Corona Hamburg

2G-Kontrollen: Kommt jetzt das Bergedorf-Bändchen?

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Thomas Voigt
Kontrolliert werden muss vor der Ladentür: Schüttfort-Geschäftsführer Dirk Hillmann beim 2G-Check mit Kundin Britta Dardthausen.

Kontrolliert werden muss vor der Ladentür: Schüttfort-Geschäftsführer Dirk Hillmann beim 2G-Check mit Kundin Britta Dardthausen.

Foto: Thomas Voigt

Verbände in Bergedorf tüfteln an einer zentralen Lösung für die Einzelhändler. Wer die Kosten übernimmt, ist noch unklar.

Hamburg. „Bitte den Impfnachweis und den Personalausweis, wir müssen leider beides kontrollieren“ – einen Satz wie diesen hören seit Wochen Kunden, die ein Geschäft in Bergedorf betreten. Seit Anfang Dezember gilt in Hamburg die 2G-Regel für Einzelhandelsgeschäfte (Ausnahme: Sortiment des täglichen Bedarfs). Hereinlassen darf das Personal nur Kunden, die es zuvor überprüft hat. Eine Verfügung, die Einzelhändlern in Bergedorf allerhand Unbehagen bereitet.

„Dass ich als Händler gezwungen werde, Polizist zu spielen, ist doch ein Unding“, sagt Wido Schüttfort, Inhaber des gleichnamigen Schuhgeschäfts am Ende des Sachsentors. „Es widerspricht meiner Berufsfreiheit und dem Prinzip der Barrierefreiheit, die sich im Einzelhandel seit vielen Jahren durchgesetzt hat: statt früherer Verkaufstresen ein freier Zugang zur Ware.“ Was ihn besonders ärgert: „Die Bergedorfer Polizei fordert ein, dass wir die Kunden vor der Tür abfangen und nicht erst im Geschäft überprüfen. Dafür muss ich eigens einen Mitarbeiter einsetzen, was sich betriebswirtschaftlich nicht mehr rechnet.“

Corona Hamburg: 2G-Kontrollen machen Geschäftsleute und Kunden zu schaffen

Andere Einkaufsmeilen in Hamburg haben schon in der Vorweihnachtszeit ein System eingeführt, mit dem jeder Kunde sich täglich nur einmal überprüfen lassen muss und dann mehrere Geschäfte betreten kann: Die Europapassage in der Innenstadt und das Einkaufszentrum Quarree in Wandsbek etwa betreiben zentrale Kontrollposten, an denen Kunden ihren Impfnachweis überprüfen und sich dann ein Armband mit täglich wechselnder Farbe verpassen lassen können.

Im Ortszentrum vom Stadtteil Volksdorf hat die Einzelhandels-Organisation „Treffpunkt Volksdorf“ ein eigenes Kontrollsystem mit Armbändern entwickelt: Kunden lassen sich im ersten Geschäft, das sie betreten, nach der Überprüfung ein datiertes Armband anlegen, das ihnen dann für den Rest des Tages Zugang auch zu den anderen Geschäften verschafft. „Das klappt bei uns reibungslos“, sagt Hilal Hübner vom Volksdorfer Juweliergeschäft Arnoldi. „Morgens müssen wir noch viel kontrollieren, aber dann kommen nach und nach immer mehr Kunden, die schon ein aktuelles Bändsel haben.“

2G-Kontrollen: Kommt ein zentrales System für Bergedorf?

Für Bergedorf und Lohbrügge tüfteln die Grundeigentümergemeinschaften BID Sachsentor und BID Lohbrügge sowie der Wirtschaftsverband WSB jetzt ebenfalls an einem zentralen System. „Es wird wohl ebenfalls auf die Verteilung von tagesaktuellen Armbändern hinauslaufen“, sagt Michael Solscher vom BID Sachsentor. Er favorisiert die Einrichtung einer zentralen, unabhängigen Kontrollstation, wo die Bändsel ausgeteilt werden. „Wer das macht, wo und zu welchen Kosten, das müssen wir noch festklopfen.“

In Sachen Kostenbeteiligung zeigt sich WSB-Geschäftsführer Marc Wilken zurückhaltend: „Unsere Mitglieder sind mehrheitlich nicht von 2G betroffen, wenn sie etwa Kosmetika, Lebensmittel oder Bücher verkaufen.“

In jedem Laden den Impfausweis neu vorzeigen: Das nervt Kunden

Die verpflichtende Anordnung für Hamburgs Einzelhandel, den Impfnachweis eines jeden Kunden zu kontrollieren, ist für Kunden und Geschäftsleute in Bergedorf gleichermaßen Herausforderung und Nervenprobe. Das ergab unsere Befragung in der Einkaufsmeile Sachsentor.

„Hinten kassieren, zwischendurch im Geschäft beraten, dann wieder schnell vorn an der Ladentür Impfnachweise checken – da kann man in einem Geschäft mit Einzelbesetzung schon mal verzweifeln“, beschreibt Nadja Jaeckel, Filialleiterin bei Ernsting’s Family. Und leider hätten nicht alle Kunden Verständnis für die Situation: „Einige verstehen nicht, warum sie immer wieder in jedem Geschäft ihren Impfnachweis neu zeigen müssen, und lassen ihren Ärger an mir aus.“ Nach Worten der langjährigen Mitarbeiterin Jessika Randau vom Modegeschäft Malibu in der Sachsentor-Passage lässt sich das normalerweise mit nur einer Kraft besetzte Geschäft an den Sonnabenden nur zu zweit führen. „Einer verkauft, der andere überprüft an der Tür die Impfnachweise, anders geht es nicht“, sagt sie. „Auch wenn es die Personalkosten erhöht.“ Oftmals müssten Kunden auch draußen Schlange stehen, weil entsprechend der Ladenfläche zeitgleich nur vier hinein dürfen. „Dafür haben die Leute aber Verständnis.“

Juwelier Zieroht hat eine Klingel für seine Kunden angebracht

Bei Juwelier Zieroth hat sich das Prinzip mit der Klingel vor der Ladentür bewährt. „Wer zu uns will, macht sich mit der Klingel bemerkbar“, sagt Geschäftsführer Olaf Zieroth. „Auf diese Weise müssen wir nicht dauerhaft die Türen offen lassen und beobachten, damit die Kunden sich bemerkbar machen können.“ Weil das Personal in dem kleinen Geschäft dann recht schnell an der Tür ist, klappt der Impf-Check meist reibungslos. „Das ist bisher nur selten passiert, dass sich jemand über den Aufwand beschwert.“

Per Klingel machen sich auch im Schuhhaus Schüttfort die Kunden am Eingang beim Personal bemerkbar. Allerdings ist dort die automatische Ladentür dauerhaft geöffnet. „Kontroll- und Maskenpflicht sind ja wohl mehr als genug Schwellen für den Besuch bei uns“, sagt Geschäftsführer Dirk Hillmann. „Da sollen die Kunden nicht auch noch vor verschlossenen Türen auf uns warten.“ Nach seinen Angaben hat sich die Kundenzahl seit der 2G-Kontrollpflicht halbiert.

Doch Schüttfort-Kundin Britta Dardthausen plaudert aus: „Die meisten Geschäfte hier in Bergedorf halten sich nicht daran. Meist muss ich meinen Impfnachweis erst am Tresen vorzeigen.“

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