Wohnen in Hamburg

Die Mieten in Bergedorf steigen und steigen

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Thomas Voigt
17 Euro Kaltmiete wird derzeit für eine Wohnung (möbliert) an der Holtenklinker Straße 104 aufgerufen.

17 Euro Kaltmiete wird derzeit für eine Wohnung (möbliert) an der Holtenklinker Straße 104 aufgerufen.

Foto: Thomas Voigt

Der Unterschied zu den Hamburger Durchschnittspreisen schmilzt Jahr um Jahr. An der Bergedorf-Bille liegt es nicht.

Hamburg. Der aktuelle Hamburger Mietenspiegel verheißt nichts Gutes für die Mieter in Hamburg und im Bezirk Bergedorf: „7,9 Prozent Anstieg im Hamburger Durchschnitt, das ist schon heftig“, sagt Rolf Bosse, Experte für den Mietmarkt beim Mieterverein zu Hamburg. „Da wird es im begonnenen Jahr 2022 bei den Bestandsmieten noch mal weitere Erhöhungen hageln, weil viele Vermieter sich nun auf den neuen Mietenspiegel berufen können.“

Nach seinen Worten verliert Bergedorf mehr und mehr von seinem Randlagen-Vorteil gegenüber dem Hamburger Mietniveau. „In Hamburg liegt der Quadratmeter Kaltmiete bei Neuvermietungen im Schnitt aktuell bei 13,45 Euro, mit Spitzen von 14,95 Euro in Eimsbüttel und 15,41 Euro in Harvestehude, aber Bergedorf ist mit 11,12 Euro nicht mehr Welten davon entfernt.“ Und: Auch das noble Wohnen mit höchster Ausstattung hat nun in Hamburgs Osten Einzug gefunden; das Online-Portal Immowelt hat Ende vergangenen Jahres erstmals ein Angebot mit 18 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter notiert.

Neubaumieten der Bergedorf-Bille um nur 1,7 Prozent gestiegen

„In den Randlagen außerhalb Hamburgs gibt es noch ein spürbares Mietgefälle, aber Bergedorf mit seiner guten Anbindung und Infrastruktur gehört längst nicht mehr in diese Kategorie“, beschreibt Bosse. Zwischen 2018 und 2019, als Mietstatistiker für ganz Hamburg einen Rückgang von 13,24 auf 12,51 Euro registrierten, ging es in Bergedorf sogar von 11,11 auf 11,40 Euro mit dem Durchschnittspreis weiterhin bergauf.

Bergedorf-Bille-Geschäftsführer Marko Lohmann ist ein bisschen stolz drauf, dass seine Baugenossenschaft preisdämpfende Eigenschaften hat: „Unsere Neubaumieten sind im vergangenen Jahr um nur 1,7 Prozent gestiegen, die Bestandsmieten um gerade mal ein Prozent. Das kann sich doch sehen lassen.“ Gleichwohl ist auch die Bergedorf-Bille gegen steigende Kosten nicht gänzlich gefeit: „An der Sterntwiete in Lohbrügge mussten wir bei den frei finanzierten Wohnungen jetzt 13,50 Euro aufrufen, weil der Boden dort teurer war.“ Am Bergedorfer Tor liegt der Quadratmeter der Bergedorf-Bille noch 50 Cent höher.

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Steigende Energiepreise von bis zu 30 Prozent belasten Mieter

Turbulenzen bei den Materialkosten machen der Bergedorf-Bille bei ihren Neubauten mitunter zu schaffen, schildert Marko Lohmann: „Eine Zeit lang waren die Preise für Holz von heute auf morgen verdoppelt. Weil in den kanadischen Wäldern der Borkenkäfer wütete, bedienten die USA sich auf dem europäischen Markt, was die Preise in die Höhe trieb.“ In solchen Fällen nimmt die Bergedorf-Bille lieber Verzögerungen in Kauf und wartet ab, bis die Preise sich wieder normalisieren.

Auch die explodierenden Energiepreise machen dem Chef der Bergedorf-Bille Sorgen: „Steigerungen um bis zu 30 Prozent werden viele Mieter schwer belasten. Wir haben mit den Versorgern glücklicherweise gute Verträge, sodass wir das noch abfedern können und nur etwa fünf Prozent mehr für Gas und Strom bezahlen.“

Kostenloser Mietpreisbremse-Check unter www.mieterverein-hamburg

Mieterverein-Experte Rolf Bosse rät allen Neumietern dringend zu überprüfen, ob im Vertrag auch die Mietpreisbremse eingehalten ist. „Die Miete darf maximal 10 Prozent höher sein als die ortsübliche Vergleichsmiete – es sei denn, die Vormiete für das Objekt war bereits höher. Dann darf der Vermieter weiterhin die bisherige Miete in voller Höhe verlangen.“

Laut Bosse gibt es aber auch eine Reihe Ausnahmeregeln, etwa bei besonderer Ausstattung des Mietobjekts. Einen kostenlosen Mietpreisbremse-Check für jedermann bietet der Verein unter www.mieterverein-hamburg.de an.

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