S-Bahn Hamburg

Digitale S-Lokführer bleiben weiter ganz vorn sitzen

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Jan Schubert
Sie muss sich noch an den automatisch fahrenden Zug gewöhnen, findet das Digitalprojekt der S-Bahn aber spannend: Valeska Hoop „fuhr“ den ersten digital gesteuerten Zug der S-Bahn-Linie S 21 vom Bahnhof Dammtor nach Bergedorf.

Sie muss sich noch an den automatisch fahrenden Zug gewöhnen, findet das Digitalprojekt der S-Bahn aber spannend: Valeska Hoop „fuhr“ den ersten digital gesteuerten Zug der S-Bahn-Linie S 21 vom Bahnhof Dammtor nach Bergedorf.

Foto: Jan Schubert / BGDZ

Valeska Hoop war die Lokführerin bei der digitalen Premierenfahrt der S 21 vom Dammtor nach Bergedorf. Welche Aufgaben bleiben?

Hamburg.  Als Valeska Hoop kurz vor Weihnachten 2017 ihre Ausbildung zur Triebfahrzugführerin abgeschlossen hatte, war die digitale Revolution bei ihrem Arbeitgeber alles andere als ein Hirngespinst. Denn schon wenig später im Juli 2018 gingen die Hansestadt Hamburg, die Deutsche Bahn und Siemens Mobility eine Partnerschaft zu diesem Thema ein. Ihr Projektziel: Die S-Bahn Hamburg soll digitalisiert werden, um in Zukunft leistungs- und zukunftsfähig zu bleiben und vor allem ganz aktiv in die Mobilitätswende einzusteigen. Das Ganze möge zudem Vorreitercharakter für den regionalen und überregionalen Bahnverkehr besitzen.

Mobilitätswende: S-Bahn Hamburg soll digitalisiert werden

Nur drei Jahre später im Herbst 2021 ist diese Vorstellung Realität geworden – und Valeska Hoop arbeitslos? Keineswegs: Die 31-Jährige war die Lokführerin bei der digitalen Premierenfahrt der S 21 vom Dammtor nach Bergedorf. Dort sitzt sie hinter dem Steuerungspult – mit den Händen demonstrativ im Schoß. Anfahren, bremsen, Tür auf und zu, alles erledigt der Computer. Insgesamt wird ihr Zug komplett aus der Leitstelle heraus per Funk gesteuert.

„Ich muss schon noch den Fahr­sicherheitsschalter betätigen. Dass jetzt alles automatisch geht, ist immer noch ungewohnt, aber auch aufregend“, findet Hoop. Die Buxtehuderin bleibt weiterhin ganz vorn im Fahrstand, überwacht die Fahrt mit Fahrgästen, kontrolliert an den Bahnsteigen den Ein- und Ausstieg und hilft auch mal einem Rollstuhlfahrer. Am Bergedorfer Bahnsteig wiederum hält sie Funkverbindung zu einem Kollegen und beobachtet die völlig unbemannte Rangierfahrt ins Abstellgleis.

Zugführer der S-Bahn Hamburg sollen nach und nach geschult werden

Lokführer werden überflüssig – ein klares Nein kommt dazu von Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn. Und ein Plädoyer für die neue Technik: „Lokführer gehören seit über 180 Jahren zur Eisenbahn, und das wird auch so bleiben. Wir schaffen jetzt mit wenig Aufwand viel mehr Kapazitäten“, ist Lutz überzeugt und blickt voraus: „Die digitale S-Bahn ist ein Baustein auf dem Weg zur digitalen Schiene in Deutschland.“ Perspektivisch will die Deutsche Bahn die Technologie landesweit im Nah- und Fernverkehr nutzen.

Die Zugführer der Hamburger ­S-Bahn sollen nun nach und nach geschult werden, denn der digitale Regelbetrieb soll ja ab Dezember entsprechend begleitet werden. Die S-Bahn Hamburg wird überdies mit der Zeit ihre komplette Bestandsflotte (194 Fahrzeuge plus 64 Neubestellungen) und auch das vollständige S-Bahnnetz digital umrüsten. Das kostet, so ergab kürzlich eine Machbarkeitsstudie, schlappe 800 Millionen Euro.

Es gibt auch mahnende Worte über die Digitaltechnik

Bei aller Begeisterung über die Digitaltechnik: Es gibt auch mahnende Worte von den Projektbeteiligten. Etwa von Roland Busch, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, der zwar über einen „intelligenteren Bahnverkehr“ jubelt, aber auch sagt: „Die Mobilitätswende und die Digitalisierung des Fahrbetriebs geht nicht ganz ohne neue Infrastrukturen im Land. Aber das wurde ja von der Politik bereits versprochen.“

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