Bundestagswahl Bergedorf

Metin Hakverdi (SPD) ist Gewinner in Bergedorf-Harburg

| Lesedauer: 11 Minuten
SPD-Direktkandidat Metin Hakverdi vorm Bergedorfer Schloss.

SPD-Direktkandidat Metin Hakverdi vorm Bergedorfer Schloss.

Foto: Christina Rückert

Der Direktkandidat der SPD hat den Wahlkreis 23 klar für sich entschieden. Sein Ergebnis ist herausragend.

Hamburg. In Bergedorf stehen neben den insgesamt 22 Parteien, die im Wahlkreis 23 (Bergedorf/Harburg) antreten, auch zwölf Direktkandidaten auf dem hellgrauen Zettel. Sie alle wollen den Bundestagssitz für Bergedorf und Harburg erobern. Wir sammeln für sie die aktuellsten News sowie Ergebnisse zur Bundestagswahl 2021, die den Bezirk Bergedorf betreffen.

Newsblog zur Bundestagswahl: Infos aus dem Bezirk Bergedof

SPD-Direktkandidat Metin Hakverdi ist der klare Gewinner

Metin Hakverdi hat es geschafft und ist erneut in den Bundestag eingezogen. Er hat den Wahlkreis Bergedorf-Harburg klar entschieden. 39,3 Prozent der Erststimme entfielen auf ihn. Damit steigerte er sein Ergebnis nicht nur deutlich, fast auf das Niveau von 2013. Er holte auch das beste Erststimmenergebnis der Direktkandidaten in ganz Hamburg. Auf Twitter brachte er das Ergebnis auf den Punkt: "Four more years!"

Uwe Schneider von der CDU holte 16,9 Prozent der Erststimmen. Dahinter liegt Manuel SArrazin von den GRünen mit 15,5 Prozent. Weitere Direktkandidaten: Sonja Jacobsen von der FDP bekam 8,5 Prozent der Erststimmen. Olga Petersen von der AfD 8,2 Prozent und Stephan Jersch von den Linken 8,2 Prozent.

Stephan Jersch (Die Linke) "Das ist eine echte Klatsche"

Stephan Jersch ist ein Mann der klaren Worte. Deshalb nimmt der Bürgerschaftsabgeordnete und Bundestags-Direktkandidat der Linken aus Lohbrügge auch beim Blick auf das Schrumpf-Ergebnis seiner Partei kein Blatt vor den Mund: „Das ist eine echte Klatsche“, sagt der 58-Jährige. „Wir haben im Bundestag in den letzten vier Jahren die falsche Politik gemacht.“Die Zitterpartie auf dem Grat der Fünf-Prozent-Hürde sieht Jersch als Quittung für ewiges Kritisieren: „Die Linken sind als Nörgelpartei in den Köpfen der Menschen. Wir haben es fast den gesamten Wahlkampf über versäumt zu sagen, wie wir etwas tatsächlich verändern wollen.“ Erst ganz zum Schluss sei mit der Option eines rot-rot-grünen Bündnisses ein Weg genannt worden. „Leider viel zu spät.“

243 von 341 Wahllokalen haben ihre Stimmen ausgezählt

Im Wahlkreis Harburg-Bergedorf haben bereits 243 von 341 Wahllokalen ihre Ergebnisse übermittelt. Sowohl bei den Erst-, als auch den Zweitstimmen liegt die SPD vorn.

Anteil der Erststimmen: Metin Hakverdi (SPD) bisher 39,1 Prozent, Uwe Schneier (CDU) hat 17,2 Prozent, Grünen-Kandidat Manuel Sarrazin 15,3 Prozent, Stephan Jersch von den Linken 6,4 Prozent, Julia Jacobsen von der FDP 8,7 Prozent und Olga Petersen von der AfD 8,4 Prozent.

Anteil der Zweitstimmen: Hier liegt die SPD mit 33,4 Prozent deutlich vor den GRünen mit 17,6 Prozent und 16,4 Prozent für die CDU. Die FDP erreicht bisher 10,2 Prozent, die AfD 8, 4 Prozent und die Linken 5,9 Prozent.

Statement von Bergedorf CDU-Chef Dennis Gladiator

Für Dennis Gladiator sind es „ganz klar herbe Verluste, deren Ursachen wir nach der Wahl schonungslos aufarbeiten müssen“, sagt Bergedorfs CDU-Chef. Er hatte sich beim Machtkampf um die Kanzlerkandidatur im Sommer klar für Markus Söder ausgesprochen, will jetzt aber nicht alles auf Armin Laschet schieben: „Es braucht eine grundlegende und umfangreiche Analyse, warum wir mit unseren Themen nicht bei Wähler angekommen sind.“ Einer Neuauflage der Großen Koalition erteilt er eine Absage, „weil das nicht der Normalfall für Deutschland sein darf“. Gladiator setzt auf Jamaika: „Alle daran zu beteiligenden Parteien spüren die Verantwortung, das jetzt auch umzusetzen. Denn auch wenn unser Wahlergebnis schlecht sein wird: Es ist gelungen eine linke rot-rot-grüne Regierung zu verhindern. Jetzt müssen wir das nur noch in eine Koalition unter Führung der CDU/CSU umsetzen.“

Metin Hakverdi (SPD) hat bisher den höchsten Anteil der Erststimmen

Die ersten Zwischenergebnisse aus dem Wahlkreis 23 Bergedorf-Harburg trudeln ein. Es sind allerdings erst 45 Gebiete ausgezählt. Bisher hat Metin Hakverdi (SPD) 38 Prozent der Stimmen erhalten, Uwe Schneier von der CDU 18,5 Prozent. Dahinter liegen Manuel Sarrazin von den Grünen mit 14,1 Prozent, Stephan Jersch von den Linken mit 6,2 Prozent, Sonja Julia Jacobsen von der FDP mit 9,7 Prozent und AfD-Kandidatin Olga Petersen mit 9,5 Prozent.

CDU-Direktkandidat Uwe Schneider ist noch optimistisch

CDU-Direktkandidat Uwe Schneider gab sich in einem ersten Statement optimistisch: „Die Wahl ist ein klares Votum gegen Rot-Rot-Grün und das ist gut für Deutschland.“ Er sei sicher, dass die CDU wieder Regierungsverantwortung übernehmen werde „und zwar mit einem Kanzler Armin Laschet“. Seine Begründung: „Bei einer Jamaika-Koalition unter Führung der CDU gibt es deutlich mehr politische Überschneidungen als bei der Ampel mit der SPD.“

SPD trifft sich an der Vierlandenstraße in Bergedorf

Im SPD-Haus an der Vierlandenstraße in Bergedorf warten SPD-Fraktionschefin Katja Kramer (links) und Parteifreunde auf den Direktkandidaten Metin Hakverdi.

Lange Schlangen vor den Wahllokalen: Ist die Wahl um 18 Uhr vorbei?

Vor vielen Wahllokalen gibt es am Sonntag lange Schlangen. EIn Grund ist, dass wegen der Corona-Pandemie an vielen Orten weniger Menschen als sonst gleichzeitig in das Wahllokal dürfen. Wer bis 18 Uhr in der Schlange vor dem Wahllokal steht, darf seine Stimme in jedem Fall noch abgeben - auch nach 18 Uhr. Wichtig: Die Wähler dürfen sich zwischenzeitlich nicht vom Wahllokal entfernen.

Wahlkreisbüro an der Chrysanderstraße

Wahlhelfer Patrick Brosche muss tief in die Urne greifen, um die roten Briefwahlumschläge herauszufischen. Die stellvertretende Kreiswahlleiterin Kerstin Godenschwege ist ihm behilflich. Pünktlich um 15 Uhr begannen die 50 Bergedorfer Briefwahlvorstände mit der Arbeit. Bis 18 Uhr werden 30.000 Umschläge geöffnet, die blauen Umschläge mit den Stimmzetteln herausgeholt und die Wahlscheine kontrolliert. Ab 18 Uhr dann setzt der Brieföffner an den blauen Umschlägen an.

Der massive Trend zur Briefwahl sorgt für einige Turbulenzen in den Wahllokalen

Etliche Bürger tauchen zum Wählen in ihrem angestammten Lokal auf, obwohl sie zuvor Briefwahl beantragt hatten. Weil sie hier aber nicht im Wählerverzeichnis stehen, muss der Vorstand jeweils in der des zentralen Wahldienststelle anrufen, um die Berechtigung zu überprüfen. Erst wenn dort ermittelt wurde, dass kein Stimmzettel per Post eingegangen ist, gibt es grünes Licht für die Wahl im Wahllokal.

Bergedorfer Wahldiensstelle Chrysanderstraße: Keine Stimmabgabe möglich

Eigentlich hat die zentrale Bergedorfer Wahldienststelle im alten Schulgebäude an der Chrysanderstraße die Aufgabe, die Bundestagswahl im Bezirk zu koordinieren und letztlich auch alle einzelnen Ergebnisse aus den 143 Wahllokalen in die Tabellen des Statistikamts Nord einpflegen. Aber sehr viel Arbeit geht hier den ganzen Sonntag über in Gespräche an der Tür: Permanent klingeln Bergedorfer, weil sie ihre Stimme abgeben wollen. Doch ihr Wahllokal ist in die Rudolf-Steiner-Schule Am Brink umgezogen. Einfach weiterleiten lassen sich viele Bürger aber nicht, haben sie nach Jahrzehnten des Wählens an der Chrysanderstraße doch viel Erklärungsbedarf.

Notruf bei der Wahldienststelle an der Chrysanderstraße

Am Sonntagvormittag teilte ein Bergedorfer mit, er habe sich gerade positiv auf Corona getestet, dürfe also nicht in sein Wahllokal. Das Team der Dienststelle reagierte unbürokratisch: Obwohl es noch kein ärztliches Attest gab, akzeptierte sie die Vollmacht des Erkrankten und gab dem Überbringer den Stimmzettel mit. Kurz darauf lieferte der den Umschlag mit den beiden Kreuzen des Erkrankten wieder in der Dienststelle ab.

Panne in Altengamme: Keine Wahlkabinen geliefert

Schock beim Wahlvorstand in der Schule Altengamme-Deich: Als sie um 7.30 Uhr die zum Wahllokal umfunktionierte Mensa aufschlossen, waren die Wahlkabinen nicht angeliefert. Doch das Team war erfinderisch: Die ersten Wähler machten ihre Kreuze in den benachbarten Umkleidekabinen. Um 8.30 Uhr trafen dann die echten Wahlkabinen ein.

Manuel Sarrazin (Die Grünen): 500 Meter für 500 Euro-Challenge

Grünen-Politiker Manuel Sarrazin ist aktuell nicht zu Fuß und auch nicht mit dem Auto unterwegs zu seinem Wahllokal in Cranz. Er hat sich für das Schwimmen entschieden. Der Grund: eine Spendenaktion. Sarrazin hatte dazu aufgerufen, für politische Gefangene in Belarus zu spenden. 500 Euro hatte er als Spendenziel ausgegeben und versprochen, am Tag der Bundestagswahl in die recht kalte Este zu springen und ins Wahllokal zu schwimmen, sollte das Spendenziel erreicht werden. Er will damit auf die schwierige Situation der Demokratiebewegung in Belarus aufmerksam machen.

Das gespendete Geld soll verwendet werden, um diese Menschen zu unterstützen. Organisationen wie Razam - die Organisation der belarusischen Diaspora - oder dissidentby.com kaufen damit Lebensmittelpakete und stellen Guthaben für Gefängniskonten politischer Gefangener bereit. Während der Haft haben die Gefangenen das Recht, Lebensmittelpakete im Wert von bis zu 50 Euro von ihren Angehörigen zu erhalten sowie Guthaben in gleicher Höhe auf einem ihnen zugeordneten Konto zu nutzen. Auf dieses Konto kann jeder Geld einzahlen. Alle zwei Wochen können die Gefangenen den örtlichen Gefängnisladen besuchen, um Waren des täglichen Bedarfs zu kaufen. Dies ist besonders wichtig für diejenigen, die keine Pakete von Verwandten erhalten können.

Briefwahlvorstände in Bergedorf

Dieses Mal werden in Bergedorf sogar 50 statt 30 Briefwahlvorstände zum Auszählen bereit sein. Das Auszählen ist öffentlich: Jeder darf dabei zusehen.

Insgesamt gibt es 93 Urnen-Wahllokale: 30 In Lohbrügge, 25 in Bergedorf, 25 im Landgebiet und 13 in Neuallermöhe. Etwa die Hälfte sind barrierefrei, also mit Rollstuhl zu erreichen - wenn auch meist eine elektronische Türöffnung fehlt.

Die Wahllokale im Bezirk Bergedorf haben seit 8 Uhr geöffnet

Seit 8 Uhr haben die 93 Wahllokale im Bezirk Bergedorf geöffnet. Im Einsatz sind rund 1200 Wahlhelfer. Am Freitag hatten bereits rund 32.000 Bergedorfer per Brief oder direkt in der Wahldienststelle an der Chrysanderstraße abgestimmt. Das wären fast 70 Prozent mehr als 2017.

Bundestagswahl Bergedorf: Wahlkreis 23 mit zwölf Direktkandidaten

Die sechs Kandidaten der größeren Parteien sind:

Das sind die anderen Bewerber, die im Wahlkreis 23 antreten:

  • Katja Schäfer (die Basis)
  • Manuela Körlin (Ökologisch-Demokratische Partei)
  • Jan-Martin Thoden (Volt)
  • Thomas Lindner (Freie Wähler)
  • Narzisse Nianur (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands)
  • Manfred Dammann (NPD)

Lesen Sie hier einen Artikel über die sechs anderen Kandidaten im Wahlkreis Bergedorf-Harburg: Von Öko bis radikal: Bergedorfs „kleine“ Direktkandidaten.

( isa/upb/ld )

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