttersprache nicht deutsch ist: „Sie fangen bei uns mit den ersten Büchern an. Und ein paar Jahre später können wir uns gemeinsam über ihre schönen Schulabschlüsse freuen“, sagt Dietrich Becker (64), der seit 2004 die Ausleihe betreut und nächstes Jahr in Ruhestand gehen wird – mit zwiespältigen Gefühlen: „Eigentlich wollte ich noch den Umzug ins neue Lichtwarkhaus mitmachen. Der war ja ursprünglich mal für das Jahr 2017 geplant“, sagt er grinsend mit Blick auf die nun erhoffte Eröffnung im Frühjahr 2022. Auch danach werde er vom heutigen Standort überzeugt sein: „Lohbrügge braucht seine eigene, kleine Bücherhalle. Oder wenigstens ein Lese-Café.“

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