Corona

Diskussion um mangelnde Koordination der Impfteams

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Jan Schubert
Dr. Jürgen Duwe, Leiter des Bergedorfer Gesundheitsamts, stellte im Sozialausschuss aktuelle Corona-Zahlen vor.

Dr. Jürgen Duwe, Leiter des Bergedorfer Gesundheitsamts, stellte im Sozialausschuss aktuelle Corona-Zahlen vor.

Foto: BGZ

Vielen ist unklar, nach welchen Kriterien die mobilen Teams eingesetzt werden. Derweil steigt die Inzidenz im Bezirk Bergedorf.

Hamburg. Es missfällt nicht nur Helmuth Sturmhoebel: „Ich habe den Eindruck, dass der Einsatz niedrigschwelliger Impfangebote mit mobilen Teams etwas dem Zufall überlassen wird“, sagte der parteilose Vorsitzende des Bergedorfer Sozialausschusses während des Vortrags von Dr. Jürgen Duwe. Duwe, Chef des Gesundheitsamtes in Bergedorf, trug aktuelle Daten zur Corona-Lage im Bezirk vor und gab dabei an, dass seine Behörde vom Einsatz mobiler Impfteams meist erst im Nachgang erfahre.

Sturmhoebel findet das unorganisiert: „Es werden in Bergedorf an einem Tag teilweise über 300 Menschen geimpft. Es könnten bei organisierter Vorgehensweise viel mehr Menschen erreicht werden. Warum tut das die verantwortliche Behörde nicht?“

Unklar, nach welchen Kriterien die mobilen Teams in Bergedorf eingesetzt werden

Nach welchen Kriterien werden die mobilen Teams denn nun eingesetzt? Martin Helfrich, Sprecher der Hamburger Sozialbehörde, erklärt die Doppelstrategie. Zum einen suche seine Behörde gezielt nach Orten, „wo es erwiesenermaßen zu wenig Impfangebote gegeben hat“.

Zum anderen startete die Sozialbehörde im September einen generellen Aufruf unter Kirchen, Kulturzentren, Sportvereinen, sozialen Einrichtungen und anderen Institutionen. Protagonisten wie die TSG Bergedorf, das Lola Kulturzentrum oder der Sozialverein Der Begleiter sprangen auf, „weil sie die Situation als Akteure vor Ort im Blick haben“, so Helfrich.

Sozialbehörde organisiert Angebote in Krankenhäusern

Die Bewerber stellen Räume und bewerben die Aktion. Die Sozialbehörde beauftragt ihren Dienstleister, das Deutsche Rote Kreuz, der mit Impfstoff und Fachpersonal vorbeikommt. Der Aufruf sei bisher „sehr ergiebig“ gewesen. Martin Helfrich weiter: „Wir sind grundsätzlich für beide Wege offen, wenn der Bedarf vorhanden ist.“ Darüber hinaus organisiert die Sozialbehörde auch dauerhafte Impfangebote in Krankenhäusern wie der Bergedorfer Agaplesion Bethesda Klinik oder großen Kaufhäusern.

Das Bergedorfer Gesundheitsamt würde gern die Impfteams „mehr unterstützen“, gab Duwe an. Dies beschränkte sich zuletzt auf etwas Werbung für Impfaktionen, der ein oder andere Mitarbeiter wurde auch mal zum Übersetzen eingesetzt. Jedoch bleibe weiterhin eine Hauptaufgabe, wie Duwe betonte: „Unser Gesundheitsamt ist in der Kontaktnachverfolgung vertreten, nicht in der Impfkampagne.“

Mitarbeiter sind noch mit Kontaktverfolgung beschäftigt

Doch diese Ankündigung von Jürgen Duwe ließ aufhorchen: „Über kurz oder lang werden wir mithelfen beim Impfen.“ Das hatte der Leiter des Gesundheitsamtes bereits in der Vergangenheit an­gekündigt, umgesetzt wurde es bisher nicht.

Für die Sozialbehörde ist eine Beteiligung von Gesundheits­ämtern in Impfkampagnen zukünftig „unter Umständen“ denkbar. Grundsätzlich sollten sich die Mitarbeiter aber auf ihre „Kernaufgaben“ und hier vordergründig auf die Kontaktnachverfolgung konzentrieren. Demzufolge sei diese Idee ­also derzeit nicht umsetzbar, „weil zu viel zu tun ist“, so Helfrich.

Corona: Inzidenz ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen am höchsten

Derweilen warb Jürgen Duwe weiter für Schutzimpfungen und unterbaute dies mit frischen Zahlen. Mit der aktuellen Inzidenz von 138 liege Bergedorf über dem Hamburger Wert (124,9), aber unter dem Bundesdurchschnitt (146,6). „Wir haben einen Anstieg der Infektionszahlen nach den Herbstferien festgestellt“, beschreibt Jürgen Duwe die Entwicklung.

Für Duwe ein wesentlicher Faktor in seinem Plädoyer: Die Inzidenz bei geimpften Bergedorfern liege bei 20, hingegen explodiere sie bei Ungeimpftem auf einen Wert von 423. Auch nach Altersgruppen betrachtet ist das Bild recht eindeutig: Demnach liege die Inzidenz in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen aktuell am höchsten (220), hingegen bei den 20- bis 49-Jährigen (115) sowie bei den 50- bis 70-Jährigen (70) deutlich niedriger. Insgesamt habe die Pandemie 97 Tote im Bezirk Bergedorf gefordert, 6949 hatten sich nachweislich mit dem Sars-CoV-2-Virus infiziert.

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