Bundestagswahl 2021

„Nörgelpartei“ – Linken-Politiker spricht über Wahldebakel

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Ein Mitglied der Linken-Fraktion in Hamburg kritisiert seine eigene Partei nach dem Wahldebakel.

Ein Mitglied der Linken-Fraktion in Hamburg kritisiert seine eigene Partei nach dem Wahldebakel.

Foto: dpa/Marcus Brandt

Hamburger Bürgerschaftsabgeordneter und Linken-Direktkandidat findet klare Worte: "Wir haben vier Jahren die falsche Politik gemacht."

Hamburg. Stephan Jersch ist ein Mann der klaren Worte. Deshalb nimmt der Bürgerschaftsabgeordnete und Bundestags-Direktkandidat der Linken aus Lohbrügge auch beim Blick auf das Schrumpfergebnis seiner Partei kein Blatt vor den Mund: „Das ist eine echte Klatsche“, sagt der 58-Jährige. „Wir haben im Bundestag in den vergangenen vier Jahren die falsche Politik gemacht.“

Die Zitterpartie auf dem Grat der Fünf-Prozent-Hürde sieht Jersch als Quittung für ewiges Kritisieren: „Die Linken sind als Nörgelpartei in den Köpfen der Menschen. Wir haben es fast den gesamten Wahlkampf über versäumt zu sagen, wie wir etwas tatsächlich verändern wollen.“ Erst ganz zum Schluss sei mit der Option eines rot-grün-rotes Bündnisses ein Weg genannt worden. „Leider viel zu spät.“

Bundestagswahl lehrt seine Partei, mit mehr Pragmatismus zu arbeiten

Jersch lobt das Wahlprogramm der Linken, das einen zukunftsgerichteten ökologischen Ansatz verfolge und in der Steuerpolitik die Lasten umverteile, die ärmere Hälfte der Bevölkerung klar entlaste. „Doch offenbar trauen uns viele Wähler nicht zu, das umzusetzen.“

Mehr Pragmatismus hätte sich der Lohbrügger auch beim Thema Afghanistan gewünscht: „Am Ende ging es doch darum, Menschen lebend aus diesem Land zu holen. Da hilft es nicht, auf den 22. Änderungsantrag zu pochen. Sowas lässt zu viele Fragen offen.“ Auch wenn der außenpolitische Kurs mit der kritischen Haltung zur Nato und einer anderen Politik gegenüber Russland im Gegensatz zu der Merkel-Regierung stehe: „Etwas mehr Pragmatismus hätte uns deutlich besser zu Gesicht gestanden.“

Die Linken sollte deutlich staatstragender werden

Generell wünscht sich der Direktkandidat eine Linken-Politik auf Bundesebene, die weniger auf Ideologie als auf Realismus setzt. „Man könnte es auch so formulieren: Wir Linken müssen lernen, deutlich staatstragender zu werden.“ Vor allem wenn sie sich in diesem Wahlkampf mit dem Gedanken trügen, von der Opposition in die Regierung zu wechseln. „Das ist gründlich schief gegangen.“

Stephan Jersch begann seine politische Aktivitäten 1980 bei der SPD, wechselte kurz darauf zur DKP, liebäugelte aber auch mit Grünen oder der PDS. Seit 2007 ist er für die Linken aktiv, zunächst als Fraktionschef in der Bezirksversammlung, seit 2015 als Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft.

( upb )

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