Corona

Jeder zweite Bergedorfer will sich nicht impfen lassen

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Thomas Voigt
Der Piks soll gegen Corona schützen. Doch das Vertrauen in schnell entwickelte Impfstoffe ist nicht groß. Die Bergedorfer sind offenbar skeptisch, ergab eine Umfrage der Bergedorfer Zeitung.

Der Piks soll gegen Corona schützen. Doch das Vertrauen in schnell entwickelte Impfstoffe ist nicht groß. Die Bergedorfer sind offenbar skeptisch, ergab eine Umfrage der Bergedorfer Zeitung.

Foto: Martin Schutt / dpa

Einige warten „händeringend“ auf Schutz, doch viele Bergedorfer stehen Corona-Impfung skeptisch gegenüber. Die Gründe.

Bergedorf. Mehrheitlich zurückhaltend sehen die Menschen in Hamburg- Bergedorf der Möglichkeit entgegen, sich gegen eine Infektion mit dem Coronavirus impfen zu lassen. Das ergab eine nicht repräsentative Umfrage unserer Zeitung unter 100 Befragten in der Bergedorfer Innenstadt. Danach wollen sich 49 der Befragten lieber nicht gegen Corona impfen lassen. 37 Personen sind dagegen entschlossen, von einem Impfangebot Gebrauch zu machen. Die restlichen 14 Befragten antworteten mit „Vielleicht“, haben sich noch nicht entschieden.

„Ich warte schon händeringend darauf, dass endlich ein Impfstoff zur Verfügung steht, und werde mich und meine Familie impfen lassen, sobald es möglich ist“, sagte Isabella Arslan (43) aus Bergedorf. Sie vertraut auf die Qualität des Impfstoffs und seine Wirksamkeit ebenso wie die Bergedorferin Ingrid Petersen (43): „Aus Verantwortung für andere und für mich werde ich meine Tochter und mich impfen lassen. Außerdem gehören wir beide zu Risikogruppen: Meine Tochter hat Asthma, und ich arbeite in einem Pflegeheim.“

Abwarten, bis Corona-Impfstoff an Ärzten getestet ist

Birger Thoming (71) gehört zu den Lohbrüggern, die mit „Vielleicht“ geantwortet haben. „So ganz kann ich mich mit dem Gedanken einer Impfung noch nicht anfreunden“, sagte er. „Andererseits müssen wir diese Pandemie ja irgendwie überwinden.“

Eine ganze Reihe der Befragten begründete ihre Entscheidung mit ihrer persönlichen Situation: „Ich war an Krebs erkrankt und hatte Asthma“, schilderte eine 53-jährige Bergedorferin. „Da kann ich eine Corona-Infektion nun wirklich nicht gebrauchen und werde mich daher impfen lassen. Aber erst einmal warte ich, bis Ärzte und Schwestern den neuen Impfstoff an sich selbst getestet haben. Wenn dann alles gut läuft, gehe ich hin.“

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„Der Impfstoff kommt jetzt ruckzuck auf den Markt und ist mir zu wenig erprobt“, meinte dagegen eine 74-Jährige aus Schleswig-Holstein. „Die Verträglichkeit hat ja auch viel mit dem Alter zu tun. Ich lasse lieber erst einmal die Finger davon.“ Eine 30-jährige Mutter aus Bergedorf: „Wir sind alle gesund, gehören keiner Risikogruppe an. Corona-Impfstoff gab es nicht zuvor. Wer garantiert, dass es keine Langzeit- oder Erbgutschäden gibt? Wir lassen uns nicht impfen.“ Ein 33-jähriger Bergedorfer: „Freiwillig mache ich das auf keinen Fall. Diese Impfoffensive ist wie ein biologischer Krieg. Und ich lasse mich nicht zum Soldaten machen.“

Bundesforschungsministerin kündigt Informationskampagne an

Die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, liegt in Deutschland nach einer Umfrage der Universität Erfurt von Mitte November bei 53,5 Prozent. Mitte April waren es noch 79 Prozent der Befragten. Dem Meinungsforschungsinstitut Kantar sagten im November etwa 35 Prozent der Menschen hierzulande, dass sie sich „definitiv“ impfen lassen würden, weitere 32 Prozent hielten das für „wahrscheinlich“.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) warb unterdessen erneut um Vertrauen im Zusammenhang mit der schnellen Entwicklung der Corona-Impfstoffe. Bei aller Geschwindigkeit blieben die Prüfungsmaßstäbe auf dem hohen Niveau, das auch sonst bei der Zulassung von Impfstoffen angelegt werde, sagte sie am Dienstag in Berlin. Sie kündigte eine Informationskampagne an. Die Bundesregierung werde alles unternehmen, um die Bürger über die Vorteile der Impfung aufzuklären – aber auch über mögliche Nebenwirkungen.