Ausflugstipp

Bergedorfs Museen sind hamburgweit spitze

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Thomas Heyen
Schanett Riller (l.), Leiterin der Bergedorfer Museumslandschaft, und ihre Mitarbeiterin Antje Rhauderwiek stehen vor dem Rieck-Haus. Sie freuen sich über hohe Besucherzahlen und zufriedene Gäste.

Schanett Riller (l.), Leiterin der Bergedorfer Museumslandschaft, und ihre Mitarbeiterin Antje Rhauderwiek stehen vor dem Rieck-Haus. Sie freuen sich über hohe Besucherzahlen und zufriedene Gäste.

Foto: Thomas Heyen

Museumsdienst: Besucherzahl im Vergleich mit 2019 so hoch wie nirgendwo sonst in der Hansestadt. Was das Rieck-Haus bietet.

Curslack.  Der Museumsdienst Hamburg hat für 14 von ihm betreute Ausstellungen Buchungszahlen fürs erste Halbjahr 2022 vorgelegt. Es geht um Gruppenführungen und Kindergeburtstage. Verglichen mit den ersten sechs Monaten des Jahres 2019 liegt die Besucherzahl im Schnitt wieder bei 63,8 Prozent. „Die drei hamburgweiten Spitzenreiter sind alle im Bezirk Bergedorf“, sagt Schanett Riller, Leiterin der Bergedorfer Museumslandschaft: Die KZ-Gedenkstätte komme auf knapp über 100 Prozent, das Rieck-Haus auf exakt 100 Prozent und das im Schloss beheimatete Museum für Bergedorf und die Vierlande auf 86,32 Prozent. Zum Vergleich: Das Altonaer Museum hat im ersten Halbjahr 2022 nur 22 Prozent der Zahlen von vor drei Jahren erreicht, das Museum der Arbeit in Hamburg-Barmbek 55 Prozent.

Riller: „Wir haben 2022 im Rieck-Haus erstmalig seit Corona auch jenseits der begleiteten Führungen für Gruppen und Geburtstage wieder den Besuchszahlenstand von 2019 erreicht. Der Besucherschnitt liegt bei rund 450 Besuchern pro Monat.“ Die Leiterin betont, dass das Rieck-Haus wetterbedingt traditionell im Herbst besser besucht ist als im Hochsommer.

Ausflugstipp: Warum Bergedorfs Museen so beliebt sind

Schanett Riller führt die hohen Besucherzahlen auf gute Arbeit eines „Spitzenteams“ zurück, aber auch auf andere, pandemiebedingte Faktoren, die eine Rolle spielen dürften: Das Freilichtmuseum sei vermutlich attraktiver als geschlossene Museen. „Außerdem sind die Randgebiete gefragter als Angebote in der Innenstadt. Lange Zeit haben die Menschen einen Tagesausflug auf dem Rad unternommen anstatt für den Urlaub in ein Flugzeug zu steigen.“ Viele Hamburger hätten in der Zeit von Lockdown und Homeoffice „ihre Heimat mitsamt ihren Sehenswürdigkeiten inklusive dem einzigen Schloss in ganz Hamburg neu entdeckt“, fügt Antje Rhauderwiek hinzu, Mitarbeiterin der Bergedorfer Museumslandschaft.

Zurzeit ist in der Scheune des Rieck-Hauses eine Sonderausstellung mit dem Titel „Aberglaube. Aber Glaube?“ zu sehen. Und auch für den Rest des Jahres ist in dem Gebäude mit Adresse Curslacker Deich 284, das zu den ältesten erhaltenen Bauernhäusern Norddeutschlands zählt, einiges los. Über mehrere Jahrhunderte lebte dort die Familie Rieck, seit 1954 ist das Ensemble ein staatliches Freilichtmuseum, in dem es für Jung und Alt viel zu entdecken gibt.

Ausflugstipp: Im Rieck-Haus geht’s zurzeit um Aberglaube

Jetzt also noch bis Ende Oktober „Aberglaube. Aber Glaube?“ Prof. Torkild Hinrichsen, ehemaliger Direktor des Altonaer Museums, hat die Schau zusammengestellt. Sie widmet sich irrationalem Glauben an Unglücksbringer wie ein zerschlagener Spiegel oder Freitag, der 13. und geht den Riten auf den Grund. Der Verein Bei Anruf Kultur bietet für blinde, seh- oder gehbehinderte Menschen eine Führung durch die Ausstellung am Telefon an. Am Donnerstag, 15. September, können sie sich von zu Hause aus kostenlos in die einstündige Führung einschalten und auch Fragen stellen: 040/20 94 04 29.

Torkild Hinrichsen ist im Wechsel mit Hanna Wörmbke, ebenfalls ehrenamtlich im Einsatz, auch an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 Uhr an im Rieck-Haus anzutreffen, um Besuchern Fragen zur Kulturgeschichte der Vierlande zu beantworten. Buur Ernie, der im wahren Leben Ernst Korth heißt, berichtet auch vom früheren Leben auf dem Bauernhof – auf Platt. Er ist das nächste Mal am Sonntag, 14. August, von 11.30 bis 17 Uhr auf dem Gelände unterwegs.

Museumsdienst Hamburg bietet begleitete Rundgänge an

Über den Museumsdienst können generell begleitete Rundgänge für Gruppen und Geburtstagsfeiern für Kinder auf dem Rieck-Haus-Gelände gebucht werden. Telefon: 040/428 13 10. Diese Angebote lockten an neun Terminen zwischen März und Juni bereits knapp 200 Teilnehmer, berichtet Schanett Riller. Betreut werden die Besuchergruppen von freiberuflichen Museumspädagogen. Jörg Gerhard, bei der Bergedorfer Museumslandschaft angestellter Museumspädagoge, konzipiert das Programm. Insgesamt 20 Angestellte sind bei der Museumslandschaft beschäftigt, viele von ihnen in Teilzeit. „Allein acht Mitarbeiter sind Kassenkräfte“, sagt Schanett Riller.

Die Plattsnacker treffen sich einmal im Monat im Rieck-Haus, um bei Kaffee und Kuchen zu klönen. Das nächste Treffen ist am Montag, 22. August, von 15 bis 17 Uhr. Wenn es zu kalt ist für eine gemütliche Runde in dem ungeheizten Hufnerhaus, treffen sich die Plattsnacker im Bergedorfer Schloss. Die Teilnahme kostet 3 Euro. Anmeldung erforderlich.

Ausflugstipp: Am Wochenende dreht sich alles um Handarbeit

Am Sonntag, 9. Oktober, von 11 bis 17 Uhr wird Bier gebraut. Wer lernen möchte, wie eine kleine Brauanlage für den Gebrauch in der eigenen Küche betrieben wird, zahlt 65 Euro.

Am Sonnabend/Sonntag, 10./11. September, von 11.30 bis 17 Uhr werden alte Handarbeitstechniken vorgeführt, etwa Sticken, Stricken, Häkeln und Klöppeln. Auf einem Markt können Besucherinnen und Besucher die gefertigte Textilien sowie Kaffee und Kuchen kaufen. Der Eintritt ist frei. Aussteller für die beiden Handarbeitstage können sich noch bis zum 10. August anmelden, etwa per E-Mail an museum@bergedorf.hamburg.de. „Die Besucher können auch halbfertig gestrickte Socken mitbringen, wenn sie Tipps benötigen, wie sie auch den schwierigen Teil ihrer Handarbeit bewältigen“, sagt Antje Rhauderwiek.

Kommendes Jahr soll es wieder ein Erdbeerfest geben

Familientage erwarten Jung und Alt an den Sonntagen 21. August, 18. September und 16. Oktober. Jeweils von 14 bis 17 Uhr kann das Haus mit seinen Nebengebäuden und -flächen – Schöpfmühle, Getreidespeicher, Schaugarten, Backhaus, Schweinekoben und Spielplatz – erkundet werden, wird das einstige Leben auf einem Bauernhof veranschaulicht. Zudem steht an jedem Termin ein anderes Extra (für den Nachwuchs) im Mittelpunkt: Am 21. August werden Gummibärchen aus Fruchtsäften produziert. Apfelsaft und -mus sollen am 18. September hergestellt werden. Gruselige Kürbisgesichter schnitzen die Kinder am 16. Oktober, kurz vor Halloween (31. Oktober). Geeignet sind die Angebote ab sieben Jahren. kosten: 3 Euro.

Das Erdbeerfest, vor Corona jährliches Hauptereignis auf dem Rieck-Haus-Areal, fiel auch in diesem Jahr pandemiebedingt aus – zum dritten Mal in Folge. Der Termin für 2023 steht allerdings schon fest. Am Sonnabend/Sonntag, 17./18. Juni, soll sich in Curslack endlich wieder alles rund um die süße Frucht drehen. „Die Pandemie hat in allen Kultureinrichtungen einen starken Besucherrückgang verursacht. Durch die Schließungen waren null Besucher zugelassen, dann gab es Gruppenbeschränkungen, und nur langsam erholen sich die Museen“, sagt Schanett Riller.

Rieck-Haus ist von März bis Oktober geöffnet

Das Rieck-Haus hat von März bis Oktober geöffnet – dienstags bis sonntags von 11.30 bis 17 Uhr, auch an Feiertagen. Der Eintritt kostet 4 Euro, ermäßigt 3 Euro. Besucher unter 18 Jahren zahlen keinen Eintritt.

Weitere Infos unter www.bergedorfer-museumslandschaft.de. Die Telefonnummer des Rieck-Hauses für Anmeldungen ist 040/723 12 23. Die Mitarbeiter sind während der Öffnungszeiten erreichbar.

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