THW Bergedorf

Helfer bekommen neue Pumpe für den Katastrophenschutz

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Alexandra Schrader
Gunnar Schering, Gruppenführer beim THW, mit der neuen Pumpe. Bei Bedarf kann sie sogar mit einem Gabelstapler transportiert oder mit einem Kran auf ein Schiff gehoben werden.

Gunnar Schering, Gruppenführer beim THW, mit der neuen Pumpe. Bei Bedarf kann sie sogar mit einem Gabelstapler transportiert oder mit einem Kran auf ein Schiff gehoben werden.

Foto: Alexandra Schrader

Helfer aus Bergedorf sind zurück vom Katastropheneinsatz in Ahrweiler. Mit einer neuen Pumpe können sie jetzt noch besser helfen.

Hamburg . Nach ihrem sechswöchigen Einsatz im Katastrophengebiet im Landkreis Ahrweiler sind Aktive des Ortsverbands des Technischen Hilfswerks (THW) Bergedorf wieder zurück an ihrer Wentorfer Heimstätte. Am 13. August mit dem ersten Wagen losgefahren, haben die verschiedenen Fachgruppen immer abwechselnd geholfen, die Fluttrümmer aufzuräumen. Jetzt sind nur noch vereinzelt Kräfte in Rheinland-Pfalz.

Gunnar Schering, Gruppenführer der Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen, hat im Landkreis Ahrweiler mit seinem Team eine provisorische Kanalisation aufgebaut (wir berichteten). Wieder zu Hause lässt er die Erinnerungen Revue passieren: Die Zerstörung sei schockierend gewesen. „Ich habe einen von den Fluten erfassten Opel gesehen, der aussah, als sei er die Zugspitze hinuntergerollt. Sogar das Armaturenbrett war zusammengedrückt“, sagt der 56-Jährige.

THW Bergedorf packten mit an bei den Aufräumarbeiten

Auch eine Brücke, ähnlich massiv wie die Bergedorfer Autobahnbrücke, sei einfach zur Hälfte weggerissen worden. „So etwas habe ich noch nie in meinem Leben gesehen. Wasser hat eine unglaubliche Macht“, sagt Schering. Sonst ist die Ahr ein Fluss ähnlich wie die Bille.

Aber während der Flut habe sie teilweise eine Breite von einem Kilometer erreicht. Zugführer Markus Lingner bestätigt: Die gesamte Gegend sei ein Bild der Zerstörung gewesen. Auch mit Kuriositäten: „Alles war voller Flaschen, weil ein Mineralwasser-Abfüllwerk überschwemmt wurde.“

„So etwas habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen“

Das Technische Hilfswerk konnte in einigen Bereichen helfen. So ist beispielsweise die Überleitung der zerstörten Kanalisation über die Ahr gelungen, auch wenn sich die Installation als kompliziert erwies – und das gleich an zwei Stellen. „Eigentlich dachten wir, dass an der einen Stelle vor der Flut eine Brücke stand, an der die Leitung entlangführte“, sagt Schering.

Stattdessen seien die Abwasserleitungen im Grund des Flusses verlaufen. Doch die Fluten hätten riesige Mengen Sediment weggerissen – inklusive Betonleitungen. Also hieß es: Schnell handeln, um zu vermeiden, dass länger als nötig große Mengen Abwasser in den Fluss fließen.

Provisorische Abwasserleitung über dem Fluss gebaut

Wie geplant, konnten die Schläuche an zwei über den Fluss gespannten Stahlseilen befestigt werden. Am Ufer wird das Ganze nun von selbstgebauten Holzkonstruktionen gehalten. Abenteuerlich: Da einige Bretter von der Größe nicht gepasst hätten, seien sogar Baumstämme gespalten und als Material verwendet worden. Die Notlösung bleibe wahrscheinlich noch bis zum Frühjahr stehen.

Die Spezialpumpe des THW Bergedorf wurde trotz der vielen zurückgelegten Kilometer nicht benötigt – eine andere sei bereits angeschlossen gewesen. Beim THW bundesweit nur 17-mal vorhanden, kann sie 15.000 Liter Wasser pro Minute abpumpen.

Mit neuer Hochleistungspumpe noch effektiver arbeiten

Zurück in Bergedorf wartet schon das nächste Gerät auf das Team: Eine nagelneue Schmutzwasserkreiselpumpe steht erst seit zwei Wochen auf dem THW-Gelände. Und: noch riechen die silberfarbenen Rohre frisch und neu. Um leichter transportiert werden zu können, ist die sogenannte Mobilpumpe im Wert von 90.000 Euro auf einem Anhänger befestigt. So kann sie auch von normalen Geländewagen gezogen werden.

Das Besondere an der 1,6 Tonnen schweren Maschine ist, dass sie gleich mehrere Nutzer hat: „Die Umweltbehörde und wir als THW teilen uns das Gerät“, erklärt Zugführer Markus Lingner. Darauf seien sie stolz: Kooperationen zwischen staatlichen Organisationen, wie dem THW und einem Bundesland seien schließlich selten.

In den Dürresommern entstand die Idee zur Anschaffung der Pumpe

Thomas Jaschke von der Umweltbehörde freut sich: „Wir können die Pumpe beide gebrauchen, das THW hat das Knowhow und den Lagerplatz, wir haben sie finanziert. Es ist eine Win-Win-Situation“.

Entstanden sei die Idee nach den Dürresommern 2018 und 2019. Immer wieder musste die Umweltbehörde damals das THW um Hilfe bitten, um beispielsweise trockengefallene Tümpel wieder mit Wasser zu füllen.

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