Nazi-Gräuel

Woche des Gedenkens: Woran erinnern Bergedorfs Denkmäler?

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Ulf-Peter Busse
Feierliche Einweihung des Bergedorfer Bismarck-Denkmals 1906. Damals stand dieses Symbol des Bismarck-Kults noch am Reinbeker Weg.

Feierliche Einweihung des Bergedorfer Bismarck-Denkmals 1906. Damals stand dieses Symbol des Bismarck-Kults noch am Reinbeker Weg.

Foto: Bergedorf-Museum

Bismarck, Kaiser Wilhelm oder Turnvater Jahn: Auf einer Rundtour wird die Bedeutung eingeordnet. Weitere Termine am Wochenende.

Bergedorf.  Als die Nazis vor 90 Jahren zu ihrem fatalen Höhenflug in der Gunst der Deutschen ansetzten, war das kein Zufall. Zwar lag die Weimarer Republik Anfang der 1930er-Jahre politisch und wegen der Massenarbeitslosigkeit auch wirtschaftlich in Trümmern. Doch dass Hitler und seine Nationalsozialisten diese Lage zur Machtergreifung nutzen konnten, lag an ihrem Geschick, vorhandene Verhaltensmuster in der Bevölkerung zu erkennen und sich an deren Spitze zu setzen.

Neben dem latenten Judenhass waren das vor allem ein verbreiteter Militarismus gepaart mit Obrigkeitstreue und Nationalstolz. „So wie wir heute das Bergedorfer Stadt- oder Hafenfest feiern, wurde damals regelmäßig durch die Innenstadt marschiert, gab es Feierlichkeiten im Gedenken an große militärische Siege oder Persönlichkeiten wie Bismarck und Kaiser Wilhelm“, sagt die Historikerin und SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Christel Oldenburg.

Rundtour zu den Denkmälern in Bergedorf

Und genau die sind sogar bis heute im Stadtbild zu besichtigen: das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Bergedorfer Schlossstraße, Bismarck beim Café Chrysander, Turnvater Jahn am Lohbrügger Markt und sogar das Schillerufer, wo die Nazis 1935 ein monumentales Soldaten-Ehrenmal für Großaufmärsche errichteten, das 1945 von den Briten beseitigt wurde. Zu diesen und weiteren Denkmälern führt am Sonntag, 7. November, ein Rundgang der Bergedorfer Woche des Gedenkens, zu dem Christel Oldenburg und SPD-Fraktionsgeschäftsführer Michael Schütze einladen. Los geht es um 14 Uhr am Lohbrügger Markt. Teilnahme ist kostenlos, Anmeldung nicht erforderlich.

Zudem gibt es an diesem Wochenende noch drei weitere Programmpunkte der Gedenkwoche. Bereits am Sonnabend, 6. November, geht Hajo Ebert von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes mit Interessierten zu den Bergedorfer Stolpersteinen. Die vom Künstler Gunter Demnig im Pflaster der Fußwege verlegten Messingplatten erinnern vor ihrem jeweils letzten Wohnsitz an die Opfer des Naziregimes. Treffpunkt ist um 14 Uhr am Bergedorfer Bahnhof, Ausgang City. Spenden sind erwünscht.

Liederabend in der Katholischen Kirche St. Marien

Für 18 Uhr lädt die Katholische Kirche St. Marien zu einem Abend mit Liedern und Gedichten zu Verfolgung, Exil, Vernichtung und Befreiung ein. Im Gotteshaus am Sichter 2 ist der Eintritt frei, Spenden sind erwünscht.

Am Sonntag stellt Autor und Journalist Jürgen Gückel im Studienzentrum der KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Jean-Dolidier-Weg 75) sein Buch „Heimkehr eines Auschwitz-Kommandanten“ vor. Darin rekonstruiert er das Leben von Friedrich Hartjenstein, der wie der Autor aus Peine kam.

Recherche auch in der Gedenkstätte Neuengamme

Nach Kriegsende wurde Hartjenstein für seine Taten dreimal zum Tode verurteilt. 1954 begnadigte ihn der französische Staatspräsident, kurz danach starb Hartjenstein in einem Pariser Gefängnis an einem Herzschlag. In Peine sind die Verbrechen Hartjensteins, der mehrere Konzentrationslager leitete, bis heute kaum bekannt.

Jürgen Gückel recherchierte auch im Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und wird sich bei der Vorstellung seines Buches, moderiert von Pastor Hanno Billerbeck, auf die Neuengammer Recherchen beziehen. Für Zuhörer ist eine Anmeldung erforderlich im Internet auf der Seite www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de.

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