Bergedorf

„WG WirrWarr“ zeigt Performance auf dem Gojenberg

| Lesedauer: 3 Minuten
Anne K. Strickstrock
Chiara (12) und Lara (11) sowie die beiden Initiatorinnen Nora (28) und Michelle (33) sind sich einig: „Wären auch Jungs in unserer WG gewesen, wären wir nicht so laut und hätten weniger geredet.“

Chiara (12) und Lara (11) sowie die beiden Initiatorinnen Nora (28) und Michelle (33) sind sich einig: „Wären auch Jungs in unserer WG gewesen, wären wir nicht so laut und hätten weniger geredet.“

Foto: strickstrock / BGZ

Ein ungewöhnliches Theaterprojekt bietet den Besuchern szenische Einblicke in die Tücken eines Lebens in einer Wohngemeinschaft.

Bergedorf. Sie mieten sich auf dem Gojenberg eine Woche lang das Haus einer verreisten Familie und ziehen dort mit drei fremden Kindern und Jugendlichen ein, um das Leben in einer Wohngemeinschaft zu testen: Etwas schräg ist die Idee schon, die Sängerin Nora Becker und Regisseurin Michelle Affolter hatten – „eine Schnittstelle zwischen sozialem Experiment und künstlerischer Forschung“ nennen sie es. Und geben Besuchern nun mit einer Performance Einblicke in diese „WG WirrWarr“.

Bei einem Workshop in der Lola hatten sie sich kennengelernt. Alisha (13), Chiara (12) und Lara (11) waren sofort neugierig und machten mit. Zunächst wurde das „Manifest“ geschrieben. Zu den obersten Regeln gehört, dass angeklopft und das Bad abgesperrt wird, „wir nicht mit dem Buttermesser in Nutella gehen“ und dass „wir keine Klamotten klauen“. Wichtig auch, dass „immer Schokobons im Haus sind“.

In einem Quiz finden Besucher heraus, welcher WG-Typ sie wären

Natürlich wurde zusammen eingekauft und gekocht (bitte Avocado statt Sushi für die Vegetarierin), gab es auch mal Zickenalarm, der schmollend in der Wäschekammer endete. Und gespült habe, wer zuerst die Nerven verlor. „Wir wollten herausfinden, ob man auf Augenhöhe mit Jugendlichen wohnen kann. Aber es sind doch sehr unterschiedliche Welten und Bedürfnisse“, sagt Theaterpädagogin Affolter über das „Volle-Pulle-WG-Leben“. Die 33-Jährige jedenfalls wollte lieber schlafen, als sich der Spieleabend in eine Party verwandelte.

Das Ganze wird nun in kleine Szenen verpackt und als Performance aufgeführt: Im Wohnzimmer wird ein Film zu sehen sein. In der Küche („Der Ort der Konflikte“) wird Schokokuchen gebacken. Im Kinderzimmer dürfen Besucher beim Quiz herausfinden, welcher WG-Typ sie wären. In der Sauna gibt es „Zuhause-Düfte“, und im Eltern-Schlafzimmer werden Geschichten vorgelesen. „Ich habe darüber geschrieben, wie es unserem Kühlschrank über Nacht ging“, sagt Chiara. „Man kann auf Entdeckungstour durch die Räume gehen, die wir zur Bühne machen“, kündigt Nora Becker (28) an.

An fünf Terminen können jeweils 15 Zuschauer vorbeikommen

Die Kulturbehörde und das Bergedorfer Bezirksamt haben das Projekt der „Produktion Flocker & Lockig“ in Kooperation mit dem Fundus-Theater gefördert, um Miete und Honorare zahlen zu können. Die Verpflegung möge sich aus den Eintrittsgeldern decken: Zum Freundschaftspreis von 9,50 Euro können jeweils 15 Besucher am Freitag, 15. Oktober (15, 17.30 und 20 Uhr), sowie am Sonnabend, 16. Oktober (13.30 und 15 Uhr), vorbeikommen und sich überraschen lassen. Die Adresse erfahren sie bei der Anmeldung auf der Homepage www.fundus-theater.de.

Gern darf auch jemand von der Stadt vorbeikommen, meinen die fünf Spielerinnen, die in ihrem „Briefzentrum“ auch Wünsche äußern: So brauche Bergedorf mehr Büchereien, weniger Baustellen und eine Disco ab zwölf Jahren.

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