Corona Hamburg

Bergedorfer Pastor bleibt im Visier der Querdenker

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Ulf-Peter Busse
Nach dem Auftritt von Pastor Andreas Baldenius bei der Querdenker-Demonstration reißt die harsche Kritik an ihm nicht ab.

Nach dem Auftritt von Pastor Andreas Baldenius bei der Querdenker-Demonstration reißt die harsche Kritik an ihm nicht ab.

Foto: Ulf-Peter Busse

Nach der kritischen Rede von Pastor Baldenius bei der Demonstration in Bergedorf gibt es Anfeindungen per Telefon und in E-Mails.

Hamburg. Der Auftritt von Pastor Andreas Baldenius bei der Querdenker-Demonstration am Montag vor St. Petri und Pauli schlägt weiter hohe Wellen. „Die harsche Kritik aus der Szene reißt nicht ab. Egal, ob direkt per Telefon und E-Mail oder indirekt in den Sozialen Medien. Überall wird mindestens mit Kirchenaustritt gedroht – und ich als Pastor sei schuld.“

Wie berichtet, war Baldenius ans Mikrofon der Impfgegner getreten und hatte in einer kaum fünf Minuten kurzen Rede darum gebeten, sich über den Ernst der Corona-Lage objektiv zu informieren, statt allein in der Filterblase der Querdenker zu verharren. „Für mich war dieser Auftritt unumgänglich, auch aus heutiger Sicht noch, mit der Distanz von ein paar Tagen“, sagte er gegenüber unser Zeitung. „Nichts zu sagen, wenn die Querdenker regelmäßig vor unserer Kirche stehen, wäre wie eine stillschweigende Zustimmung zu ihren Thesen.“

Bergedorfer Pastor diskutiert mit Querdenkern: "Argumente liefen ins Leere"

Zunächst hatte Baldenius sich noch bemüht, auf jede geäußerte Kritik persönlich einzugehen, das Gespräch oder den Schriftwechsel zu suchen. „Doch alle meine Argumente liefen ins Leere. Hinweise etwa auf die Verantwortung jedes Einzelnen, mit seiner Impfung andere Menschen zu schützen, für die eine Corona-Erkrankung lebensgefährlich wäre. Oder auch meine Bitte, etwas Grundvertrauen in die Wissenschaft zu haben. Alles wird abgeblockt mit der Überzeugung, hier seien dunkle Mächte am Werk, die uns alle gleichschalten wollen.“

Deshalb hat der Pastor jetzt ein zweiseitiges Schreiben verfasst, das alle bekommen, die sich wegen seiner Rede an ihn wenden. Unter der Überschrift „Jetzt trete ich aus der Kirche aus!“ nimmt er darin zu Vorwürfen Stellung, die das Impfen mit der Nazidiktatur vergleichen, die Kirche als gleichgeschaltete Institution darstellen oder Querdenker als letzte Kämpfer für Freiheit und Demokratie.

Anfeindungen von Querdenkern: Bergedorfer Pastor hofft auf viele Gegendemonstranten

„Diese Impfgegner sind gerade nicht die kritische Elite, die eine angeblich schweigende Mehrheit retten will“, ergänzt Andreas Baldenius zu seinen Zeilen, die auch viel Persönliches aus seiner Familie enthalten. „In Wahrheit ist unsere Gesellschaft gar nicht gespalten, wie uns die Querdenker einreden wollen.“ Die Mehrheit vertraue auf die Wissenschaft und stehe dem Impfen gegen Corona positiv gegenüber.

Großen Rückhalt für seinen engagierten Auftritt und die weiter klare Haltung hat Baldenius in seinem Kirchengemeinderat. Auch in Bergedorfs Facebook-Gruppen wird beides überwiegend positiv diskutiert. Er selbst gesteht allerdings, dass ihn die harsche Kritik ganz und gar nicht unberührt lässt: „Mich nimmt die ganze Sache emotional sehr mit. Aber vielleicht muss ich, müssen wir als ganze Gesellschaft da jetzt durch.“

Wie die Kirche am kommenden Montag reagieren wird, wenn die Querdenker wieder mit Einbruch der Dunkelheit vor ihrer Tür stehen, ist noch offen. Baldenius würde sich wünschen, „dass dann vielleicht noch mehr Gegendemonstranten da sind, als bisher schon da waren“.

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