Eis und Schnee

Mehr Radwege sollen im Winter schneefrei bleiben

| Lesedauer: 4 Minuten
Anne K. Strickstrock
Glatte Radwege hindern viele Menschen daran, mit dem Rad zu fahren. Das soll sich ändern.

Glatte Radwege hindern viele Menschen daran, mit dem Rad zu fahren. Das soll sich ändern.

Foto: Michael Arning

Die Hamburger Stadtreinigung will vor allem die Veloroute 8 freihalten. Politiker sehen aber noch weiteren Bedarf.

Hamburg. Jetzt geht es los, mit den ersten Schneeflocken bereitet sich auch die Stadtreinigung Hamburg (SRH) auf den Winterdienst vor – und weitet ihren Einsatz auf den Radwegen aus. Das neue Winterdienstnetz fokussiert sich nicht allein auf die Autostraßen, sondern auch auf Velorouten und Hauptverkehrsstraßen mit viel Radverkehr. „Statt wie bislang einmal werden ab der kommenden Wintersaison 2021/22 alle Radstrecken grundsätzlich zweimal bearbeitet, da hierdurch signifikant bessere Ergebnisse erzielt werden“, so Johann Gerner-Beuerle, Sprecher der Stadtreinigung. Eine Prioritätenliste, die hintereinander abgearbeitet wird, solle es nicht mehr geben: „Alle Räumfahrzeuge werden bei Einsatz des Schneefalls gleichzeitig losfahren.“

In Bergedorf sollen mehr Radwege schneefrei werden

„Auf Wunsch der Verkehrsbehörde gibt es jetzt keinen Flickenteppich mehr, sondern ein durchgehendes Netz. In Bergedorf räumen wir die Veloroute 8 entlang der B 5, über die Lohbrügger Landstraße und den Ludwig-Rosenberg-Ring bis zum S-Bahnhof“, sagt Gerner-Beuerle. So werde sichergestellt, dass die Bergedorfer zumindest eine Strecke bis in die Hamburger Innenstadt gesichert radeln können. Als Streustoff werde seit fünf Jahren der umweltverträgliche Blähton eingesetzt.

Die Veloroute 9 in Richtung Billbrook sei viel komfortabler

Alle restlichen Radwege im Bezirk bleiben indes „im Zweifelsfall verschneit“, da es keine Anliegerpflicht zur Räumung gibt. Die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (Bukea) beauftragt die Stadtreinigung mit der Räumung von insgesamt 312 Kilometern Radweg (zweimal täglich sind es also 624 Kilometer): „In Bergedorf wird neben der Veloroute 8 auch ein Teilstück der 9 zwischen Nettelnburg und Bergedorfer Zentrum geräumt“, erklärte Behördenmitarbeiter Olaf Böhm jetzt dem Verkehrsausschuss.

„Aber die 9 in Richtung Billbrook ist doch viel komfortabler zu ebener Erde“, wundert sich Jörg Froh (CDU). „Die 9 ist deutlich besser geeignet, um nach Hamburg zu radeln“, meint auch Stephan Meyns (FDP). Der Behördenvertreter erklärt, warum die Veloroute 8, die durch Lohbrügge und Boberg in die Hamburger Innenstadt führt, ausgewählt wurde: „Da sind mehr Stadtteile eingebunden, werden mehr Einwohner erreicht“, so Böhm und betont: „In diesem Winter ist an den Streuplänen in diesem Netz nichts mehr zu ändern.“

Für den Winterdienst auf Radwegen ein Budget von 800.000 Euro

Im Übrigen stehe nicht mehr Geld zur Verfügung: „Wir haben insgesamt für den Hamburger Winterdienst auf Radwegen ein Budget von 800.000 Euro, wovon 300.00 Euro zusätzlich aus dem Klimaplan stammen“, so Böhm – und erntet Missmut der Linken: „Das ist eine Katastrophe für Radfahrer, sie werden stramm benachteiligt, das sind vielleicht zehn Prozent von dem Budget für schneefreie Autostraßen“, ärgert sich Robert Gruber, der lieber die Radwege in Wohngebieten geräumt hätte: „Alle Wege, die sternförmig zu Schulen oder Einkaufszentren führen, müssen auch im Winter mit dem Rad befahrbar sein.“

Insgesamt werden in dieser Saison 850 Einsatzkräfte der Stadtreinigung mit 360 Fahrzeugen dafür sorgen, dass etwa 3200 Streukilometer auf Fahrbahnen geräumt und gestreut werden, dazu 660 Kilometer Gehwege ohne winterdienstpflichtige Anlieger, 8400 Zebrastreifen und mehr als 4250 Bushaltestellen. Die genauen Straßenverläufe werden aktuell ins Geoportal der Stadt eingepflegt.

Das Streuen der Gehwege ist die Pflicht der Eigentümer

Das bessere Streuen der Radwege zielt auch darauf ab, noch mehr Hamburger im Winter zur Nutzung des Fahrrades zu motivieren. Denn: „Immer mehr Hamburgerinnen und Hamburger nutzen das Fahrrad als alltägliches Verkehrsmittel – auch während der Wintermonate“, so Verkehrssenator Anjes Tjarks. Zudem werden neue Streumittel getestet, die die Fahrradreifen nicht schädigen.

Zur Beseitigung von Schnee und Eis auf den Gehwegen sind die Eigentümer der anliegenden Grundstücke verpflichtet. Bereits während der vergangenen Wintersaison konnten Hamburger der SRH testweise glatte Stellen über die Stadtreinigungs-App melden. „Ab sofort gehört dieser Meldeweg zum festen Serviceangebot unseres Winterdienstes“, sagte SRH-Geschäftsführer Rüdiger Siechau. Die Bürger können Hinweise aber auch weiter unter der Telefonnummer 040/25 76 13 13 abgeben.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Bergedorf