Bille-Bad

Warum sich Bergedorfer Badegäste noch lang gedulden müssen

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Christina Rückert
Selbst wenn der Lockdown endet: Das Bille-Bad bleibt noch länger zu.

Selbst wenn der Lockdown endet: Das Bille-Bad bleibt noch länger zu.

Foto: Jan Schubert

Alle hoffen auf ein Ende des Lockdowns. Doch selbst wenn er kommt: Das Bille-Bad bräuchte mindestens drei Wochen Vorlauf.

Hamburg. Fast sechs Monate ist es her, dass die letzten Besucher im Bille-Bad planschten und ihre Bahnen schwammen: Seit dem 2. November des vergangenen Jahres gilt auch für das Bergedorfer Bäderland-Schwimmbad am Reetwerder 25 der Lockdown – und das noch bis auf Weiteres. Die Hallen sind verwaist, nur einmal am Tag schaut ein Techniker im Schwimmbad nach dem Rechten.

Und der lange Stillstand hat Folgen: Weil einige der Becken erstmals für so lange Zeit mitsamt ihrer Pumpen stillgelegt sind, wird eine Wiederaufnahme des Betriebs wohl noch deutlich länger dauern als der Lockdown. „Wir werden dann eine Vorlaufzeit von etwa drei bis vier Wochen brauchen“, sagt Bäderland-Sprecher Michael Dietel.

Nicht in jedem Becken kann einfach das Wasser abgelassen werden

Er erklärt warum: „Das ist wie bei einem Auto, das lange nicht benutzt wurde: Wenn es dann gestartet wird, zeigt sich auch erst, ob alles funktioniert.“ Die Technik des Bille-Bads – und aller anderen Schwimmbäder – ist komplex. Das beginnt damit, dass längst nicht in jedem Becken einfach so das Wasser abgelassen werden kann. „In dem großen Edelstahlbecken im Bille-Bad ist das möglich“, erklärt Dietel. Nicht aber in den anderen Becken, die gefliest sind.

Bei ihnen würde der fehlende Druck durch das Wasser einen unerwünschten Effekt haben – ähnlich wie bei einer Coladose, die sich gefüllt per Hand kaum zusammenpressen ließe, im leeren Zustand aber sehr leicht. Der Boden der leeren Becken könnte sich ausdehnen und nach innen platzen, „die Fliesen brauchen einen gewissen Gegendruck“, so Dietel. Das Wasser wird auch benötigt, um den Kleber an den Fliesen feucht zu halten. Er würde sich sonst lösen. Und so sind die Fliesenbecken weiterhin gefüllt, aber nicht erwärmt. Heizkosten fallen trotzdem an, denn die Räume brauchen eine gewisse Wärme und einen Luftaustausch, um die Technik nicht zu schädigen.

Werden die Pumpen wieder ihre Arbeit aufnehmen?

Wenn dann irgendwann das Ende des Lockdowns verkündet wird, beginnt die Arbeit der Techniker: Hunderte Pumpen müssen ihren Dienst wieder aufnehmen, wenn das Wasser ins Stahlbecken eingelassen wird. Zwar war das Bille-Bad im ersten Lockdown auch schon eine Weile geschlossen, „aber nicht so lang und so radikal wie diesmal“, sagt Michael Dietel. Ob alle Pumpen wieder anspringen, wird sich dann erst zeigen.

Aber auch die anderen Becken, die weiterhin mit Wasser gefüllt waren, können nicht ohne Weiteres in Betrieb genommen werden. Die Schmutzlaufleistung, mit der das Wasser im Badbetrieb gereinigt wird, muss erst hochgefahren werden. Außerdem muss das Wasser aller Becken erwärmt und auf Badewasserqualität gebracht werden: Desinfektionsgaben kommen hinein „und auch der ph-Wert muss stimmen“, sagt Michael Dietel: „Das alles braucht ein paar Tage.“

Schon lange hat Bäderland ein Hygienekonzept für seine Bäder

Das Bille-Bad ist da keine Ausnahme: Zum Ende des Lockdowns müssen alle Schwimmhallen von Bäderland (27 Hallen- und Freibäder) wieder in den Betriebsmodus gebracht werden.

Noch ist aber eine Wiedereröffnung der Hamburger Schwimmbäder gar nicht absehbar. Die Hygienekonzepte von Bäderland seien jedoch sehr gut, meint Sprecher Michael Dietel. Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Badewesen hatte die städtische Bäderland schon 2020 einen Pandemieplan erarbeitet. Darin sind Abstandsregeln vor Attraktionen wie Rutschen und Türmen, Online-Reservierungen oder Abstände zwischen den Liegen aufgelistet.

Vor allem aber sei die Ansteckungsgefahr durch Aerosole im Schwimmbad sehr gering, betont Dietel: „Alle drei Minuten wird bei uns die Luft komplett ausgetauscht.“