Dicke Kinder

Professor: Ekelbilder sollten auch vor Süßigkeiten warnen

| Lesedauer: 4 Minuten
Anne K. Strickstrock
Das gibt es in Deutschland noch nicht, aber wenn es nach den HAW-Studenten gehen würde, wären Warnhinweise nicht nur auf Zigaretten, sondern auch auf Süßigkeiten und Alkohol.

Das gibt es in Deutschland noch nicht, aber wenn es nach den HAW-Studenten gehen würde, wären Warnhinweise nicht nur auf Zigaretten, sondern auch auf Süßigkeiten und Alkohol.

Foto: Anne Strickstrock / BGZ/Strickstrock

Experte warnt bei 16. Bergedorfer Kinder-Uni. Vier Vorträge über „Ekelbilder“, Zucker, Millimeterarbeit und Orangenöl.

Hamburg. Es wird ein bisschen knirschen und ekeln, aber auch gut riechen: Eine bunte Themenpalette bietet die 16. Bergedorfer Kinder-Uni, die an vier Donnerstagen im November online aus der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) zu verfolgen ist. „Ernährungsthemen sind bislang immer mit Abstand beliebter als etwas Technisches“, sagt Organisator Prof. Boris Tolg, der indes bedauert, den Hörsaal noch immer schließen zu müssen: „Er lässt sich schlecht belüften. Für ungeimpfte Kinder ist das schwierig.“

Aber der Online-Kanal habe immerhin 200 Abonnenten und „zuletzt gab es bis zu 800 Zuhörer“. Acht- bis Zwölfjährige können sich wieder auf jeweils 45-minütige Vorträge der Wissenschaftler aus der Fakultät Life Science freuen. Beginn ist jeweils um 17 Uhr.

Knittrige Gesichter auf Alkoholflaschen

Den Anfang macht am 4. November Dr. Stephan Meyerding, der Betriebswirtschaft lehrt und sich vor allem auf Marketing spezialisiert hat. „Ekelbilder auf Zigaretten, Bier und Schokolade“, heißt sein Thema. Er erstellte mit seinen Studenten eine Studie: Welche Merkmale tragen zur Kaufentscheidung bei? „Rauchen ist nicht mehr cool, und jeder weiß, dass es gefährlich ist. Und so bleibt es dabei, dass die Bilder von der schwarzen Lunge oder dem Krebs im Mund immer noch besonders abschreckend sind“, sagt der Mann, der selbst geraucht hat und noch vor drei Jahren 30 Kilogramm mehr wog. „Warum aber gibt es nicht auch auf Süßigkeiten Bilder von dicken Kindern?“, fragt er sich – oder von knittrigen Gesichtern auf Alkoholflaschen?

„Gesunde Menschen haben ein geileres Leben, sind schöner, haben mehr Energie“, sagt Meyerding – doch genau solch fröhliche Fotos funktionieren nicht: „Nur wenige Käufer achten auf Warnschilder, die eine soziale Komponente oder die eigene Attraktivität ansprechen. Die Angst vor Gesundheitsschäden und einer geringeren Lebenserwartung schreckt doch am meisten ab.“ Dennoch sei das Thema ausbaufähig – etwa über Angebot und Preis: In Italien dürfen nur Tabakläden Zigaretten verkaufen, in den USA verkaufen nur spezielle Geschäfte harte Alkoholika. „Das wird für Süßigkeiten nicht so radikal umsetzbar sein, aber denkbar wäre doch eine ordentliche Zuckersteuer“, meint der Professor – und stieß mit dieser Idee auf wenig Gegenliebe bei den Hochschülern.

Wie Zuckerkrankheit entsteht

„Macht Zucker wirklich zuckerkrank?“, fragt Prof. Nina Riedel am 11. November in der Kinder-Universität und erklärt, wie der Körper Energie aufnimmt und was das mit der Zuckerkrankheit der Oma zu tun hat.

Das dritte Thema klingt ein wenig brachial: Mit einem dicken Gummihammer wird Nicholas Bishop seine Vorlesung halten – es geht um die Verankerung von Implantaten. „Chirurgen hämmern Gelenkersatz-Implantate in den Knochen, das ist Millimeterarbeit“, sagt der Engländer, der seit 2014 in Lohbrügge lehrt. Er selbst hat es an Tierkadavern ausprobiert und erfahren, „dass Knie wirklich schwieriger sind als Hüften, denn da gibt es diesen Drehpunkt, der Weichteile wie Kreuzbänder braucht.“ Mit welcher Kraft und Konzentration man Implantate in Knochen hauen muss, will er den Kindern erklären – und warum nicht alles einfach mit Knochenzement festgeklebt werden kann. „Der hält nicht so lange, das macht man nur bei alten Leuten“, so der Maschinenbauer, der für seine „optimale Einschlagtechnik“ stabile Werkzeuge liebt.

Aus Orangenschalen ein wohlduftendes Öl herstellen

Weit angenehmer wird es mit Dr. Anika Sievers und Marc Hannappel, die am 25. November zeigen, wie aus Orangenschalen eine Pampe destilliert werden kann und am Ende des Prozesses ein wohlduftendes Öl gewonnen wird, das der Haut gut tut oder auch als Lufterfrischer dient.

Alle vier Vorlesungen sind kostenfrei und können als Livestream auf dem YouTube-Kanal gesehen werden. Auch auf Facebook, Twitter und Instagram werden sie eingespielt. Wer dabei sein möchte, folgt dem Hashtag #KinderuniBergedorf2021. Unterstützt wird das Angebot vom Bergedorfer Wirtschaftsverband WSB und dem Curslacker Unternehmen Deiters & Florin.

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