Bundestagswahl

Trotz Wahldebakels: CDU liebäugelt jetzt mit Jamaika

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Ulf-Peter Busse und Elke Richel
CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet gibt eine Pressekonferenz nach den Gremiensitzungen der Partei nach der Bundestagswahl 2021 im Konrad-Adenauer-Haus, während der er sich heftige Kritik anhören musste.

CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet gibt eine Pressekonferenz nach den Gremiensitzungen der Partei nach der Bundestagswahl 2021 im Konrad-Adenauer-Haus, während der er sich heftige Kritik anhören musste.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Kritische Stimmen, aber auch Zustimmung gibt es von der CDU-Basis im Herzogtum Lauenburg und in Bergedorf für den Parteivorsitzenden.

Bergedorf. Ungeachtet ihrer Schlappe bei der Bundestagswahl wirbt die Union weiter für die Bildung einer Jamaika-Koalition mit Grünen und FDP. Der CDU-Bundesvorstand sei sich einig, „dass wir zu Gesprächen über Jamaika bereitstehen“, sagte Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet nach der Vorstandssitzung in Berlin – und blies zu einem Wettbewerb um die Regierungsbildung, wie es ihn in Deutschland seit Langem nicht gab.

Aus dem Wahlergebnis könne keine Partei einen Regierungsauftrag ableiten, „auch die SPD nicht“, so Laschet. Bundeskanzler werde derjenige, der eine Mehrheit im Deutschen Bundestag hinter sich bringe. Und ein Jamaika-Bündnis unter Führung der CDU/CSU bilde eine „gesellschaftliche Breite“ ab.

Muss Laschet die Verantwortung für den Ausgang der Bundestagswahl übernehmen

Kritik, aber auch Zustimmung kommt aus Bergedorf und dem Herzogtum Lauenburg. „Ich kann in dem Wahlergebnis keinen Regierungsauftrag erkennen“, sagt Bergedorfs CDU-Chef Dennis Gladiator. „Klar ist, wir müssen immer bereit sein, Verantwortung für unser Land zu übernehmen. Aber für CDU und CSU muss es nun erst einmal und vor allem darum gehen, dass Wahlergebnis schonungslos aufzuarbeiten. Es darf kein ,Weiter so’ geben.“

Noch deutlicher wird Floria Slopianka, JU-Vorsitzender im Herzogtum Lauenburg: „Dieses Ergebnis haben diejenigen persönlich zu verantworten, die der Parteibasis bei der Nominierung des Kanzlerkandidaten bewusst den Rücken zugekehrt haben. Hier müssen jetzt persönliche Konsequenzen folgen.“

Mehr Macht für die Basis, fordert die Basis

Mehr Macht für die Basis fordert auch Bergedorfs CDU-Fraktionsvize Jörg Froh: „Verbindliche Mitgliederbefragungen auch vor dem Eingehen einer möglichen Jamaika-Koalition müssen Pflicht werden.“ Und Nicole Voss, CDU-Ortsvorsitzende in Geesthacht, ergänzt: „Der Bundesvorstand sollte jetzt mal in sich gehen, und überlegen, wie man die Basis wieder für sich gewinnt.“. Dazu gehöre auch, aus der Opposition die Erneuerung in die Wege zu leiten. „Ich sehe nicht, dass die CDU einen Regierungsauftrag hat.“

Für Dennis Gladiator war „der Wahlkampf an vielen Stellen eine Zumutung, was leider auch an eigenen Schwächen und Fehlern der Union lag. Jetzt gilt es, Vertrauen zurückzugewinnen und wieder mehr Menschen in Deutschland zu erreichen. Wir brauchen wieder ein erkennbares Profil, einschließlich einer inhaltlichen und auch personellen Erneuerung.“

Lob für „guten Moderator und Teamplayer Armin Laschet“

Ob damit auch das Abdanken des Parteivorsitzenden Armin Laschet gemeint ist, lässt Gladiator offen. Schließlich fände das in Bergedorf kaum eine Mehrheit. Auf Nachfrage unser Zeitung sprachen sich die Christdemokraten hier zwar für die schonungslose Aufarbeitung des Wahldebakels aus. Aber mancher setzt offen auf die erneuernden Kräfte, die in einem Jamaika-Bündnis von der FDP ausgehen könnten.

Programmatisch nah an der CDU, könnte ihr Wahlerfolg auch frischen Wind in eine vom „guten Moderator und Teamplayer Armin Laschet“ geführte schwarz-grün-gelbe Koalition bringen, sagt etwa Julian Emrich, frisch gekürter CDU-Fraktionschef in der Bergedorfer Bezirksversammlung.

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