Amtsgericht

Panne im Dopingprozess gegen Bergedorfer Profiboxer

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Ein Profiboxer aus dem Bezirk Bergedorf muss sich wegen Dopingvorwürfen vor dem Amtsgericht verantworten.

Ein Profiboxer aus dem Bezirk Bergedorf muss sich wegen Dopingvorwürfen vor dem Amtsgericht verantworten.

Foto: Peter Boehmer / picture alliance / INSIDE-PICTURE

Keiner der sechs geladenen Zeugen erschien vor dem Amtsgericht. Der Richter war konsterniert. Woran es gelegen hat.

Bergedorf.  Um im Jargon der Faustkämpfer zu bleiben: Dieser Prozess vor dem Amtsgericht Bergedorf ist ein zähes Gefecht. Eigentlich sollte sich der Bergedorfer Profiboxer Mohamed H. am Freitag, 5. August, im Saal 115 wegen des Vorwurfs des Besitzes und der vermuteten Einnahme von Dopingmitteln verantworten, nachdem er am 12. April 2020 bei einer Trainingskontrolle mit zwei Ampullen Testosteron Propionaten erwischt worden war.

Doch am ersten Verhandlungstages blieb es im Grunde bei der Verlesung der Anklageschrift und einem Entlastungsversuch der Verteidigung für ihren Mandaten.

Amtsgericht Bergedorf: Zeugen erscheinen nicht im Prozess gegen Profiboxer

Der Vorsitzende Richter, Dr. Sebastian Gößling, wollte am Freitagvormittag sechs Zeugen hören – und musste nach nicht einmal 50 Minuten Verhandlungsdauer konstatieren: „Das ist überraschend, ärgerlich und passiert mir so zum ersten Mal.“

Denn von den Vorgeladenen, darunter vier Polizeibeamte, erschien keiner – wegen Corona-Infektion, Mallorca-Urlaub, Unwissenheit oder Nichterreichbarkeit. Das Desaster war aber offenbar nicht den Polizisten anzulasten, sondern vielmehr einer kurzfristigen Umladung des Gerichts von einem späteren Termin auf den gestrigen Tag. Gößling: „Ohne Polizei werden wir hier heute nichts.“

Rechtsanwalt präsentiert Laborbefund mit Blutanalyse zur Entlastung

Was der Prozessauftakt sonst brachte, war ein Versuch, den Angeklagten zu entlasten. Der Rechtsanwalt präsentierte einen Laborbefund mit der Blutanalyse aus dem Asklepios Krankenhaus St. Georg, Institut Sportmedizin und Prävention, von H. vom 31. August 2020. Diese quartalsmäßig erhobenen Werte würden beweisen, dass H. damals nicht gedopt gewesen sei, was einen Teil der Anklage entkräften würde. Doch dem konnten sich Richter Gößling und Staatsanwaltschaft nicht anschließen. „Ich kann die Aussagekraft der Werte nicht ohne Sachverständigen lesen“, so Gößling.

Dieser Experte dürfte auch eine Rolle bei der Fortsetzung am 26. August spielen, bei dem Boxer Mohamed H. wohl ähnlich schweigsam bleiben dürfte wie zum Auftakt. Der 30-Jährige drehte den Prozessbeobachtern bewusst den Rücken zu, verschwand blitzartig vermummt mit schwarzer Basecap und ebensolcher Kapuzenjacke aus dem Saal nach dem schnellen Ende.

( jhs )

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