Gegen Maskenpflicht

Hamburger Schulen haben anonyme E-Mails erhalten

Unbekannte haben E-Mails an Bergedorfer Schulen verschickt. Sie halten die Maskenpflicht an Schulen für sinnlos und gesundheitsgefährdend.

Unbekannte haben E-Mails an Bergedorfer Schulen verschickt. Sie halten die Maskenpflicht an Schulen für sinnlos und gesundheitsgefährdend.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

„Corona-Kritiker“ wollen schlechte Stimmung gegen die Maskenpflicht an Schulen machen. Der Kreiselternrat schaltet sich ein.

Bergedorf. Sie halten die Maskenpflicht an Schulen für sinnlos und gesundheitsgefährdend – und wollen das auch an Bergedorfer Schulen kundtun: Zum Ferienbeginn erreichten Bergedorfs Schulen eine Reihe anonymer E-Mails und Schreiben. Rektoren, Abteilungsleiter und Elternräte erhielten darin einen 32-seitigen Anhang, in dem Dr. Bodo Schiffmann aus dem baden-württembergischen Sinsheim vor einem „Risiko einer maskenbedingten Hyperkapnie bei Kindern und Jugendlichen“ warnt – vor einem erhöhten Kohlendioxidgehalt im Blut.

Anonyme E-Mails bei Bergedorfer Schulen eingegangen

Schon seit Wochen kursieren im Internet Behauptungen, Kinder seien gestorben, weil sie einen Mund-Nasenschutz getragen hätten. Tatsächlich gibt es im Zusammenhang mit dem Tod einer 13-Jährigen in der Pfalz keine Hinweise, dass eine Maske ursächlich gewesen wäre. Experten, etwa der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin, widersprechen der Annahme, die Maske würde den CO2-Gehalt im Blut gefährlich erhöhen.

Dennoch werden immer wieder derartige Meldungen verbreitet, besonders von Kritikern der Corona-Schutzmaßnahmen und AfD-Politikern. Schiffmann, einer der Mitbegründer der „Querdenken“-Bewegung, die gegen Corona-Schutzregeln Stimmung macht, ist besonders aktiv darin. Auf einer jüngst gestarteten Bustour zur Mobilisierung von Anhängern rief er mit dem Adventisten-Prediger Samuel Eckert zum „Widerstand gegen Freiheitsbeschränkungen“ auf.

Angeblich Kinder durch das Maskentragen gestorben

Die E-Mails und Schreiben an Bergedorfer Schulen sind möglicherweise Teil einer Kampagne. „Manche Schulleiter bekamen das per Einschreiben, andere per Mail. Und zwar getarnt als ,Elterngemeinschaft Bergedorf’, die es so überhaupt nicht gibt“, berichtet Sven Kuvecke, Vorsitzender des Bergedorfer Kreiselternrats (KER). Absender ist etwa eine „Ulrike, Mutter eines Schülers aus der Mittelstufe“, die darum bittet, die Warnung vor Masken schulintern zu verteilen. „Die GSB hat ebenso Post bekommen wie das Gymnasium Lohbrügge und die Luisenschule, wo auch Schmierereien auf dem Gehweg waren“, sagt Kuvecke.

Bergedorfer Kreiselternrat: „Recherchiert eure Quellen gut!“

Rosa und weiße Kreideschriftzüge wie „Keine Masken für Kids“ und „Angst schwächt das Immunsystem“ waren auch schon am 23. September in der Lohbrügger Fußgängerzone zu lesen.

Wer steckt dahinter? Der Kreiselternrat hatte Kontakt aufnehmen wollen, doch die E-Mail „kam als nicht zustellbar zurück“, erfuhr Kuvecke. Er informierte alle KER-Mitglieder und betonte, dass es sich hier „in keinster Weise um ein wissenschaftlich fundiertes Papier handelt, sondern lediglich die Meinung eines einzelnen Arztes darstellt“. Natürlich möge jeder seine eigene Meinung haben, so Kuvecke: „Aber recherchiert eure Quellen gut und hinterfragt sie lieber einmal zu viel!“ Hamburgs Schulbehörde hat sich nach eigenen Angaben mit Experten aus Wissenschaft und Medizin abgestimmt, dazu zählen Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie und das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

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Bergedorfs Ausschuss für Bildung hatte sich jüngst nach der Situation an den Schulen erkundigt. In seiner langen Antwort vom 1. Oktober findet Schulsenator Ties Rabe (SPD) lobende Worte: „Die Bergedorfer Schulen haben die mit den besonderen Bedingungen der Pandemie-Situation verbundenen Herausforderungen mit großem Engagement angenommen und schulspezifische Lösungen gefunden.“