Bergedorf

Neue Fußgängerzone am Bahnhof gegen Parkärger auf dem Platz

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Ulf-Peter Busse
Von Fußgängern stark genutzt und zunächst noch bis Dezember wegen der Sanierungsarbeiten auf dem ZOB für den Durchgangsverkehr gesperrt: Der Bergedorfer Bahnhofsvorplatz ist Fußgängern und Radfahrern vorbehalten.

Von Fußgängern stark genutzt und zunächst noch bis Dezember wegen der Sanierungsarbeiten auf dem ZOB für den Durchgangsverkehr gesperrt: Der Bergedorfer Bahnhofsvorplatz ist Fußgängern und Radfahrern vorbehalten.

Foto: Matti Noetzel

Wird die aktuelle Sperrung wegen der ZOB-Sanierung zum Dauerzustand? Das Bezirksamt soll das prüfen. Eine Partei wettert dagegen.

Bergedorf.  Die Zeit der Autofahrer auf dem Bahnhofsvorplatz scheint abzulaufen: Bergedorfs Koalition aus SPD, Grünen und FDP hat am Donnerstag in der Bezirksversammlung einen Prüfantrag eingebracht, die aktuelle Sperrung wegen der ZOB-Sanierung zum Dauerzustand zu machen.

„Seit Juni befinden wir uns, wenn auch eher zufällig, in einem sehr interessanten Verkehrsversuch“, fasste Grünen-Fraktionschefin Frauke Rüssau zusammen. „Bis zum Ende der ZOB-Sanierung im Dezember müssen Autofahrer den Bahnhofsvorplatz und damit praktisch auch das anschließende Stück des Weidenbaumswegs bis zum City-Kreisel meiden. Das hat für die Besucher Bergedorfs eine deutlich entspanntere Verkehrssituation gebracht.“ Auch die über Jahre unlösbar erscheinende Problematik des illegalen Parkens auf dem Bahnhofsvorplatz sei so wie von Geisterhand gelöst worden. „Es gibt Anlass darüber nachzudenken, die Verkehrsführung vor dem Bergedorfer Bahnhof grundlegend zu verändern.“

Bleibt der Bahnhofsvorplatz in Bergedorf dauerhaft autofrei?

Harsche Kritik daran gab es allein von der AfD: „Jetzt wird die Katze aus dem Sack gelassen“, wetterte Fraktionschef Reinhard Krohn. „Wir lehnen diesen Unsinn ab.“

CDU und Linke zeigten sich dagegen kompromissbereit, „weil es ja zunächst mal ein Prüfauftrag ist und die Überfahrt im Dezember erstmal wieder im gewohnten Umfang freigegeben wird“, sagte Bernd Capeletti (CDU). Er erinnerte daran, dass genau dieses Thema bereits 2019 politisch angeschoben wurde, dann aber in den Corona-Jahren unterging. „Es braucht eine für alle vernünftige Lösung, deren Ausgestaltung aber noch völlig offen ist.“

Die Verlängerung einer möglichen Fußgängerzone in den Weidenbaumsweg bis zum City-Kreisel halten die Linken für sinnvoll: „Das wäre eine gute Ergänzung für die im Sommer sehr erfolgreich gestartete Flaniermeile auf der Serrahnstraße am Bergedorfer Hafen“, sagte Fraktionschef Michael Mirbach.

CDU: Fußwege sind sehr breit, Parkplätze gibt es lange nicht mehr

Bei solchen Gedanken zieht die CDU allerdings nicht mit. „Im fraglichen Bereich des Weidenbaumswegs sind die Fußwege heute schon sehr breit und Parkplätze gibt es längst nicht mehr“, sagte Capeletti und erinnerte an die Nachteile, die selbst eine Sperrung des Bahnhofsvorplatzes schon für die Anwohner der benachbarten Straßen bedeuten würde: „Wollen sie mit dem Auto Richtung Hamburg fahren, bedeutet das einen riesigen Umweg über Ludwig-Rosenberg-Ring und Lohbrügger Markt.“

Trotzdem votierten alle Fraktionen mit Ausnahme der AfD für den Prüfauftrag. Das Bezirksamt soll nun „zeitnah“ die Folgen einer Sperrung „für die verschiedenen Verkehre im näheren und weiteren Umfeld“ ermitteln und im Verkehrsausschuss vorstellen.

Keine Mehrheit fand anschließend der ebenfalls fußgängerfreundliche Vorstoß der Linken für die kaum 50 Meter entfernte Ampel an der Kreuzung Weidenbaumsweg/B 5: Wer hier zu Fuß oder mit dem Fahrrad die B 5 queren will, muss nämlich aktiv grünes Licht anfordern. Wird der Knopf nicht gedrückt, warten die Passanten vergeblich. „Eine ,Bettelampel’ ist heute nicht mehr zeitgemäß“, argumentierte Lutz Jobs von den Linken.

Alle anderen Fraktionen hielten dagegen, sahen den Verkehrsfluss auf der B 5 gefährdet, würden Fußgänger automatisch in die Schaltung der Kreuzung eingebaut. Der Antrag wurde abgelehnt.

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