Gerichtsprozess

Gute Freundschaft endet in blutiger Messerstecherei

Der Prozess am Hamburger Landgericht wird fortgesetzt. Der Angeklagte sitzt in U-Haft.

Der Prozess am Hamburger Landgericht wird fortgesetzt. Der Angeklagte sitzt in U-Haft.

Foto: David Ebener / dpa

42-Jähriger wegen versuchten Mordes angeklagt. Sein Freund wurde bei dem Messerangriff in Billwerder schwer verletzt. Die Details.

Billwerder/Hamburg. 15 Jahre lang waren Andreas T. und Philipp M. (Namen von der Redaktion geändert) eng befreundet. In der Nacht zum 29. April endete die Freundschaft mit einer wüsten Messerstecherei. Andreas T. soll seinem Freund ein Messer in den Hals gerammt haben, nur mit einer Notoperation konnte das Opfer gerettet werden. Am Freitag begann vor dem Landgericht Hamburg der Prozess gegen T. Die Staatsanwältin wirft ihm versuchten Mord vor.

Messerstecherei spielt auf abgelegenem Wendehammer

Die Tat spielte sich auf einem abgelegenen Wendehammer in Billwerder ab. Dorthin waren die beiden Männer im Golf von Philipp M. gefahren, um „miteinander abzurechnen“. Schon lange hatte ein Streit zwischen den beiden geschwelt. Andreas T. wohnte seit Monaten als unangemeldeter Untermieter bei seinem Freund, irgendwann wurde es dem Gastgeber zu viel. T. sollte endlich ausziehen, sonst wollte M. ihm „seinen ganzen Krempel vor die Tür stellen oder in den Müll schmeißen“. Umgekehrt forderte T. vom M. einen fünfstelligen Betrag zurück, den er ihm angeblich geliehen hatte. Außerdem drohte er, ihn wegen seiner vielen „Nazi-Sachen“ in der Wohnung anzuschwärzen.

Der Angeklagte wollte den Spieß umdrehen

Am ersten Verhandlungstag äußerte der 42-jährige Andreas T. sich nicht zum Anklagevorwurf. Sein Verteidiger kündigte jedoch an, dass sein Mandant später aussagen werde. Der Anwalt verlas das Protokoll einer polizeilichen Vernehmung, bei der T. versucht hatte, den Spieß umzudrehen. Nicht er habe mit der Messerstecherei angefangen, sondern sein ehemaliger Freund sei auf dem Wendeplatz im Auto mit dem Messer auf ihn losgegangen. Bei der anschließenden Rangelei müsse es dann wohl zu der schweren Verletzung von Philipp M. gekommen sein.

In der abgelegenen Gegend und mitten in der Nacht hatte Philipp M. kaum Aussicht auf ärztliche Hilfe, deshalb lieferte er sich selbst ins rund zwei Kilometer entfernte Unfallkrankenhaus in Boberg ein. Als er abfahren wollte, zerstach T. noch den rechten Vorderreifen des Autos, doch M. schaffte es trotzdem bis zum Krankenhaus.

Andreas T. erschien in derselben Nacht auf der Polizeiwache

Kurze Zeit später war die Polizei da, die Philipp M. aber wegen seines schlechten Zustands nur kurz vernehmen konnte. Die Beamten fanden in dem Golf viele Blutspuren, das Fahrzeug wurde sichergestellt.

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Nach dem Täter musste nicht lange gesucht werden. Andreas T. erschien noch in derselben Nacht auf der Bergedorfer Polizeiwache und erklärte, er habe „Scheiße gebaut“. Er wurde festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Der Prozess am Hamburger Landgericht wird fortgesetzt.