Bergedorf

Die Hürden für Corona-Tests werden höher

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Die Bergedorferin Vanessa Reebeen (26) von GoTestMe mit einem Teststäbchen auf der Dreiecksfläche vor dem ZOB Bergedorf.

Die Bergedorferin Vanessa Reebeen (26) von GoTestMe mit einem Teststäbchen auf der Dreiecksfläche vor dem ZOB Bergedorf.

Foto: Jan Schubert / BGDZ

Nur noch Ärzte, Apotheken und Labore dürfen bald testen. Viele private Zentren werden also schließen - auch im Bezirk Bergedorf.

Hamburg.  Ob zum Haareschneiden oder für Kino, Restaurant und Fitnessstudio: Wer nicht oder noch nicht komplett geimpft ist, konnte bislang einen kostenlosen Corona-Schnelltest machen – in Arztpraxen und Apotheken, aber vor allem in den Testzentren privater Anbieter. Deren Vertrag mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst endet in Hamburg am 30. September. Und am 10. Oktober stellt die Regierung die Finanzierung der kostenfreien Bürgertests endgültig ein.

Wie die Hamburger Gesundheitsbehörde am Dienstag mitteilte, dürfen die Schnelltests künftig nur noch von „legitimierten“ Anbietern vorgenommen werden, also von Ärzten, Zahnärzten, Apotheken und Laboren. Veranstalter oder Betreiber von Einrichtungen, in denen die 3G-Regel gilt, dürfen dann ausschließlich die von diesen medizinischen Anbietern ausgestellten Zertifikate akzeptieren. Für zahlreiche Testzentren bedeutet dies das Aus.

Pandemie: Private Corona-Testzentren müssen bald schließen

Nikolas Rajkovic, Betreiber des GoTestMe-Bus auf der Dreiecks­fläche vor dem Bergedorfer ZOB, wird sein Angebot voraussichtlich zum 11. Oktober einstellen. „Diese Neuregelung ist der Tod aller Testzentren“, sagt Rajkovic. Er dürfte zwar weiter testen, doch gelten seine Ergebnisse dann nur noch als Information für den Bürger, nicht aber mehr als Negativ-Zertifikate im Sinne der Eindämmungsverordnung. „Das ist der Versuch, die Leute zur Impfung zu zwingen“, schimpft der Unternehmer.

Derzeit würden in dem Bus wöchentlich noch rund 700 Abstriche abgenommen und ausgewertet, berichtet Rajkovic. In der Anfangszeit auf dem Frascatiplatz seien es bis zu 1800 gewesen.

Gastronom Arne Meyer aus Ochsenwerder, der seit Frühjahr vier Testcenter im Landgebiet und Lohbrügge betrieben hat, spürt bereits eine deutlich gesunkene Nachfrage. Die Testcenter in der ehemaligen Volksbank-Filiale am Marktplatz Fünfhausen sowie am Lohbrügger Markt 4 will er zunächst weiter offen halten. Wenn die dort angebotenen Tests künftig aber nicht mehr zur Teilnahme am 3G-Modell reichen, werde das aus wirtschaftlichen Gründen kaum möglich sein.

Corona-Schnelltest für 14,98 Euro in der Apotheke

Die Drogeriekette Budnikowsky wird ihre Schnellteststation auf dem Parkdeck des CCB-Fachmarktzentrums zum 30. September einstellen. Moritz Fürste, der mit seinem Schnelltest Service Hamburg rund 40 Testzentren betreibt, hat bereits am Montag mit dem Abbau etlicher der meist an Sportstätten angegliederten Stationen begonnen.

Die wichtigsten Varianten des Coronavirus im Überblick

Nach Anregung der Weltgesundheitsorganisation WHO werden die Varianten des Coronavirus nicht mehr nach den Staaten benannt, in denen sie zuerst nachgewiesen wurden, sondern nach den Buchstaben des griechischen Alphabets. So soll eine Stigmatisierung beispielsweise von Ländern wie Großbritannien oder Indien verhindert werden, in denen besonders ansteckende Virusmutationen zuerst nachgewiesen wurden.

Derzeit gelten vier Formen des Coronavirus als besorgniserregend ("Variants of Concern"):

  • Alpha: Die im September 2020 zuerst in Großbritannien nachgewiesene Variante B.1.1.7, die das ursprüngliche Coronavirus fast vollständig verdrängt hat.
  • Beta: Eine Form des Coronavirus, die im Mai 2020 in Südafrika entdeckt wurde, wissenschaftliche Bezeichung: B.1.351, B.1.351.2, B.1.351.3
  • Gamma: Die zunächst in Brasilien im November 2020 nachgewiesene Mutation P.1 und ihre Subformen P.1.1 und P.1.2
  • Delta: Die Corona-Variante B.1.617.2 (und ihre Subformen AY.1, AY.2, AY.3), zuerst im Oktober 2020 in Indien gefunden

Außerdem beobachtet die WHO weitere vier Mutationen als bedeutsame "Variants of Interest" :

  • Eta: Wissenschaftliche Bezeichung B.1.525, im Dezember 2020 in diversen Staaten nachgewiesen
  • Iota: B.1.526, im November 2020 in den USA entdeckt
  • Kappa: B.1.617.1, im Oktober 2020 erstmals in Indien nachgewiesen
  • Lambda: C.37, im Dezember 2020 in Peru entdeckt

Wer künftig einen Testnachweis benötigt, wird in der Praxis wohl auf das Angebot der Apotheken zurückgreifen müssen (Überblick: www.hamburg.de/corona-schnelltest). In Bergedorf sind beispielsweise noch die Mohnhof-Apotheke und die beiden Pluspunkt-Apotheken dabei – vom 11. Oktober an dann kostenpflichtig. Marijan Kreth, Inhaber der Pluspunkt-Apotheken: „Pro Test werden wir 14,98 Euro nehmen.“ Damit die Tests sich fürs Geschäft lohnen würden, müssten es eigentlich 25 Euro sein. Er wolle aber erst einmal abwarten: „Wenn die 15 Euro den Kunden zu viel sind, nehmen wir das Angebot vielleicht ganz raus.“

( fru/jhs/ajs )

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