Jugendhilfeausschuss

Eklat bei geheimer Wahl zum Vize-Vorsitzenden

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Anne K. Strickstrock
Heribert Krönker ist Vorsitzender der Grünen-Fraktion in Bergedorf. Er kritisiert die mangelnde Neutralität des Ausschussvorsitzenden Stefan Thomsen.

Heribert Krönker ist Vorsitzender der Grünen-Fraktion in Bergedorf. Er kritisiert die mangelnde Neutralität des Ausschussvorsitzenden Stefan Thomsen.

Foto: Parteien / Ulf-Peter Busse

Heribert Krönker ist enttäuscht und verärgert über den Wahlausgang. Er kritisiert die mangelnde Neutralität des Ausschussvorsitzenden.

Hamburg. Es war schon ein kleiner Eklat, der sich bei der jüngsten Präsenzsitzung des Bergedorfer Jugendhilfeausschusses (JHA) im „Zeighaus“ der GSB zutrug: Es galt, eine Nachfolge für die Vize-Vorsitzende Elsbeth Elsner (CDU) zu finden – in geheimer Wahl. Die SPD schlug Heribert Krönker vor, Vorsitzender der Grünen-Fraktion in der Bezirksversammlung. Die CDU wiederum brachte Dennis Gladiator ins Rennen, der die Bergedorfer Christdemokraten seit 2011 in der Bürgerschaft vertritt.

Zwei Kandidaten standen im Jugendhilfeausschuss zur Wahl

„Zuletzt wurde weniger inhaltlich um den richtigen Weg diskutiert, als dass immer mehr partei­taktisches Kalkül im Vordergrund stand“, befindet Petra Petersen-Griem (SPD) und votiert für den „verbindlichen und gut vernetzten“ Grünen: „Wir brauchen etwas Verbindendes, nichts Spaltendes.“

Vorsitzender sprach sich klar für den CDU-Kandidaten aus

Mit ähnlicher Argumentation steuert Ausschuss-Vorsitzender Stefan Thomsen, seit 1993 JHA-Mitglied als Vertreter der freien Träger, genau in die Gegenrichtung: „Zwar schätze ich Heribert Krönker“, so der 70-Jährige, „aber ich bin für Dennis Gladiator als meinen Stellvertreter, denn der ist nicht in einer Koalitionsdisziplin eingebunden. Dass der Ausschuss derzeit in keinem leichtem Fahrwasser ist, hat sich zuletzt gezeigt, als die Verwaltung kurzerhand das Spielhaus in Lohbrügge geschlossen hat.“

Thomsen kritisiert die Koalition

Hier sei der Ausschuss einfach nicht gefragt worden, die Koalition habe in die Bezirksversammlung eingegriffen und die Ergebnisse einer Anhörung schnöde ignoriert. Thomsen: „Laut Gesetz ist die fachliche Meinung des Ausschusses aber zwingend zu hören, das will ich noch rechtlich bestätigen lassen.“

Wenn vielleicht nicht in allen Fraktionen, so ist diese Einsicht inzwischen doch bei der Verwaltung angekommen: „Im ersten Quartal werden wir die Bedarfssituation mit allen Lohbrügger Akteuren und Trägern vor Ort mit einem Beteiligungsverfahren prüfen“, ließ Normen Danelzig vom Jugendamt wissen.

Krönker: Ältestenrat soll sich mit der Wahl beschäftigen

Aber zurück zur geheimen Wahl: Von insgesamt 13 Stimmen fielen nur fünf auf Heribert Krönker, der sich sehr enttäuscht zeigte, zumal er „immer dialogorientiert auf allen Ebenen“ arbeite. Durchaus erhebe er einen Gestaltungsanspruch, „aber ich lasse mich nicht in eine Regierungsecke pressen“.

Überrascht sei er, dass sich ein Ausschuss-Vorsitzender so deutlich äußert: „Der hat Neutralität zu wahren. Das Thema wird noch den Ältestenrat der Bezirksversammlung beschäftigen“, kündigt Krönker an und betont, dass es ihm bei seiner Arbeit stets darum gehe, etwas gemeinsam zu erreichen.

Bezirksversammlung stimmt über Sondermittel für Jugendhilfeplan ab

Auch der gewählte Dennis Gladiator, mit mehreren Unterbrechungen JHA-Mitglied seit 2001, will „gemeinsam etwas für die Kinder und Jugendlichen erreichen und nicht parteipolitische Auseinandersetzungen in den Vordergrund stellen“.

So solle es auch am Donnerstagabend sein, wenn die Bezirksversammlung über Sondermittel für einen Bergedorfer Jugendhilfeplan bestimmt. Gladiator: „Eigentlich ist das aber eine gesetzliche Pflichtaufgabe und gehört in den regulären Haushalt.“

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