Glasfaser-Ausbau

Wirtschaft entsetzt über Bummel-Internet in Bergedorf

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Ulf-Peter Busse
Die hier blau schimmernden Glasfaserkabel sind das Elixier des schnellen Internets der Zukunft. Doch Bergedorf hängt hinterher.

Die hier blau schimmernden Glasfaserkabel sind das Elixier des schnellen Internets der Zukunft. Doch Bergedorf hängt hinterher.

Foto: Bildagentur-online/Ohde / picture alliance / Bildagentur-online/Ohde

Nach Umfrage unter Unternehmern: Verband WSB warnt vor Abwanderung von Firmen. Schuld trifft auch Vermieter von Bürogebäuden.

Hamburg. Die Idee zur Umfrage „Internet in Bergedorf“ des Wirtschaftsverbands WSB entstand im Frühjahr 2021, als der zweite Lockdown Deutschland lahmlegte. Fast alle Firmen mussten ihre Mitarbeiter ins Homeoffice schicken, damit überhaupt weitergemacht werden konnte. Heute, gut ein halbes Jahr später, arbeiten viele noch immer von zu Hause – aber bei Bergedorfs Unternehmern ist die Freude über die technischen Möglichkeiten, der Pandemie ein Schnippchen zu schlagen, zum Frust geworden.

Das belegen die jetzt ausgewerteten Antworten der gut 80 teilnehmenden Unternehmer der Umfrage des Bergedorfer Wirtschaftsverbandes WSB. In der Schulnoten-Skala von 1 bis 6 bewerteten nur 48,2 Prozent ihre Internetverbindungen mit gut oder sehr gut. Alle anderen klagen über teils drastische Mängel. „Will Bergedorf als Wirtschaftsstandort attraktiv und zukunftsfähig sein, braucht es ein gutes Internet, das ebenso zuverlässig ist wie der Strom- oder Wasseranschluss“, sagt WSB-Geschäftsführer Marc Wilken. „Bis dahin ist es hier noch ein weiter Weg.“

Zwei von drei Unternehmern unzufrieden mit der Internet-Geschwindigkeit

Das wird in Details der Befragung noch deutlicher. So sind zwei von drei Unternehmern unzufrieden mit der Internet-Geschwindigkeit. 54,2 Prozent beklagen häufige bis sehr häufige Störungen und Verbindungsausfälle. „Das Kernproblem liegt darin, dass Bergedorf der bevölkerungsärmste der sieben Hamburger Bezirke ist, die Zahl der Bewohner aber dreimal so schnell wächst“, sagt Wilken. „Als wegen Corona plötzlich alle von zu Hause gearbeitet haben, ist das Bergedorfer Netz als Erstes in Hamburg an seine Grenzen gekommen -- und wie unsere Umfrage zeigt, gilt das für alle Anbieter.“

Gleichzeitig werde es in Bergedorf nicht mit Priorität ausgebaut, weil die Telekommunikationskonzerne andere Stadtteile für umsatzträchtiger ansehen. „Unsere Breitband-Kapazität kommt also von einem niedrigen Niveau und wächst langsamer als anderswo in der Stadt“, sagt Wilken. „Hier ist der Senat gefordert, in Bergedorf grundlegend nachzubessern.“

Folgen von schlechter Versorgung

Die Folgen der schlechten Versorgung sind ebenfalls ablesbar. So finden 40,9 Prozent der Unternehmer, dass die Weiterentwicklungsmöglichkeiten ihrer Firma durch den Zustand ihrer Internetanbindung gehemmt sind. „Zwei haben deshalb sogar bereits den Standort gewechselt“, ergänzt Nicole Wünsch, Inhaberin der Firma marketing teufel, die die Umfrage mit dem WSB konzipiert hat. „Zwar ist die Lage in ganz Deutschland nicht perfekt, aber 39,6 Prozent sehen die Lage in Bergedorf trotzdem noch deutlich schlechter als anderswo.“

Rund die Hälfte der befragten Unternehmer hat angesichts der Probleme das Gespräch mit ihrem Telekommunikationsanbieter gesucht, teils auch gewechselt. Gebracht hat das kaum etwas: Alle Anbieter werden mit der Schulnote „Drei“ oder schlechter bewertet – liegen also nicht im zuverlässigen Bereich. Nur die sechs Firmen, die einen Glasfaseranschluss haben, sind begeistert: Note 1,6.

Vermieter schließen Büros nicht an Glasfasernetz an

Dass der vielen vorenthalten wird, liegt oft nicht mal an fehlenden Leitungen. „Im städtischen Bereich Bergedorfs liegt schon viel Glasfaser“, sagt Wilken. „Doch viele Dienstleister, die in angemieteten Büros sitzen, werden von ihren Vermietern nicht angeschlossen.“ Sie hätten das vor dem Haus längst liegende Kabel nicht ins Büro verlängert. „Die Bedeutung des schnellen Internets für unsere wirtschaftliche Zukunft hat sich in Vermieterkreisen noch nicht rumgesprochen.“

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