Bundestagswahl in Bergdorf

Bergedorfs CDU hofft auf Jamaika

| Lesedauer: 3 Minuten
Ulf-Peter Busse
CDU-Kreisvorsitzender Dennis Gladiator im Wahlkampf am Stand seiner Partei vor St. Petri und Pauli.

CDU-Kreisvorsitzender Dennis Gladiator im Wahlkampf am Stand seiner Partei vor St. Petri und Pauli.

Foto: Privat

Einen Regierungsauftrag kann die CDU Bergedorf im Ergebnis der Bundestagswahl nicht erkennen, hofft aber auf eine Jamaika-Koalition.

Bergedorf. Es herrscht Katerstimmung bei Bergedorfs CDU – und zumindest noch Hoffnung: Gelingt es Olaf Scholz nicht, sich mit FDP und Grünen auf eine Ampel-Koalition zu einigen, steht die CDU aus ihrer Sicht für ein Jamaika-Bündnis mit dem gelb-grünen Duo bereit.„Die FDP hat viele programmatische Überschneidungen mit der CDU. Und Armin Laschet große Qualitäten als Moderator zwischen Fraktionen und Parteien, die auf Augenhöhe in Verhandlungen eintreten“, sagt Julian Emrich, CDU-Fraktionschef in der Bezirksversammlung. Gerade die FDP könne der CDU in einer Koalition neue Dynamik einhauchen.

Vorher, da ist er sich mit Bergedorfs CDU-Chef Dennis Gladiator einig, braucht es aber eine Aufarbeitung der Frage, was im Wahlkampf schiefgelaufen ist. „Es muss schonungslos und ehrlich geklärt werden, warum wir vor allem die jungen Wähler kaum noch erreichen. Ganz im Gegensatz übrigens zur FDP“, sagt Gladiator, der schon am Wahlabend davor gewarnt hatte, alles einfach auf den Spitzenkandidaten abzuwälzen. „Der schlimmste Fehler wäre, sich jetzt in eine neue Regierung zu fliehen und die Analyse dieses Wahldebakels einfach auszulassen.“

CDU Bergedorf will eine Aufarbeitung des Bundestagswahlkampfes

Bis es zu einer wie auch immer gearteten Regierungsbildung kommt, werden Wochen ins Land gehen. Zeit, die in Berlin wie auch Hamburg und Bergedorf mit Aufarbeitung verbracht werden dürfte. Bundesvorstand und Präsidium saßen schon gestern zusammen, Hamburgs Landesvorstand startet unter anderem mit Dennis Gladiator heute. Und Kreisvorstand sowie Kreisausschuss in Bergedorf folgen kommende Woche.

Dabei hat Jörg Froh, Fraktionsvize in Bergedorf, vor allem ein Kernanliegen: „Die Basis muss ab sofort in wichtige Entscheidungsprozesse der CDU eingebunden werden. Es braucht verbindliche Mitgliederbefragungen. Das hätte uns schon bei der Auswahl des Spitzenkandidaten gut getan. Und wenn es jetzt um ein neues Programm, vielleicht sogar eine neue Koalition geht, ist das Votum der Basis unerlässlich.“

Aus dem Ergebnis keinen Regierungsauftrag ableitbar

Ziel müsse sein, wieder ein Wahlergebnis von „30 Prozent plus“ zu erreichen und stärkste Fraktion im Bundestag zu werden, ergänzt Julian Emrich. „Mit nur 24,7 gegenüber den 25,7 Prozent der SPD ist für mich eindeutig klar, dass wir vom Bürger nicht mit der Regierungsbildung beauftragt wurden. Immerhin hat er aber auch Rot-Rot-Grün verhindert.“

Dass die Mehrheit der Deutschen bewusst den Wechsel und deshalb die CDU/CSU abgewählt habe, sieht Lars Dietrich nicht. Der CDU-Chef in Neuallermöhe und Nettelnburg wertet die Wahlniederlage eher als Ergebnis bewusst gesetzter emotionaler Bilder aus den Sozialen Medien, etwa Laschets Lacher in der Flutkatastrophe: „Das hatte riesige Auswertungen. Politische Inhalte wie die Cum-Ex-Geschäfte im Dunstkreis von Olaf Scholz dagegen gar keine.“ Seine Empfehlung: Laschet als Fraktionsvorsitzenden etablieren und mittelfristig alles auf die Jamaika-Karte setzen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Bergedorf