Bildung Hamburg

Stadtteilschulen in Bergedorf beliebter als die Gymnasien

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Ulf-Peter Busse
Die Gretel-Bergmann-Stadtteilschule in Neuallermöhe kämpft seit Jahre erfolgreich gegen Rassismus und für Toleranz. Ein gutes Klima, das immer mehr Schüler hier bis zum Abitur führt.

Die Gretel-Bergmann-Stadtteilschule in Neuallermöhe kämpft seit Jahre erfolgreich gegen Rassismus und für Toleranz. Ein gutes Klima, das immer mehr Schüler hier bis zum Abitur führt.

Foto: Anne Strickstrock / strickstrock

Anteil der Abiturienten ohne Oberschulempfehlung ist sehr hoch. Das ist die Schlussfolgerung eines Bezirkspolitikers.

Hamburg.  Entgegen dem Hamburger Trend genießen Stadtteilschulen in Bergedorf bei Eltern wie Schülern seit Jahren einen besseren Ruf als die Gymnasien: Bei den Anmeldezahlen für die fünften Klassen liegen sie stets vorn, wenn auch zuletzt nur knapp mit 51 zu 49 Prozent. Ein Zeichen für die Hoffnung auf eine erfolgreiche Schulzeit. Und tatsächlich geht der Wunsch am Ende sehr oft in Erfüllung, wie jetzt Zahlen der Schulbehörde belegen.

Auf Anfrage der Linken in der Bezirksversammlung bestätigt die Verwaltung, dass in diesem Sommer 226 Schüler die fünf Stadtteilschulen im Bezirk mit dem Abitur verlassen haben, obwohl sie ursprünglich gar keine Gymnasialempfehlung hatten. Gleichzeitig verabschiedeten die ebenfalls fünf Bergedorfer Gymnasien 326 erfolgreiche Absolventen, die alle natürlich mit Empfehlung von ihren Grundschulen gekommen waren.

Stadtteilschulen in Bergedorf: Linken-Bildungsexperte sieht ein Zeichen

Für Robert Gruber, pensionierter Gewerbeschullehrer und Bildungsexperte seiner Fraktion, ist das ein Zeichen dafür, „welche ausgezeichnete Arbeit die Lehrer an unseren Stadtteilschulen leisten“. Doch damit nicht genug: Während an den Gymnasien oft die Lebenswirklichkeit draußen bleibe und sich nur um den Lernstoff gekümmert werde, sei das an den Stadtteilschulen ganz anders: „Hier müssen die Pädagogen überwiegend mit einem deutlich höheren Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund umgehen, der bis zu den 80 Prozent an der Gretel-Bergmann-Schule in Neuallermöhe reicht. Von den vielen nach der sechsten Klasse abgeschulten und damit frustrierten Gymnasiasten, die auch noch darunter sind, gar nicht zu reden. Trotzdem gelingt es, immer mehr Stadtteilschüler bis zum Abitur zu führen“, lobte Gruber im Schulausschuss der Bezirksversammlung.

Sein Fazit: „Die Zukunft unseres Bildungssystems liegt in einem einheitlichen Schulsystem ganz ohne Gymnasien. Je früher wir das erkennen, desto besser für alle unsere Kinder und Enkel.“

CDU hält Gymnasien weiterhin für unverzichtbar

Das mochten die anderen Fraktionen nicht ganz so stehen lassen. Vor allem Lars Dietrich (CDU) unterstrich, dass „bei allem beeindruckenden Erfolg der Stadtteilschulen auch die Gymnasien für unser Bildungssystem unverzichtbar sind“. Denn tatsächlich sei ganz nebenbei das Gymnasium Allermöhe die Schule mit dem höchsten Migrationsanteil im Bezirk: Nicht mal einer von fünf Schülern habe hier laut Behörden-Statistik keinen Migrationshintergrund. Die Quote liegt bei 81,6 Prozent.

Sehr deutlich ist der Unterschied zwischen den Schulformen beim Blick auf dieses Merkmal in Lohbrügge: Während das Gymnasium am Binnenfeldredder einen Anteil von 51,6 Prozent hat, liegt die mit ihm zusammen den Campus Lohbrügge bildende Stadtteilschule bei 73,3 Prozent. Den niedrigsten Wert unter den Stadtteilschulen hat Kirchwerder mit 22,4 Prozent, bei den Gymnasien ist es das Lui im Villengebiet mit 29,8 Prozent.

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