Hamburg

Bille-Bad: Bäderland lehnt Alternative zu Online-Ticket ab

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Ulf-Peter Busse
Der Außenbereich des Bille-Bads bleibt weiterhin geschlossen. Das hat Bäderland mitgeteilt.

Der Außenbereich des Bille-Bads bleibt weiterhin geschlossen. Das hat Bäderland mitgeteilt.

Foto: Jan Schubert

Vor allem Senioren, die keinen Computer besitzen, haben Schwierigkeiten. Terminbuchung und Bezahlen am Tresen ist nicht möglich.

Hamburg. Senioren mit Badetasche, die vom Bille-Bad in Bergedorf abgewiesen werden, bereiten Bergedorfs Politikern Kopfzerbrechen. „Es kann nicht sein, dass so was zum Alltag gehört, nur weil diese Generation sich im Internet so wenig auskennt und viele die wegen Corona vorgeschriebene Online-Buchung nicht vornehmen können“, sagte Simone Gündüz im Sportausschuss der Bezirksversammlung.

Probleme mit Online-Tickets: Bäderland soll Abhilfe schaffen

Die Sozialdemokratin appellierte an den städtischen Bad-Betreiber Bäderland, hier endlich Abhilfe zu schaffen. Ihr Vorschlag: Wer zu Hause keinen Computer hat, dem wird die Buchung im Kassenbereich des Bille-Bades abgenommen.

Persönlich oder telefonisch kann mit den Mitarbeitern in Kontakt getreten und der Schwimm-Termin genannt werden. „Das Team bucht das dann ein und gibt eine Reservierungsnummer heraus, mit der der Gast das Bille-Bad zur gewünschten Zeit besuchen und dann natürlich auch bezahlen kann“, so Gündüz, deren Idee nun das Bezirksamt bei Bäderland vorträgt.

Bezahlung der Tickets muss direkt bei der Buchung erfolgen

Auf Nachfrage unser Zeitung trifft das dort zwar auf Verständnis, löst aber Achselzucken aus. „Wir empfinden die aktuelle Corona-Situation für alle Gästegruppen als belastend“, sagt Bäderland-Sprecher Michael Dietel. „Aber ein solcher Buchungsservice am Tresen ist aus technischen und auch aus rechtlichen Gründen nicht möglich.“

Hintergrund ist die Bezahlung der Tickets, die direkt bei der Buchung erfolgen muss – ein Grundsatz, der laut Bäderland bei allen Schwimmbadbetreibern Deutschlands gilt. Andernfalls würden 40 Prozent der gebuchten Schwimmzeiten gar nicht genutzt. „Das können wir unseren Stammgästen nicht zumuten, sind die Nutzungszahlen doch gemäß der Corona-Vorgaben ohnehin schon um gut 60 Prozent reduziert“, sagt Dietel.

Bäderland verweist auf ein Angebot ohne Voranmeldung

Das Problem einer Buchung inklusive Bezahlung direkt am Tresen sind laut Dietel die sensiblen Kundendaten, mit denen die Mitarbeiter umgehen müssten. „Unter anderem geht es um die Konto-Pin. Würden wir die kennen, und es gibt irgendwann später Ungereimtheiten auf den Konten unserer Gäste, könnte der Verdacht auf Bäderland fallen. Das wollen wir unbedingt vermeiden.“ Zudem sei eine Verbindung des stationären Barkassensystems im Bille-Bad zur Online-Buchung mit dem aktuellen Anbieter nicht möglich.

Die Wasser-Fans unter den Senioren verweist Dietel auf den beliebten Schwimmclub, der seit Oktober wieder täglich von 6 bis 9.30 Uhr im Bille-Bad angeboten wird. Wer die Mitgliedschaft beantragt hat, zahlt eine monatliche Gebühr und nicht für jeden Besuch. Eine Voranmeldung ist hier nicht erforderlich.

Die strikten Besuchsreduzierungen wegen Corona bescheren Bäderland an allen Standorten ein Besucher-Minus von gut 60 Prozent und somit auch an Einnahmen. Das jährliche Defizit von 20 bis 22 Millionen Euro werde sich laut Dietel um rund acht Millionen erhöhen.

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