Ausflugstipp

Holzschiff: Bergedorfs Gemüse-Ewer sticht wieder in See

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Ulf-Peter Busse
Ein typischer Törn: Bergedorfs Vierländer Ewer auf dem Schleusengraben mit Kurs auf den Serrahn, seinen Heimathafen.

Ein typischer Törn: Bergedorfs Vierländer Ewer auf dem Schleusengraben mit Kurs auf den Serrahn, seinen Heimathafen.

Foto: Jörn Lindemann / Verein Bergedorfer Ewer

Am Wochenende geht's auf dem Wasserweg in die Vier- und Marschlande. Wer sich wann, zu welchem Törn anmelden kann.

Hamburg.  Der Ewer kommt nach zwei Jahren Corona-Zwangspause endlich wieder in Fahrt: Am Wochenende stehen gleich zwei Törns mit dem Holzschiff ab Bergedorf auf dem Programm, bei denen bis zu zehn Gäste an Bord des originalgetreuen Nachbaus eines traditionellen Vierländer Gemüse-Ewers dabei sein dürfen. Doch wer diese Chance nutzen will, sollte schnell sein, denn nur die ersten, die sich unter 0152/34 59 12 80 melden, sind sicher an Bord dabei.

„Es ist ein tolles Gefühl, endlich wieder schwankende Planken unter den Füßen zu haben“, schwärmt Vereinssprecher Jörn Lindemann, der in dieser Saison erstmals auch als Ewer-Führer das Kommando an Bord haben wird. „Seit 2020 konnten wir kaum fahren, weil die Abstandsregeln maximal fünf Personen an Bord erlaubten. Das war zu wenig, um Publikum mitnehmen zu können. Es ging also nur darum, dass der Ewer nicht einrostet. Vor allem seine einzige moderne Ergänzung: der 75 PS starke Biodiesel-Motor.“

"Uns Ewer": Holzschiff ist Nachbau der traditionellen Segler

Davon abgesehen ist das im Juni 2013 feierlich im Serrahn zu Wasser gelassene 16-Meter-Schiff der einzige originalgetreue Nachbau der traditionellen Segler, die über Jahrhunderte das Gemüse aus den Vier- und Marschlanden auf Hamburgs Märkte transportierten. Ihre Geschichte fand nach dem Ersten Weltkrieg ein jähes Ende, weil sich sämtlicher Frachtverkehr auf die Straße und die Schiene verlagerte. Von den Ewern blieb kein einziges Exemplar erhalten.

So brauchte der Verein mehrere Jahre, um alte Baupläne zu rekonstruieren, bevor er 2010 auf einem Schwimmdock im Serrahn mit dem Nachbau beginnen konnte. 260.000 Euro und unzählige ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden waren nötig, damit der hölzerne Segel-Frachter drei Jahre später schließlich mit großer Feier auf den Namen „Uns Ewer“ getauft und in Dienst gestellt werden konnte.

Wer mag, kann an Bord mithelfen – etwa als Deckskraft

Bis heute ist das Schiff auf Spenden und tatkräftige Unterstützung angewiesen. Dazu gehören auch die jetzt wieder startenden Gäste-Törns. Hier gibt es keinen Fahrpreis, sondern stets nur die Bitte, eine Spende in persönlich festzulegender Höhe zu entrichten. „Wer mag, kann natürlich auch in den Verein eintreten und natürlich auch aktiv an Bord mithelfen“, sagt Jörn Lindemann. Aktuell gibt es rund 60 Mitglieder, von denen etwa ein Drittel bei der Instandhaltung des Ewers oder auf seinen Törns Hand anlegt. So braucht es neben dem Schiffsführer stets zwei Deckskräfte, die für An- und Ablegemanöver und die Gästebetreuung zuständig sind.

Wer lieber erstmal nur als Passagier dabei sein will, hat jetzt diese Törns zu Auswahl: Am Sonnabend, 18. Juni, geht es um 11 Uhr vom Serrahn aus zur „Bio-Fahrt“ durch die Vier- und Marschlande. Experte Werner Maas wird die Zusammenhänge von Flora und Fauna mit der Wasserqualität erläutern. Am Sonntag, 19. Juni, folgen – wieder ab 11 Uhr – vom Serrahn aus mehrere jeweils einstündige Kurz-Törns. Anlass ist der „Tag der Stadtnatur“.

Kurzen Touren führen vom Serrahn zum Rieck-Haus in Curslack

Weiter geht es am Wochenende 9./10. Juli: Dann stellt Caroline Bergen, Chefin vom Kultur- & Geschichtskontor, am Sonnabend an Bord die Historie der Wasserwege im Landgebiet vor. Sonntag folgt um 14 Uhr eine Premiere: die erste „Plattsnacker-Tour“ mit Unterstützung der Rundümwieserinnen.

Zudem regelmäßig im Programm sind Ewer-Touren vom Serrahn zum Freilichtmuseum Rieck-Haus in Curslack und zurück. Auch die KZ-Gedenkstätte wird häufiger angesteuert – samt Treidelfahrt durch den einst von den Häftlingen gegrabenen Stichkanal an der Dove-Elbe.

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