Hamburg

Franziska Schubert – die neue Stadtschreiberin

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Ulf-Peter Busse
Die Schauspielerin Franziska Schuber ist Hamburger Stadtschreiberin 2022

Die Schauspielerin Franziska Schuber ist Hamburger Stadtschreiberin 2022

Foto: bz

Schauspielerin aus Bremen wirkt vier Monate lang in Hamburg – an unterschiedlichen Orten, unter anderem auf einem Boot.

Bergedorf.  Hamburg kennt sie eher von der Bühne aus: Im Schauspielhaus spielte Franziska Schubert als „Mascha“ in Tschechows „Möwe“ vor großem Publikum. Doch in sieben Wochen werden sich die Perspektiven ändern: Die Bremerin ist Hamburger Stadtschreiberin 2022, wird für vier Monate als Literatin die Stadt erkunden, mit Schreib- und Auftrittsorten in Övel­gönne, Harburg, Bergedorf und St. Georg.

„Ich möchte den Rhythmus, die Energie, die Vielfalt dieser Stadt einfangen und entdecken, was das ,Tor zur Welt’ eigentlich ist“, sagt die 43-Jährige, die 2000 bis 2004 an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ studierte. Es folgten Jahre als Ensemble-Mitglied am Bremer Theater und Engagements unter anderem an Häusern in Luzern, Bern und Oldenburg. Hinzu kommen Filme wie „Paula Modersohn-Becker – Geschichte einer Malerin“, „Die Kinder von Paris“ sowie verschiedene Auftritte im „Tatort“.

In Hamburg wird die Stadtschreiberin vier Monate lang wirken

Den Weg zur Literatur fand die Mutter zweier Kinder, die mit einem Opernsänger verheiratet ist, erst in den vergangenen Jahren – vor allem über das Genre Kurzgeschichte. Dabei färbt die Umgebung, in der sie schreibt, auf die Texte ab. So entstand „In einem Haus“, mit dem sie den Stadtschreiber-Wettbewerb 2022 gewonnen hat, in einer leerstehenden Bremer Kinderklinik, die von der Initiative „Visionskultur“ zu einem Ort für Kreative gemacht wurde. Das Werk zum Wettbewerbsthema „Alle in einem Boot“ beschreibt den bedrückenden Alltag eines Krieges, den eigentlich keiner der Beteiligten jemals gewollt hat, egal auf welcher Seite sie jeweils stehen.

„Franziska Schubert ist die erste studierte Schauspielerin, die Hamburger Stadtschreiberin wird. Das verleiht dem Projekt im sechsten Jahr seines Bestehens wieder ganz neue Facetten“, sagt Organisatorin Katelijne Gillis. „Ich freue mich auf die Lesungen an allen vier Schreiborten – und natürlich die Amtseinführung in der Hamburger Kunsthalle am 31. Juli.“

Im Oktober ist die Stadtschreiberin in Bergedorf im CCB

Vier Monate wird Franziska Schubert in Hamburg sein und in der Seemannsmission Altona wohnen. Das mit 6000 Euro dotierte Stipendium, finanziert von der Hamburger Volksbank als Hauptsponsor, führt sie im August in den Süden des Hamburger Hafens, wo die KulturWerkstatt Harburg ihren Sitz in einem denkmalgeschützten Kontorhaus hat. Weiter geht es im September auf der alten Hafen-Fähre „Bergedorf“ im Oevelgönner Museumshafen, bevor im Oktober Bergedorf auf dem Programm steht.

Hier wird die Stadtschreiberin unter anderem ein kleines Ladengeschäft im Einkaufszentrum CCB zu ihrem Büro umfunktionieren und interessierte Bergedorfer empfangen. Eine Lesung wird es in jedem Fall in der Bibliothek der Sternwarte geben, die wie alle Auftritte der Stadtschreiberin als Live-Stream auf www.bergedorfer-zeitung.de übertragen werden.

Amtseinführung der Stadtschreiberin ist am 31. Juli in der Kunsthalle

Zum Finale geht es im November dann in die Galerie der Gegenwart der Kunsthalle am Glockengießerwall und ihren Stadtteil St. Georg. Direktor Prof. Dr. Alexander Klar ist Schirmherr des Stadtschreiber-Stipendiums, das neben der Volksbank unter anderem von der Hamburger Kulturbehörde, der Buhck-Stiftung und der Töpfer-Stiftung gefördert wird.

Die erste Begegnung mit der Hamburger Stadtschreiberin wird bei der Amtseinführung am Sonntag, 31. Juli, um 11 Uhr möglich sein. Der Eintritt zur Matinee in der Kunsthalle ist frei, um Spenden wird gebeten. Das etwa zweistündige Programm wird eine Reise durch die verschiedenen Genres der Kultur sein, von Literatur und Theater bis zur Musik. Und natürlich zur Malerei, für die Katelijne Gillis und Alexander Klar einen überraschenden Auftritt planen, der aber noch geheim bleiben soll.

Es gibt zwei Zweitplazierte – Harry Mangold und Sara Klatt

Zur Unterstützung der Stadtschreiberin werden dann auch die beiden Zweitplatzierten des Wettbewerbs erwartet: Der Wahl-Schweizer Harry Mangold (62) liest seine Kurzgeschichte „Unsere Liebe so groß“, die sich um ein zauberhaftes Kindermärchen rankt. Und die Berlinerin Sara Klatt (32) präsentiert „Spaziergänger und Liebhaberei“, ein Kapitel ihres Roman-Erstlings „Das Land, das ich Dir zeigen will“, der 2023 im Penguin Verlag erscheinen wird.

76 Autoren haben Kurzgeschichten zum Auslobungsthema „Alle in einem Boot“ eingesandt. Die Jury: Daniela Chmelik, Autorin und Literaturwissenschaftlern, Verleger Lou Probsthayn („Literatur-Quickie“), Schriftsteller Hartmut Pospiech (writers room Hamburg), Heidi Melis (Hamburger Volksbank), Ulf-Peter Busse (Bergedorfer Zeitung) und Katelijne Gillis.

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