Kreuzfahrt

„AidaMar“: Neue Regeln der Reederei verärgern Stammgäste

| Lesedauer: 6 Minuten
Thomas Voigt
Die „AidaMar“ am Kreuzfahrt-Pier von Ushuaia in Chile

Die „AidaMar“ am Kreuzfahrt-Pier von Ushuaia in Chile

Foto: Thomas Voigt

Auf seiner Weltreise erlebt Thomas Voigt in Chile „lustige Sachen“ und erfährt von Kreuzfahrt-Kennern, was früher besser war.

Ushuaia.  Es ist bitterkalt geworden auf dem Weg zum Kap Hoorn – nur noch sechs Grad Celsius zeigt das Thermometer auf der „AidaMar“ an. Aber was soll‘s? Wer Patagoniens Gletscher zum Anfassen nah erleben will, kann sich halt nicht in Flipflops und Badehose an die Reling des Kreuzfahrtschiffs stellen. Seit wir uns an Südamerikas Pazifikküste wieder in Richtung Norden bewegen, wird es aber auch wärmer da draußen.

Morgen legen wir im chilenischen Hafen Puerto Montt an. In Chile waren wir schon vergangene Woche für einen Tag. Dort in Punta Arenas sind mir ein paar lustige Sachen passiert. Weil ich Briefmarken brauchte, tauschte ich in einer Wechselstube zehn US-Dollar ein und erhielt dafür 9000 Pesos. Für meine vier Postkarten musste ich im Postamt je eine 1000-Peso-Marke kaufen. Dann sah ich, dass auf den Marken als zweiter Betrag 50 Cent vermerkt war. Meine Nachfrage ergab: Ich hätte auch in US-Währung bezahlen können, und dann wäre das Porto halb so teuer gewesen.

Kreuzfahrt: Aida-Stammgäste kritisieren, dass einige Dinge nicht mehr kostenlos sind

Ich wurde aber flugs entschädigt. Der wirklich sehenswerte Friedhof von Punta Arenas mit seinen imposanten Mausoleen verlangt nämlich 5200 Peso Eintritt von Besuchern. Dafür fehlten mir 200 Pesos, also schob ich meine Kreditkarte über den Tresen. Dann funktionierte dort das Lesegerät nicht, und ich durfte gratis rein, ebenso wie 20 weitere Aida-Passagiere. Hinterher ging ich einen Kaffee trinken. Cafe Americano, Cappuchino – das interessierte mich alles nicht. Ich bestellte lieber einen Cafe Tradicion, um ein bisschen örtliche Kultur zu schnuppern. Was dann kam, war eine Tasse heißes Wasser und ein Tütchen Nescafe, Sorte „Tradicion“…

Nicht alle Passagiere sind mit den Leistungen von Aida so zufrieden wie ich. Stammgäste der Reederei bemängeln, dass für einige Dinge, die früher kostenlos waren nun bezahlt werden muss. Bei der Kaffeetafel nachmittags in der Aida-Bar etwa ist nur noch der Kuchen kostenlos, Getränke werden berechnet. Immerhin 2,80 Euro kostet dann ein Becher Kaffee. Einige Passagiere behelfen sich, indem sie zum Frühstück mit Thermoskanne kommen und sich dort den kostenlosen Kaffee für den Nachmittag abfüllen. Andere zapfen sich beim Dinner schon mal Softgetränke für den Ausflug am Folgetag ab.

Weltreise: Die Zeitverschiebung hat auch Vorteile

Ich muss gestehen, dass auch ich nicht frei von deutscher Krämerseele bin. Seit diesem Jahr berechnet Aida den Besuch des Wellness-Tempels, und das nicht zu knapp: 15 Euro zwischen 8 und 12 Uhr sowie zwischen 16 und 20 Uhr, 25 Euro zwischen 12 und 16 Uhr. Ich gönnte mir neulich am Vormittag das Vergnügen, nur leider lag mittendrin das Treffen meiner Shuffleboard-Gruppe. Zweimal in meiner Kabine umziehen – dafür war mir meine Wellness-Zeit zu kostbar. Also ging ich im Bademantel Shuffleboard spielen, sehr zur Belustigung meiner Mitspieler. Einige haben daraufhin versucht, mir den Spitznamen „Bademantel“ zu verpassen. Hat sich aber zum Glück nicht durchgesetzt.

Karin singt mit mir zusammen im Gästechor. Beim Backgammon-Spielen hat sie mir erzählt, welche Vorteile der Zeitverschiebung sie für sich nutzt. Derzeit ist es bei uns vier Stunden früher als zu Hause. „So kann ich schon am Sonntagnachmittag den neuesten „Tatort“ sehen, abends in Deutschland ist mir das immer zu spät.“ Ebenso verhält es sich mit den Wiederholungen ihrer Lieblings-Show „Wer weiß denn sowas?“. „Vormittags um elf hat doch kein Mensch Zeit, aber jetzt kann ich die Show morgens zum Aufstehen sehen.“ Und die blamable Niederlage der deutschen Mannschaft gegen Japan bei diesem seltsamen WM-Turnier flimmerte hier um 10 Uhr morgens über die Bildschirme.

In Ushuaia bewegt sich die Sonne andersherum über den Horizont

Nächste Besonderheit: Im argentinischen Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, haben wir zusammen festgestellt, dass die Sonne sich andersherum über den Horizont bewegt als im Norden, nämlich gegen den Uhrzeigersinn. Sie geht auf im Osten, scheint mittags im Norden und geht im Westen unter.

Auch etwas Unerfreuliches hat Karin mir nach der jüngsten Chorprobe erzählt: „Stell Dir vor, Thomas, mir hat gestern jemand ein Buch und drei Postkarten geklaut. Ich hatte sie auf den Tresen gelegt, war dann kurz abgelenkt, und ratzfatz waren die Sachen weg.“

Ehrlich gesagt konnte ich das kaum glauben – bis gestern beim Frühstück meine Mütze verschwand. Die grüne mit dem weißen Schriftzug „Bergedorfer Zeitung“ vorn drauf. Ich war nur kurz am Buffet, wartete ein paar Minuten auf mein frisches Omelett, da war sie von meiner Stuhllehne verschwunden. Die Kellner haben nichts gesehen, und auch bei der Fundstelle an der Rezeption ist das gute Stück bisher nicht aufgetaucht. Liebe Aida-Passagiere, welche Torfnase unter Euch hat meine Mütze geklaut?!

Ruheständler Thomas Voigt reist auf der „AidaMar“ um die Welt. Seine bisherigen Berichte:

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