Pilgerinnen

Kurz vor Rom wächst die Freude auf die Stadt

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Christina Rückert
Die Pilgerinnen Janka Davids und Julia Weissenhorner vor der Pilger-Herberge "Rifugio Pieve La Sassaia"

Die Pilgerinnen Janka Davids und Julia Weissenhorner vor der Pilger-Herberge "Rifugio Pieve La Sassaia"

Foto: Privat

Die Pilgerinnen Janka Davids und Julia Weissenhorner stehen vor den letzten 160 Kilometern. Zeit für ein erstes Reise-Resümee.

Bergedorf. Nur noch 160 Kilometer und etwa acht Tage Marsch trennen die beiden Pilgerinnen Janka Davids (49) und Julia Weissenhorner (54) von ihrem Ziel Rom. Und in den vergangenen Tagen hat sich das Wetter Italiens entschlossen, den Frauen wohl zum nahenden Abschied noch einmal seine ganze Bandbreite zu präsentieren: „Wir hatten Hitze, wir hatten Regen und Gewitter – es war alles dabei“, sagt Julia Weissenhorner. Aber manch ein nettes Erlebnis entschädigte auch diesmal für gelegentliche Schlechtwetterphasen.

Herbergsvater Giovanni kochte für die beiden Frauen

Nachdem die beiden Wanderinnen den Apennin verlassen hatten, sind sie in Arezzo auf die ursprüngliche Pilgerroute der „Via Romea Germanica“ zurückgekehrt. Von dort ging es nach Rigutoni, wo die Frauen in einer ganz besonderen, einsam gelegenen Pilgerherberge übernachteten. „Sie wird von Giovanni geführt, einem richtigen Pilger-Herbergsvater wie er im Buche steht“, erzählt Janka Davids. Mit einer Umarmung wurden die beiden Bergedorferinnen nicht nur sehr herzlich begrüßt – es gab auch leckeres, selbst gekochtes Essen „und schöne Gespräche“. „Wir haben uns wirklich sehr, sehr wohl bei ihm gefühlt.“

Am Ende des Tages ging es immer bergauf

Weiter ging es an den Tagen ­danach durch „viele, viele Orte“ in der Toskana: „Wie man es sich vorstellt: mit Hügellandschaften und Zypressenwegen und wundervollen Orten, die leider alle auf Hügeln liegen. Was bedeutet: Am Ende des Tages gingen wir immer bergauf“, sagt Julia Weissenhorner augenzwinkernd. Also ging es auf langen ­Wegen und mit „teilweise viel Asphalt unter unseren Füßen“ weiter. Doch dafür entschädigten die wundervollen Blicke in die Ebene.

In einem Agriturismo trafen die Pilgerinnen auf eine weitere, besondere Gastgeberin. Denn die Frau sprach Deutsch. Nach all den Wochen eine schöne Abwechslung nicht nur für die beiden Bergedorferinnen, sondern auch für Gastgeberin Anna selbst. Nur wenig später, im Ort Paciano, mussten sie aber wieder ins Englische wechseln. Denn in einem Restaurant, über dem die Frauen ihr Zimmer hatten, stellte der Inhaber sie zwei Amerikanern aus Washington vor, die seit sieben Jahren in Italien leben. „Wir haben uns gleich nett unterhalten“, sagt Janka Davids. Es wurde dann ein so schöner Abend mit so guten Gesprächen, dass die beiden Amerikaner die Frauen am Ende zum ­Essen einluden.

Am Anfang und am Ende stehen Abschiede

„Und nun nehmen wir langsam Abschied von unserem Pilgerweg“, stellt Julia Weissenhorner fest. Auch auf „anderen Ebenen“ merken die Frauen, dass es auf die Zielgerade geht. Die Freude auf Rom und die Freude, Familie und Freunde bald wiederzusehen, mischen sich mit einem Gefühl des Abschieds.

„Wir reflektieren, wir schauen zurück: Was haben wir schon alles ­erlebt“, sagt Janka Davids. Jetzt sei es genau andersherum: Am Anfang hätten sie Abschied genommen vom Zuhause und „sind eingetaucht in den Weg“. Nun gehe es andersherum wieder hinaus. „Und auch das fühlt sich gut an. Wir sind froh, dass wir uns haben und dass wir gesund geblieben sind.“

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